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Gestern und Heute 13.08.2012


Von der Burg zum Konsumpalast


Dem ehemaligen Hotel „Burg Hohenzollern“ war nur eine Lebensdauer von 30 Jahren beschieden – von 1891 bis 1921. Dann wurde es abgebrochen, um Karstadt Platz zu machen. FOTO: WZ-Bilddienst

Eines der prägenden Gebäude in der Innenstadt ist das des heutigen Media-Marktes. Vor 100 Jahren stand hier das größte Hotel am Platze.


Von Ulrich Räcker-Wellnitz


Wilhelmshaven – Gelegentlich heißt es noch heute, das vormalige Warenhaus  Karstadt habe in dem ehemaligen Hotel „Burg Hohenzollern“ seinen Platz gefunden. Das ist so nicht richtig, vielmehr wurde die „Burg“ 1921 abgebrochen, um einem Neubau Platz zu machen.


Sie selbst war 1891 auf den Grundfesten des „Hotel Kaper“ errichtet worden, ein  dreigeschossiger Bau mit ausgebautem Dachgeschoss. Im Inneren befanden sich neben dem Hotelbetrieb ein großer Saal mit 800 Plätzen, Gesellschaftsräume sowie ein Wein- und Speise-Restaurant.

 

Die Eigenwerbung pries 1893 die besondere verkehrstechnische Anbindung, 1899 hatte das größte „Etablissement am Platze“ bereits „electrische Beleuchtung“  vorzuweisen. Zwar beherbergte die „Burg“ ab 1911 ein großes Kino, zeigte ab 1914 Varieté- oder Theatervorstellungen, konnte aber damit den Niedergang nicht  abwenden.


1920 erwarb die Rudolf Karstadt AG Grundstück und Haus mit der Absicht, ein Kaufhaus zu errichten. Dafür mussten Rammpfähle in den schwankenden Untergrund eingebracht werden, die dem neuen Gebäude mehr Standfestigkeit verleihen sollten.

 

Das im Mai 1924 eröffnete Warenhaus wurde zeitgenössisch als städtebauliche   Bereicherung bezeichnet, im Gegensatz zu „dem entsetzlichen Baustil der  Jahrhundertwende“. Es entwickelte sich schnell zu einem Mekka des Einkaufs, zumal
sich die Marktstraße zunehmend zum geschäftlichen Anziehungspunkt wandelte.


Nach einer erheblichen Kriegszerstörung am 3. November 1943 ging der Verkauf in der Turnhalle der Admiral-Scheer-Schule am Rathausplatz (heute steht dort die Hauptpost) weiter. Erst fünf Jahre später konnte der Betrieb wieder aufgenommen
werden, der Verkauf erfolgte nach der Währungsreform an „brechend vollen Tischen“ im Erdgeschoss.

 

Wenig später folgte die Nutzung der oberen Geschosse und danach war Karstadt stets an der Spitze der Neuerungen zu finden.Die erste Rolltreppe in Wilhelmshaven fand im Juni 1955  ihren Platz im Gebäude, bei der dafür notwendigen Schachtung stieß man auf alte Fundamente der oben erwähnten „Burg Hohenzollern“.

 

Ab Frühjahr 1962 zeigte Karstadt an der Ecke Kieler-/Börsenstraße auf einer „Camping-Schau“ die allerneuesten Artikel rund um „Camping in Italien, in Österreich, in Schweden oder am Geniusstrand“.


Mit Modenschauen präsentierte das Haus Karstadt die aktuellen Modetrends,  prominente Künstler oder Sportler gaben bei Karstadt Autogrammstunden. In thematischen Ausstellungen konnten die Wilhelmshavener Seltenes, Skurriles oder
Spannendes kennen lernen; häufig waren die Eisenbahnfreunde zu Gast, natürlich jeweils mit den Neuigkeiten aus dem entsprechenden Spielwarenangebot.


Ab Januar 1988 bot die Gastronomie im Haus einem Trend folgend Vollwertkost an, frühzeitig ging Karstadt im Juli 2000 öffentlich „online“. Allerdings tauchten 1983 erste Gerüchte über die Karstadt-Schließung auf, doch in den Folgejahren wurde mit Millionen-Beträgen den aktuellen Erfordernissen Rechnung getragen. Nach der Jahrtausendwende erfolgte die weitere Sanierung des Konzerns, dem man veraltete Strukturen und Warenangebot nachsagte.

 

Mit Karstadt kompakt folgte ein Rettungsversuch, ehe daraus „Hertie“ wurde. Im Sommer 2009 endete dieser Versuch, das Gebäude stand leer. Ab Juli 2011  verdichtete sich das Gerücht zur Gewissheit: Noch vor Weihnachten übernahm   Media-Markt das ehemalige Karstadt/Hertie Gebäude.

 

Quellen: Heimatlex. I,S.146, 3960, 6851, AB