Gestern und Heute 23.03.2013


Land hinter dem Deich


1885 wurde der Hooksiel erstmals aus Stein gebaut. Zuvor waren die Siele aus Holz errichtet worden. Diese hielten jedoch immer nur wenige Jahrzehnte. FOTO: WZ-BILDDIENST

Ein ebenso großes Problem wie der Schutz vor den Sturmfluten stellte für die Menschen in den Marschen des Wangerlandes die Entwässerung dar.


Von Hartmut Siefken

 

Wangerland - Wurten- und Deichbau erforderten von den Wangerländern wie den anderen Küstenbewohnern riesige Anstrengungen. Deichbau erzwang aber auch für die Entwässerung des eingedeichten Landes zu sorgen.

Man nutzte die vorhandenen Priele und baute am Auslass Siele. Später grub man auch systematisch Kanäle und Gräben. Bis ins vergangene Jahrhundert hinein stand nach langen Regenperioden das blanke Wasser auf Wiesen und Feldern der tief gelegenen Gebiete.

 

In den 50er- bis 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde die Entwässerung des Jeverlandes und Wilhelmshavens auf grundlegend neue Füße gestellt: Das Wangersiel und das Maadesiel regeln heute den Wasserstand in ihrem Wassereinzugsgebiet. Als die Harlebucht nach und nach eingedeicht wurde, wurde das Regenwasser durch etliche Siele hinausbefördert.

 

Auf ostfriesischer Seite entstanden Alt- und Neufunnixsiel, Carolinensiel, Friedrichschleuse und das heutige Harlesiel. Das alte und neue Berdumer Siel entwässerte einst die weit nach Süden vordringende Bucht, als diese wieder verlandet war und 1545 durch einen Querdeich gesichert wurde. Nach Norden zu folgten auf Wangerländer Seite Alt- und Neugarmssiel, später Sophiensiel und Friederikensiel.

 

Die Crildumer Bucht wurde durch die Siele bei Rüschestede nahe Hooksiel, bei Maihausen am Crildumer Tief, durch das St. Jooster Siel bei Altebrücke am Hohenstief und ein Siel bei der Stumpenser Mühle am Horumer Tief entwässert. Mit dem Deichbau 1542 wurden das Crildumer und Hohenstiefersiel vorverlegt, es entstand der Horumersiel, südlich 1546 das offene und deshalb schiffbare Hooksiel, das 1588 als gedecktes Siel neu errichtet wurde.

 

Bis ins 20. Jahrhundert wurde das Wangerland zu einem großen Teil durch diese vier Siele entwässert. Wo ein Siel war, gab es zumeist auch eine kleine Anlegestelle. Doch zur Entwicklung größerer Orte kam es bei den meisten Sielen nicht, weil sie schnell verlandeten und die Deichlinie vorgerückt wurde. Lediglich Carolinensiel, Horumersiel und Hooksiel machten eine Ausnahme.

 

Ein Problem machten seit jeher die tief liegenden Sietländereien. Diese weit im Binnenland liegenden ältesten Marschgebiete liegen tiefer alsdie junge Marsch. Jeder junge Groden (vergleiche das Englischeto grow = wachsen) wächst höher auf als der ältere. Es entsteht die sogenannte Poldertreppe. Weite Landstriche standen deshalb im Winter regelmäßig unter Wasser. So liegen die Sietländereien bei Jever rund einen Meter unter Normal-Null.

 

1925/26 wurden für das Moorland und Wiedel Mühlenachten gegründet, die zunächst windbetriebene, später diesel- bzw. heute elektromotorbetriebene Schöpfwerke errichteten. In den 60er-Jahren wurde die Entwässerung im Wangerland grundlegend verbessert und völlig neu geregelt. Man konzentrierte die Entwässerung auf ein einziges Siel, das neu gebaute Wangersiel.

 

Man baute vor den vorhandenen Deich einen weiteren, fast fünf Kilometer langen Deich Richtung Crildumersiel. Zwischen diesen beiden Deichen befindet sich jetzt der große Speicherpolder des Wangertiefs. In regennassen Zeiten oder bei Sturmfluten hebt das Schöpfwerk Wangerland das Wasser dort hinein, bevor es durch das Wangersiel wieder ausgelassen wird.

 

Das ganze Entwässerungssystem wird heute von der Sielacht Wangerland, einer Körperschaft öffentlichen Rechts, bewirtschaftet. Mitglieder des Verbandes sind die jeweiligen Grundeigentümer und Erbbauberechtigten der im Verbandsgebiet gelegenen Grundstücke. Die Mitgliedschaft ist Kraft Gesetzes an das Eigentum an Grund und Boden gekoppelt.