Wilhelmshaven

04.02.2012


"VulgarGrad": Unterhaltsame Nacht mit traurigen Revolverhelden


Ein großer Spaß, bei dem die Bandmitglieder zwischendurch ein bisschen Wiener Walzer mit dem Publikum tanzten.


Skeptischer Blick, tolle Stimme: Jacek Koman - der Mann mit dem roten Einstecktuch - röhrte sich mit seinen Kollegen der australischen Band „VulgarGrad“ durch einen unterhaltsamen Abend im Klingklang.      WZ-FOTO:    Lübbe

Skeptischer Blick, tolle Stimme: Jacek Koman - der Mann mit dem roten Einstecktuch - röhrte sich mit seinen Kollegen der australischen Band "VulgarGrad" durch einen unterhaltsamen Abend im Klingklang. WZ-FOTO: Lübbe

Wilhelmshaven/mün - „Das nächste Lied“, kündigt Sänger Jacek Koman in nachvollziehbarem Englisch an, riecht nach den Gossen von Moskau. Erstaunlicherweise heißt es dann aber „Super Good“, stammt aus dem jüngsten Album der Band „Vulgargrad“ mit Namen „King of Crooks“ (König der Gauner) - und klingt auch so: Supergut.

 

Wie überhaupt der gesamte Auftritt der Australier, die auf ihrer ausgiebigen Europatour am Donnerstag in der Musikkneipe „Klingklang“ landeten, supergut - wenn auch sehr schlecht besucht - war.

Das Verb „landen“ hat eine gewissen Berechtigung. Denn die Stimme des Sängers und Schauspielers (Moulin Rouge, Australia) Koman wurde andernorts schon mit einem Jumbojet verglichen, der auf der Landebahn eines Flughafens entlangkratzt.

 

So oder so: Koman ist keine Tom Waits-Kopie, der gebürtige Pole singt einfach heisere betrunkene Lieder, die von merkwürdigen, meist düsteren Dingen handeln. Dazu gibt?s satte Trompeten -und Posaunensätze, knackige Drums und eine blitzsauber Gitarre, eine überdimensionale „Brain-Drain“-Kontrabass-Balalaika - und „Dr. Bajan“, den barfüßigen Akkordeon-Spieler, der sich, die eine oder andere deutsche Ansage einwerfend, auf hochgradig unterhaltsame Weise durch das Programm grimassierte.

Am Ende bearbeitete der „Doktor“ seine Fußpedale sogar mit den Knien und bekam sich angesichts dieser Ekstase fast selbst nicht mehr ein vor Lachen. Wie gesagt: ein großer Spaß, bei dem die Bandmitglieder zwischendurch ein bisschen Wiener Walzer mit dem Publikum tanzten, das zu „Cigarette“ auch noch seine Tango-Tanzschulkenntnisse in die Waagschale werfen durfte.

 

„Wir kommen wieder und dann singen alle mit“, kündigte Jacek Koman an. Das klang wie eine Drohung, sollte aber wohl nur der Hoffnung Ausdruck verleihen, dass dann ein paar mehr Menschen mittanzen bei dieser Nacht der sicher zwischen den Musikstilen wandelnden Revolverhelden.