Gestern und Heute 25.02.2013


Des Fräuleins goldene Linie


Die  Drostenstraße  in Jever einst.              FOTO:    WZ-Bilddienst

Die Drostenstraße in Jever einst. FOTO: WZ-Bilddienst

Die  Drostenstraße  in Jever jetzt.  FOTO:    Siefken

Die Drostenstraße in Jever jetzt. FOTO: Siefken

Das Jeverland ist ein beredtes Beispiel für die jahrhundertelange deutsche Kleinstaaterei - allerdings mit besonderen Vorzeichen.


 

Von Hartmut Siefken

Jever - Wenn die Jeveraner auf ihre Geschichte zurückblicken, dann ist ihr Lokalpatriotismus durchaus angebracht. Der Name der Stadt ist deutschlandweit bekannt: Das Bier der Premium-Marke rinnt allerorten hektoliterweise durch die Kehlen.

Berühmte Geistesgrößen haben in Jever ihre Wurzeln, wie Seetzen, Vieth, Schlosser, von Thünen, Mitscherlich und Jaspers. Und beeindruckende Frauen haben Jever regiert: Das Fräulein Maria (1500 - 1575), das ab 1531 Landesherrin war und sich gegen das ostfriesische Grafenhaus behauptete, später die „ferne Fürstin“, Russlands Kaiserin Katharina die Große (1729 - 1796).

Nur während Marias Regentschaft war Jever Regierungssitz, später aber immerhin der Verwaltungs- und wirtschaftliche Mittelpunkt des Jeverlandes, stets wichtiger Markt- und Handelsplatz, einige Zeit Hafen, lange Zeit Sitz einer Garnison. Es hat eines der ältesten Gerichte und Gymnasien in der Region, und zahlreiche Baudenkmale wie das Schloss mit seiner berühmten Kassettendecke und das Grabmal für den Häuptling Edo-Wiemken, den Vater des Fräulein Maria, beides im Stil der niederländischen Renaissance. Es gibt einen uralten Schützenverein, verwinkelte Gassen mit altem Pflaster und sehr schöne Traditionsgasthäuser.

Und weil dies alles und noch viel mehr so schön und liebenswert ist, macht es die Jeveraner zu Recht stolz. Den Sinn für die Eigenartigkeit ihrer Stadt haben sie zu allen Zeiten bewahrt, auch als es um die Kreisreform 1972 ging, als Jever den Kreissitz verlieren sollte; damals zogen sie noch einmal eine „Goldene Linie“ - bis hierhin und nicht weiter.

Auf den folgenden Seiten wollen wir Sie, liebe Leser, auf einen Streifzug durch das alte Jever einladen und sie vielleicht ein wenig neugierig auf seine Geschichte machen.