Friesland

13.01.2018


Bahnumfahrungsbau auf tönernen Füßen


Der Untergrund ist für den Schienenbau schwierig. Neue Hürden lassen Zweifel laut werden, ob der Zeit- und Kostenplan zu halten ist.


Bevor die Pipeline der Nord-West-Oelleitung bei Altenhof weiter verlegt werden kann, muss der Baugrund wieder hergestellt werden.     WZ-Foto:    Lübbe

Bevor die Pipeline der Nord-West-Oelleitung bei Altenhof weiter verlegt werden kann, muss der Baugrund wieder hergestellt werden. WZ-Foto: Lübbe

 

Von Malte Kirchner
Sande - Dass die Gemeinde Sande nicht einmal auf den sprichwörtlichen tönernen Füßen steht, sondern vorwiegend auf einem Gemisch aus Schluff, Torf und anderen Sedimenten, ist hinlänglich bekannt. Was sich allerdings im Spätsommer 2017 bei Altenhof ereignete, überraschte augenscheinlich selbst die Experten, die damit nicht gerechnet hatten: Bei der Verlegung einer Pipeline der Nord-West-Oelleitung ereignete sich ein so genannter Grundbruch.

Hierbei kam die Böschung eines Rohrgrabens ins Rutschen. Der Vorfall, über den bislang Stillschweigen herrschte, soll für allerlei Mehrarbeit und hektische Betriebsamkeit gesorgt haben, wie die WZ aus informierten Kreisen erfuhr. Die Verlegung der Leitung gehört zu den vorbereitenden Arbeiten für die lange erwartete Bahnumfahrung.

Die Deutsche Bahn AG, die ebenfalls Kenntnis hatte, räumte den Vorfall auf Nachfrage ein: So sei beim Aushub des Rohrgrabens zur Freilegung der Ölleitung auf einer Länge von ca. 40 Meter eine unterliegende Torfschicht angeschnitten worden, teilte ein Sprecher mit. Der Baugrund werde durch „geeignete Maßnahmen wieder hergestellt“.

Bei der Frage, ob sich diese Probleme auch auf die künftig zum Teil nur wenige Meter entfernt verlaufende Bahnumfahrung und deren Entstehung auswirken könnte, gibt man sich bei der Bahn gewiss: Das eine sei mit dem anderen nicht zu vergleichen.

Für die Bauingenieure der Bahn ist es tatsächlich keine neue Erkenntnis, dass der hiesige Boden für „den Bau von Verkehrswegen sehr ungünstig“ ist, wie es diplomatisch in einer Baubroschüre heißt. Weich und „sehr kompressibel“, also dehnbar, ist der Untergrund. Und immer wieder für Überraschungen gut. Dies ist vor allem eine Folge davon, dass das Meer in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder Besitz von dem Land ergriffen hat oder Teile dem Meer durch Deiche abgerungen wurden.

Auf der Bahnstrecke Wilhelmshaven-Oldenburg, deren Ausbau derzeit zwischen Sande und Varel stattfindet, setzt die Bahn deshalb das ganze Instrumentarium ein, das ihr für solche Fälle zur Verfügung steht: Wo das Aufschütten von Sand nicht genügt, fressen sich Fräsen mit ihren großen Schwertern in den Boden und verfestigen ihn mit eingespritztem Beton. Dort, wo selbst das nicht hilft, werden bis zu 20 Meter hohe Betonpfähle in den Boden gerammt, auf denen unterirdische Betonbrücken errichtet werden.

Vor allem aber braucht es viel Sand: Als Baumaterial für den Bahndamm und zur Verfestigung des Untergrunds. Aber auch, um den Boden erst mal auf eine erforderliche Spannung zu bringen, damit er später nicht nachgibt.