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Zukunft im Süden

29.03.2018


Kriegslasten sollen sich in ein Kleinod verwandeln


Das Trilaterlae Wattenmeer-Partnerschaftszentrum ist als international wahrnehmbares Symbol geplant. Mit dem ersten Spatenstich hat die Bodensanierung auf dem Gelände rund um den alten Bunker begonnen.


Der Bunker westlich der Jadeallee gehört zu den Hinterlassenschaften aus Kriegszeiten. Er soll als Zeichen der Geschichte  in den geplanten Neubau integriert werden. Dem    gesamten Gelände des Banter-See-Parks kommt eine Schlüsselfunktion in der Entwicklung der Stadt zur Wasserseite im Süden zu.     WZ-Foto:    Grosse-Bockhorn

Der Bunker westlich der Jadeallee gehört zu den Hinterlassenschaften aus Kriegszeiten. Er soll als Zeichen der Geschichte in den geplanten Neubau integriert werden. Dem gesamten Gelände des Banter-See-Parks kommt eine Schlüsselfunktion in der Entwicklung der Stadt zur Wasserseite im Süden zu. WZ-Foto: Grosse-Bockhorn

 

Von Ursula Grosse Bockhorn
Wilhelmshaven - Ein alter Bunker erinnert an düstere Zeiten. Andere Zeugen an wechselvolle Zeiten mussten inzwischen weichen. Die Banter Kasernen wurden wie der zweite Bunker auf dem Areal zwischen Grodendamm, Emsstraße und Banter See inzwischen abgerissen.

In ihnen waren im Zweiten Weltkrieg U-Boot-Besatzungen untergebracht. Nach dem Krieg dienten sie als Internat für die Kinder britischer Armeeangehöriger. Als die „Prince Rupert School“ ins Weserbergland umzog, wurden die Klinkerbauten zur „Kasernenanlage Bant“ der Bundesmarine. Am Ende war das gesamte Gelände Brachland.

Die Wende brachte die Entscheidung, auf diesem vom Lauf der Geschichte gezeichneten Stück Erde etwas völlig Neues zu bauen: ein Koordinierungszentrum für die Zusammenarbeit von Dänemark, den Niederlanden und Deutschland zum Schutz des Wattenmeeres mit dem sperrigen Namen „Trilaterales Weltnaturerbe-Wattenmeer-Partnerschaftszentrum“.

Die einstigen Feinde arbeiten zusammen in Sachen Naturschutz: „Das abschreckende Kriegserbe wird verwandelt in einen Ort der friedlichen internationalen Kooperation und der weltweit nachhaltigen Entwicklung“, sagte Niedersachsens damaliger Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne), als er im Landtag um Unterstützung für das Projekt warb.

Gleichwohl: Die Kriegslast wiegt noch schwer. Bevor das von Wenzel in Aussicht gestellte „Kleinod der Küste“ Strahlkraft gewinnen kann, müssen erst einmal verseuchten Boden- und Grundwasserflächen saniert werden. Mit dem ersten Spatenstich am 23. März wurde damit begonnen.

Allein für die Sanierung sind Kosten von 1,8 Millionen Euro veranschlagt worden. 730 000 Euro gibt das Land Niedersachsen. Viel Geld, das Stadtbaurat Oliver Leinert aber als gut angelegt betrachtet, „Die Gestaltung des Banter See Parks gehört zu den großen Projekten, mit denen wir unsere Stadt zur Wasserseite im Süden entwickeln.“ Dabei geht es ihm nicht nur um das Wattenmeer-Partnerschaftszentrum. Die Sanierung des Geländes sei Grundvoraussetzung, um auch über die weitere zukünftige Nutzung des Geländes zu entscheiden.

Doch die Bodensanierung schafft keine Tabula rasa. Ein Bunker bleibt zur Mahnung. Ihn in das neue Gebäude, dieses Symbol für eine bessere Zukunft zu integrieren, gehörte zu den Herausforderungen für die 14 Architekturbüros aus dem In- und Ausland, die sich einem „nichtoffenen hochbaulichen Realisierungswettbewerb mit städtebaulichem Ideenteil“ stellten. Zugleich sollen Gebäude und das weitläufige Außengelände auch den Charakter des Wattenmeeres zum Ausdruck bringen.

Das künftige Zentrum soll die internationale Adresse der Wattenmeerzusammenarbeit werden und als international wahrnehmbares Symbol für den Schutz des einzigartigen Weltnaturerbes Wattenmeer von Den Helder in den Niederlanden bis nach Esbjerg in Dänemark stehen. Dieser Anspruch spiegelt sich in der internationalen Beteiligung am Architektenwettbewerb.

Dadurch gibt es ein auch die fach- und sachkundige Jury beeindruckendes Qualitätsniveau. In allen Entwürfen sei die Planungsaufgabe in kreativer Weise aufgenommen worden. Die Lösungen hätten auf verschiedene Art und Weise Nachhaltigkeitsprinzipien mit Nutzerfreundlichkeit und dem Thema Wattenmeer verbunden, heißt es abschließend. Erst nach drei Durchgängen konnte sich die Jury auf die besten drei Entwürfe und die Verteilung der Preisgelder in Höhe von insgesamt 50 000 Euro einigen. Allerdings: Die Entscheidung für den Entwurf der Dänin Dorte Mandrup fällt einstimmig.

Ihr Entwurf eines in die Ebene des Wattenmeeres gesetzten Kubus ist zusammen mit den zweit- und drittplatzierten sowie zwei mit einer Anerkennung bedachten Entwürfen noch bis zum 22. April im Wattenmeer-Besucherzentrum, Südstrand 110b zu sehen.

Die hohe Qualität und die internationale Beteiligung sind für den Stadtbaurat aber auch eine Bestätigung für die Stadt. „Wir spielen mit unserer städtebaulichen Entwicklung in einer der oberen Ligen mit.“