Wilhelmshaven

21.09.2017


Lies: "Nächste Ausbaustufe des JadeWeserPorts 2028 in Betrieb nehmen"


Als Geisterhafen verschrien. Inzwischen als Hoffnungsträger der deutschen Seehäfen bei der Abfertigung von Riesen-Containerschiffen anerkannt. Die WZ sprach mit Wirtschaftsminister Olaf Lies über fünf Jahre JadeWeserPort.


Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies an Bord der „MSC Oscar“.   WZ-Foto:    WZ-Bilddienst/Lübbe

Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies an Bord der "MSC Oscar". WZ-Foto: WZ-Bilddienst/Lübbe

 

Von Gerd Abeldt

 

WZ: Herr Lies, der JadeWeserPort wird heute fünf Jahre alt. Ist das ein Grund zum Feiern?
Lies: Selbstverständlich, denn ich bin davon überzeugt, dass die Entscheidung, den JadeWeserPort zu bauen, richtig war.

Angesichts der schwierigen Ausgangs- und Marktlage zum Startzeitpunkt können wir durchaus stolz auf das bisher Erreichte sein. Der JadeWeserPort wird mittlerweile von zwei der drei weltgrößten Reedereiallianzen angelaufen und die Entwicklung des JadeWeserPorts ist gerade in den letzten Monaten sehr positiv. Die schweren Zeiten der ersten Jahre sind nun endgültig vorbei.

 

WZ: Dennoch liegen die Umschlagsmengen weit unter den möglichen drei Millionen Standardcontainern pro Jahr.

Lies: Auch wenn der Containerhafen in Wilhelmshaven noch nicht ausgelastet ist, der Hafen hat seine Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt und zeigt, wie zukunftsfähig er ist. Das ist absolut erfreulich. Und hier können wir sagen: Der Hafen hat seinen Platz auf den weltweiten Seekarten der Reedereien gefunden. Fünf Jahre JadeWeserPort sind also ein Grund zum Feiern. Mein Glückwunsch und Dank gilt den Beschäftigten, den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der JadeWeserPort Realisierungs- und Marketinggesellschaft sowie des Terminalbetreibers Eurogate und den Ansiedlern der ersten Stunde, die mit ihrer Tatkraft und auch ihrem Durchhaltevermögen diese Entwicklung möglich gemacht und unterstützt haben.

 

WZ: Sie haben sich als Wirtschaftsminister in den vergangenen vier Jahren intensiv darum gemüht, den Containerhafen bekannt zu machen, Reeder von Wilhelmshaven zu begeistern und Ladung an die Jade zu holen. Warum liegt das Umschlagsvolumen trotzdem auch fünf Jahre nach der Inbetriebnahme immer noch deutlich unterhalb den seinerzeitigen Erwartungen?

Lies: Ein wesentlicher Grund ist sicher, dass die Eröffnung des JadeWeserPorts zu einem Zeitpunkt erfolgte, als die Containerschifffahrt in einer tiefen Krise steckte. Diese Entwicklung war während der Planungs- und Bauzeit, als sich die Frachtraten im Containerumschlag Jahr für Jahr übertrafen, nicht absehbar. Nach der Eröffnung war uns allen jedoch sehr schnell klar, dass sich der Hafen eben nicht von alleine vermarkten und entwickeln würde. Wir mussten die Ärmel hochkrempeln und hart dafür arbeiten, um Deutschlands einzigen Tiefwasserhafen auf dem Markt bei den Reedereien, den Verladern und Kunden zu etablieren. Dazu war ich mit allen Beteiligten weltweit unterwegs. Nach schwachem Containerumschlag 2013 und 2014 konnten im Jahr 2015 auf der Grundlage der neuen 2M-Dienste sowie entsprechender Feedermengen rund 427 000 TEU umgeschlagen werden, was mehr als einer Versechsfachung des Umschlagsvolumens entsprach. 2016 verzeichnete der JadeWeserPort eine Containerumschlagsmenge von rund 482 000 TEU und damit ein Wachstum von rund 13 Prozent. Wie Sie sehen, geht es mit dem JadeWeserPort inzwischen gut voran. Aber es braucht angesichts schwieriger Marktverhältnisse einfach immer noch Zeit und Anstrengung, um einen solch jungen Hafen auszulasten.