Mittwoch, 22.02.2012
Wilhelmshavener Zeitung – WZonline.de
Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
Passwort vergessen? Noch nicht registriert?  

Ratgeber/Multimedia/Themen 19.04.2011


Heutige Datenraten reichen auf lange Sicht aus


Wie schnell funken künftige Mobilfunkantennen? Foto: E-Plus

E-Plus warnt davor, das Thema LTE überzubewerten. Ein gespräch mit Pressesprecher Jörg Borm aus Hannover.


Von Malte Kirchner

 

WZ: Smartphones, Tablets und mobiles Surfen sind hoch im Kurs. Plötzlich lechzen viele Mobilfunkkunden nach höheren Datengeschwindigkeiten. Wie wird E-Plus dem Bedarf gerecht?
Jörg Borm: Da muss ich Ihnen leider widersprechen: Es stimmt nicht, dass viele Kunden heute immer höhere Datenraten verlangen.

Das mag auf den DSL-Markt zutreffen, nicht aber auf die mobilen Kunden: Mehr als die Hälfte der Mobilfunkkunden weiß nicht, mit welcher Geschwindigkeit sie gerade im Netz ihres Anbieter unterwegs sind. Heute sind mit Techniken wie HSDPA oder HSPA+ zwar schon Geschwindigkeiten von bis zu 21,6 MBit/s verfügbar, doch das ist weit mehr, als die Mehrzahl der Verbraucher benötigt. Das zeigt uns aber, das weniger die tatsächliche Datenrate als mehr das subjektive Empfinden, also das Kundenerlebnis, entscheidend ist.

WZ: Trotz der von Ihnen genannten hohen Geschwindigkeiten laden Internetseiten über Mobilfunkverbindungen aber immer noch weitaus langsamer als zuhause mit dem DSL-Anschluss. Wenn es nicht an der Bandbreite liegt, wie kann die die Ladezeit dann in Zukunft verkürzt werden?
Borm: Die Datenübertragungsraten über funktechnische Lösungen waren und sind stets niedriger als über drahtgebundene Verfahren. DSL liegt zur Zeit bei 50 MBit/s. Derzeit wird über 1GBit/s-DSL gesprochen. Im Bereich der Mobilfunkversorgung reden wir dagegen über Laborgeschwindigkeiten von bis zu 42 MBit/s. Der Blick zurück in die Geschichte zeigt, dass die Euphorie schon zu Zeiten der UMTS-Versteigerung groß war: Von 2 MBit/s sprach man damals – am Ende wurden es 384 kbit/s.

WZ: In der Debatte fällt vor allem immer wieder das Wort LTE. Welche Zukunft geben Sie der Long Term Evolution? Ist die Technik schon aufgereift?
Borm: Ausgereift ist sie noch lange nicht. Bis LTE im Markt ist und – viel wichtiger – der Verbraucher diese Technik auch in der Breite annimmt, vergeht noch sehr viel Zeit. Mindestens ein Jahr, eher länger. Heute dagegen möchte die breite Masse mit dem Smartphone unterwegs flüssig arbeiten können: Im Café, zu Hause oder sonst wo. Was brauchen Verbraucher dafür? Einerseits eine große Auswahl an Geräten zu angemessenen Preisen, andererseits eine erprobte Technik. Dazu noch günstige Tarife. Neuere Tests zeigen, dass bereits Datenübertragungsraten von weniger als 1 MBit/s ausreichen, um mit dem Smartphone flüssig zu arbeiten. Einem Smartphone bringt ein Mehr an Geschwindigkeit kaum noch etwas. In jedem Fall sind wir mit Techniken wie HSPA+ für die Zukunft des Massenmarkts sehr gut gerüstet. Das wird noch auf lange Sicht ausreichen. Doch wenn LTE irgendwann im Massenmarkt ankommt, können auch wir unsere Technik schnell umschalten.

WZ: Wurde E-Plus bei der Vergabe der LTE-Frequenzen gegenüber anderen Anbietern benachteiligt? Mancher sprach gar davon, dass Sie bei den begehrtesten Frequenzen leer ausgegangen sind. Inwieweit ist die LTE-Entwicklung bei E-Plus dadurch beeinträchtigt?
Borm: Begehrt waren einige der Frequenzen, weil sie größere Reichweiten ermöglichen. Das hat aber nichts mit LTE zu tun, da reden wir über die Physik. LTE funktioniert ebenso in anderen und höheren Frequenzbereichen. Viele Medien setzten die Auktion um die 800 MHz-Frequenzen mit dem Thema Breitband gleich. Auch das stimmt so nicht. Wir haben den größten Teil der Frequenzpakete für deutlich weniger Geld als die anderen erhalten und können auf unseren Frequenzbändern heute schon Hochgeschwindigkeit mit bis zu 21,6 MBit/s anbieten und irgendwann später, wenn der Markt soweit ist, problemlos auf LTE umschalten. Doch das dauert noch: Heute fragt im Handel niemand nach einer bestimmten Technik, allenfalls nach modernen Smartphones. Den Nutzern ist doch egal, was im Hintergrund auf der Technikseite passiert. Als Verbraucher möchte man mit dem Mobiltelefon in akzeptablem Tempo arbeiten können. Um Ihre Frage nach der Entwicklung zu beantworten: Kürzlich haben wir, gemeinsam mit der Technischen Universität Chemnitz und der Mugler AG, einen Test gestartet. Wir wollen erfahren, wie sich LTE aus Kundensicht „anfühlt“, wie die Kunden später damit umgehen werden.

WZ: Besteht noch Hoffnung, dass der Gesetzgeber bei der Zuteilung der Frequenzen nachjustiert?
Borm: Der Gesetzgeber wurde seitens der EU aufgefordert, das Frequenzvergabeverfahren im Nachhinein genau zu prüfen. Denn immer noch gibt es in Bezug auf Verteilung in Deutschland enorme Ungleichgewichte zwischen den Anbietern, die einen fairen Wettbewerb im Markt verhindern.

Leserfotos

Kein Leserfotos zum Artikel vorhanden

Leserkommentare (0)

Kein Kommentare zum Artikel vorhanden
 
 
Hinweis: Sie müssen eingeloggt sein, um Leserfotos hochzuladen oder Kommentare verfassen zu können.
Einfach Anmelden, um einen Kommentar zu schreiben.
 
Logindaten vergessen
Noch nicht registriert?


Diese Seite bookmarken bei...
bookmark at facebook.combookmark at studiVZpublish in twitterbookmark at del.icio.usbookmark at google.combookmark in your browserbookmark at mister wongbookmark at digg.combookmark at yahoo.com