Zukunft im Süden - 23.11.2017


Mit dem Hafen die Stadt flottmachen


Der WHV-Sitz in der Luisenstraße (im Bild rechts das alte städtische Lagerhaus). WZ-Foto: Gabriel-Jürgens.

Im Backsteinbau an der Luisenstraße geht es seit jeher um Verkehrswirtschaft, ob auf der Straße oder auf dem Wasser, wie die Vorstandsmitglieder

Die Hafenwirtschafts-Vereinigung will die Gewerbeansiedlung und den Tourismus fördern. Der Sitz an der Luisenstraße liegt im alten Versorgungszentrum der Stadt.


Von Ursula Grosse Bockhorn/Südstadt – Das Haus Luisenstraße 5 verkörpert Tradition. „Es war immer ein Haus der Verkehrswirtschaft“, sagen John H. Niemann, Präsident der Wilhelmshavener Hafenwirtschafts-Vereinigung (WHV), Schatzmeister Heiner Holzhausen und Beiratsmitglied Günter Reiche.

Errichtet wurde der Backsteinbau, als 1912/13 die damalige Verkehrsgesellschaft Wilhelmshaven mit dem Betrieb der Straßenbahn begann. 1978 zogen die Stadtwerke in ihren Neubau auf der anderen Straßenseite. Auch als nach einem Logistikunternehmen die Neptun Schiffahrts-Agentur (mit Geschäftsführer John H. Niemann) Einzug hielt, blieb es bei der Ausrichtung auf den Verkehr, nur dass sich nun der Blick vollends Richtung Wasser drehte.

Heute haben neben der Schiffahrts- Agentur unter anderem der Nautische Verein, die JadeWeserPort-Aktiengesellschaft und eben die Wilhelmshavener Hafenwirtschafts-Vereinigung ihren Sitz in dem Gebäude nah am Handelshafen.

Doch neben dem Wasser hat die WHV das gesamte historische Ensemble im Blick. Zwischen ihrem Fenster und dem Handelshafen liegen das alte städtische Lagerhaus und nahebei auch das Gelände des alten Schlachthofs. Dies sei einst das Versorgungszentrum der Stadt gewesen, bekräftigen die Sprecher der WHV. Diese zentrale Funktion des Quartiers wollen sie wiederbeleben mit mittelständischen Unternehmen, die auf einen Hafenanschluss angewiesen sind. So würden sie gern das städtische Lagerhaus wieder „flottmachen“. Auch die ehemalige Figdor-Pieranlage und die Funktionstüchtigkeit der sanierungsbedürftigen Deichbrücke spielen in ihren Überlegungen eine Rolle. Es müsse weiterhin möglich sein, Schiffsverkehr vom Kanal in den inneren Hafen einzubringen.

Dabei denken die WHV-Vertreter nicht zuletzt an die Freizeitschifffahrt. Maritime Wirtschaftsförderung geht für sie einher mit der Förderung der touristischen Attraktivität der Stadt. Das sei ein Pfund, mit dem sich auch in Sachen Tourismus wuchern lasse. Mit Michael Diers, Geschäftsführer der Wilhelmshaven Touristik und Freizeit, ist man in vielen Fragen einig. Grundsätzlich wird auch das Tourismuskonzept unterstützt.
Nachdem die Stadt das JadeWeserPort-Infocenter gekauft hat, sollte das – so die WHV – künftig über den gesamten Hafen informieren, moderne Technik macht es möglich. Technisch ist es aus Sicht der WHV auch möglich, vermehrt Kreuzfahrtschiffe nach Wilhelmshaven in den inneren Hafen zu holen. Dabei denken Niemann und seine Mitstreiter an Schiffe kleiner und mittlerer Größe, die im Nordseeverkehr unterwegs sind. Das sei ein Bereich mit Ausbaupotenzial. Da sei es natürlich nötig, den Passagieren ein attraktives Tagesprogramm zu bieten. Aber in Zusammenarbeit mit der gesamten Region gebe es hinreichend zugkräftige Ziele. Dazu gehören die Orgeln in den Kirchen an der ostfriesischen Küste ebenso wie die Sielhä- fen und Oldenburg, aber auch das Weltnaturerbe Wattenmeer und die Wilhelmshavener Museumslandschaft, nach dem geplanten Umbau des Wattenmeer-Besucherzentrums und der ebenso unverzichtbaren Umgestaltung des Küstenmuseums.