Wilhelmshaven

15.05.2018


Fadenartige Mikroorganismen halten die Meeresoberfläche warm


In Wilhelmshaven ansässige Wissenschaftler ermitteln Erkenntnisse, die für die Klimaforschung wichtig sind. Dabei erforschen sie kleinste Lebewesen.


ICBM-Mitarbeiterinnen Mariana Ribas Ribas und Nur Ili Hamizah Mustaffa bereiten den Forschungskatamaran an Bord der „Falkor“ für den Einsatz vor.    Foto:    Oliver Wurl/ Universität Oldenburg

ICBM-Mitarbeiterinnen Mariana Ribas Ribas und Nur Ili Hamizah Mustaffa bereiten den Forschungskatamaran an Bord der "Falkor" für den Einsatz vor. Foto: Oliver Wurl/ Universität Oldenburg

 

Wilhelmshaven/Oldenburg/si - Sie wirken wie ein Mantel: Dichte Ansammlungen aus fadenartigen Mikroorganismen halten die dünne Oberflächenschicht des Meeres warm und verlangsamen Verdunstung.

Darauf deuten die Ergebnisse eines internationalen Teams um den Meereschemiker Dr.

Oliver Wurl des auch in Wilhelmshaven ansässigen Instituts für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) an der Universität Oldenburg hin.

Die Wissenschaftler untersuchten die obersten hundertstel Millimeter des Meeres in Bereichen der Timorsee nördlich von Australien. Das Ergebnis: Diese Schicht ist um wenige Zehntelgrad wärmer und weniger salzig, wenn Matten aus Trichodesmien - fadenartige, Fotosynthese betreibende Mikroorganismen - sich dort ansammeln.

Nach Ansicht der Autoren sollten Wissenschaftler diesen Einfluss berücksichtigen, um den Wasserkreislauf, Wärmeflüsse und somit das klimatische Geschehen in bestimmten Regionen besser zu verstehen. Die Ergebnisse sind in der Online-Ausgabe des Fachmagazins Geophysical Research Letters erschienen.

Die riesige Oberfläche der Weltmeere können Wissenschaftler nur dank Satellitentechnologie beobachten: Der Blick von oben ermöglicht unter anderem zu beurteilen, welche Rolle die Ozeane im Wärme- und Wasserhaushalt und damit für das Klima auf der Erde spielen. Dafür leiten Forscher aus Daten zum Salzgehalt an der Meeresoberfläche beispielsweise ab, wie stark es in einer bestimmten Region regnet.

Vor allem in tropischen Regionen, aber auch beispielsweise in der sommerlichen Ostsee, bilden sich bei warmen, ruhigen Wetterlagen typische Ansammlungen von sogenannten Cyanobakterien, die eine Fläche von mehr als 1000 Quadratkilometern einnehmen können. Die auf der Oberfläche treibenden fadenartigen Bakterien sind von einer gelartigen Substanz umgeben, die sich wie ein Film auf das Wasser legt. Die Matten - Experten sprechen von „Slicks“ - dämpfen Bewegungen und ändern die physikalischen Eigenschaften der Grenzschicht zwischen Wasser und Luft.