Altar birgt auf Rückseite ein Schätzchen


Pastorin Sabine Kullik zeigt Besuchern gern die St. Cosmas- und Damiankirche in Minsen. Foto: Grabhorn

Pastorin Sabine Kullik zeigt Besuchern gern die St. Cosmas- und Damiankirche in Minsen. Foto: Grabhorn

Der „wangerländischer Pilgerweg“ führt zu den 14 Kirchen in der Gemeinde. Ein echtes Prachtstück ist der Altar in der St. Cosmas- und Damian-Kirche in Wiarden.


Von Von Jörg Grabhorn

Von vorne ist der blau-marmorierte Altar ein echtes Prachtstück, von hinten betrachtet sieht er, nun ja, ein bisschen zusammengezimmert aus. Da sind blanke Holzbretter und rostige Eisenbeschläge zu sehen. Aber wer guckt schon hinter den Altar?

Immerhin – in der St.

Cosmas- und Damian-Kirche in Wiarden ist es möglich. Und auf der Rückseite des Altars von 1749 ist auch ein kleiner Sensationsfund zu bestaunen: ein altes Eichenbrett, auf dem blass noch ein Bild von Jesus und den zwölf Aposteln zu erkennen ist. Dieses Brett stammt vom Vorgänger-Altar aus dem 14. Jahrhundert und wurde bei der Restaurierung des jetzigen Altars entdeckt.

Unabhängig von Altar und Brett lohnt die im 13. Jahrhundert erbaute Kirche auf jeden Fall einen Besuch, und das gilt auch für die anderen 13 Kirchen, die am „wangerländischen Pilgerweg“ liegen. Seit 2004 gibt es diesen Pilgerweg, der vor allem bei Urlaubsgästen auf große Resonanz stößt.

Die Wangerland Touristik GmbH (WTG) hat einen Flyer herausgegeben, der die 14 Kirchen mit ihren Besonderheiten aufweist und den Weg dorthin beschreibt.

Ein religiös-spirituelles Interesse ist aber natürlich nicht zwingende Voraussetzung, um im Wangerland auf Pilgertour zu gehen. Man kann sich schlicht an den aus Granitquadern und Ziegelsteinen errichteten Zeugen der Geschichte erfreuen. Viele der Kirchen stammen aus dem 12. und 13. Jahrhundert, also aus der Zeit, in der der Bau steinerner Kirchen überhaupt begann.

Meist auf Warften errichtet boten sie Schutz vor feindlichen Angriffen und der Gewalt der See. Einige Kirchen wie die mächtige St. Johannes-Kirche in Waddewarden oder die Gaukirche in Hohenkirchen liegen augenfällig entlang der Hauptverkehrsstraßen, andere wie die Wüppelser Kirche oder die St. Elisabeth-Kirche Westrum entdeckt man nur durch Zufall oder wenn man sie gezielt ansteuert.

Manche Kirchen beeindrucken allein durch ihre Größe, andere durch kunsthistorische Kostbarkeiten oder durch ihre Orgeln, die teils noch aus der Zeit des Barock stammen. St. Severinus und Jacobus in Minsen beispielsweise präsentiert sich innen wie außen recht schlicht, während St. Martin in Tettens durch sein prächtiges Sakramentshaus aus Sandstein besticht.

Neben den historischen und heute lutherischen Kirchen zählen auch zwei moderne katholische Kirchen zum wangerländischen Pilgerpfad: St. Ansgar in Hooksiel, 1966 geweiht, und St. Marien in Schillig, ein bis heute architektonisch markanter Flachdachbau ebenfalls aus den 60er Jahren. In jeder Kirche liegt ein Stempel aus, dessen Motiv auf die Besonderheit des jeweiligen Gotteshauses hinweist und mit dem die Pilger ihren Besuch in einem Pilgerpass dokumentieren können.

Im Gegensatz zu klassischen Pilgerrouten hat der wangerländische Pilgerweg allerdings weder einen Anfang noch ein Ende. Er wird auch nicht zu Fuß beschritten, sondern meist mit dem Rad abgefahren. So lässt er sich innerhalb von ein oder zwei Tagen gut bewältigen.


Der Wangerländische Pilgerweg führt zu 14 Kirchen:

Hohenkirchen: St. Sixtus und Siniciuskirche („Gaukirche“)

Hooksiel: St. Ansgar (katholisch)

Middoge: Kirche Middoge

Minsen: St. Severinus und Jacobus-Kirche

Oldorf: St. Marienkirche

Pakens: Kirche Zum heiligen Kreuz

Schillig: St. Marien (katholisch)

St. Joost: St. Jodocuskirche

Tettens: St. Martinskirche

Waddewarden: St. Johannes-Kirche

Westrum: St. Elisabeth-Kirche

Wiarden: St. Cosmas- und Damian-Kirche

Wiefels: Kirche Wiefels

Wüppels: Kirche Wüppels


Alle Kirchen sind täglich geöffnet. Besucher der Wiefelser Kirche können sich einen Schlüssel bei der Küsterin holen. Weitere Informationen gibt es bei den Kirchengemeinden und bei der Wangerland- Touristik in Horumersiel (Tel. 04426/987-0).