Zukunft im Süden - 23.11.2017


Hier finden kreative Köpfe ihren Freiraum


Melanie Fasche (li.), studentische Hilfskraft,

Die Jade Hochschule setzt auf die Südstadt, um den Studienort attraktiver zu machen. Dies machen Projekte wie das Café Freiblock und das Filmfestival "Blende eins" deutlich.


Von Ursula Grosse Bockhorn

Südstadt – Wilhelmshaven gilt nicht unbedingt als Studentenstadt. Rund 5000 Studierende zählt der Studienort Wilhelmshaven der Jade Hochschule. Doch nur ein vergleichsweise geringer Teil wohnt auch in der Stadt und findet eine Beziehung zum Studienort.

Das möchten die Hochschulleitung und der Verein zur Förderung der Jade Hochschule in Wilhelmshaven ändern, wie Claudia-C. Baumgärtner, Leiterin des Zentralen Veranstaltungsmanagements der Jade Hochschule und Vorstandsmitglied des Fördervereins, erklärt.

Baumgärtner hat Anfang der 1990er Jahre selbst an der damaligen Fachhochschule in Wilhelmshaven studiert und ist dann nach verschiedenen auswärtigen Stationen zurückgekehrt. Studierende in der Region zu halten oder nach den ersten beruflichen Erfahrungen zurückzuholen, das sollte nach ihrer Auffassung sehr viel häufiger geschehen. Dafür ziehen Hochschule und Wirtschaftsverbände an einem Strang. Die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft in der Region sei extrem gut.

„Wilhelmshaven ist deutlich besser als sein Ruf“, sagt Baumgärtner. Diese Erkenntnis sollten die Studierenden spätestens während ihres Studiums gewinnen, am besten aber schon vor der Entscheidung für den Studienort. Wilhelmshaven ist nicht Hamburg oder Berlin. Aber das sei durchaus kein Nachteil, sagt Melanie Fasche, studentische Hilfskraft im Veranstaltungsmanagement. Hier sei alles überschaubarer. Die Hochschule sei weniger anonym als große Universitäten. Es sei nicht nur leichter, Kontakt zu Mitstudierenden zu knüpfen. Auch die Dozenten sind einfacher erreichbar.

In den Bestrebungen des Jade Kulturwerks und des Fördervereins, Wilhelmshaven für Studierende attraktiver zu machen, spielt neben dem Campus an der FriedrichPaffrath-Straße die Südstadt eine zentrale Rolle. Das Pumpwerk und andere Kultureinrichtungen liegen quasi gleich um die Ecke, alles ist schnell erreichbar. Große Wohnungen zu erschwinglichen Mietpreisen sind für studentische Wohngemeinschaften wie geschaffen. So siedeln sich immer mehr Studentinnen und Studenten im historischen Kern der Stadt an und erfüllen ihn mit neuem Leben.

Was im Vergleich zu den alten Universitätsstädten fehlt, das seien urige Kneipen und Cafés. Doch mit dem „Freiblock“ an der Marienstraße ist nach Auffassung von Melanie Fasche der Anfang gemacht. „Das ist ein Super-Anlaufpunkt“, sagt sie. Dort können sich Menschen mit kleinem Geldbeutel tagsüber treffen, Kaffee trinken oder Spiele spielen. Dank des Arbeitsraumes können sie sogar zusammen mit anderen sich auf Klausuren vorbereiten oder Hausarbeiten verfassen.

Zugleich bietet die Südstadt Perspektiven über das Studium hinaus – mit kleinen Läden, Büro- und Werkstatträumen, die jungen Gründern Raum geben, Ideen zu entwickeln und in die Praxis umzusetzen. Das Filmfestival Blende eins sei ein gutes Beispiel dafür, dass Hochschulabsolventen in der Südstadt gute Voraussetzungen für die Realisierung von Projekten nutzen können und damit zugleich neue Angebote für ein junges Publikum schaffen, sind sich Baumgärtner und Fasche einig. Und gerade in diesem Jahr, als die Filme im alten Jadebad am Kanalweg über die Leinwand flimmerten, habe sich gezeigt, dass die Südstadt Veranstaltungsräume mit einzigartigem Charme zu bieten habe.