Friesland

17.08.2013


Von der Theaterbühne zum "Tatort"


Jonas Schlagowsky spielt eine Episodenrolle. Der 25-Jährige stand für die Theater-AG des Mariengymnasiums zum ersten Mal auf der Bühne. Ab September spielt er am Nationaltheater in Weimar.


Jonas Schlagowsky ist Schauspieler am Nationaltheater in Weimar und spielt im Saarbrückener „Tatort“ mit.     WZ-FOTO:    Bjoern Luebbe

Jonas Schlagowsky ist Schauspieler am Nationaltheater in Weimar und spielt im Saarbrückener „Tatort“ mit. WZ-FOTO: Bjoern Luebbe

 

Von Meike Hicken

Sillenstede - Der Umzug nach Weimar ist längst perfekt. Im September tritt Jonas Schlagowsky dort seinen neuen Job an. Als Schauspieler am Nationaltheater. Für den 25-Jährigen ist das ein großer Karrieresprung - sein Umfeld findet indes die Episodenhauptrolle im Saarbrücker „Tatort“ sehr viel aufregender.

In dem Krimi, der im Januar in der ARD ausgestrahlt wird, spielt er den Bruder eines Jungen, der offenbar Opfer eines Kinderschänders wurde. „Mehr wird nicht verraten“, sagt Jonas Schlagowsky und grinst.

Der 25-Jährige ist in Sillenstede aufgewachsen. Am Mariengymnasium in Jever hat er die Schauspielerei lieben gelernt. „Ich mochte weder Musik noch Kunst, also habe ich darstellendes Spiel gewählt“, sagt er und lacht. Am Anfang war ihm das etwas peinlich. „Ich hab? die pubertäre Scham aber schnell abgelegt.“ Als er auf Anregung seines Lehrers, Jens Marnowsky, für die Theater-AG zum ersten Mal auf der Bühne stand, war davon schon nichts mehr zu spüren.

Von diesem Zeitpunkt an stand sein Weg fest. Er studierte Schauspiel in Frankfurt, bekam dort seine ersten Rollen, spielte an großen Häusern in Deutschland und der Schweiz. Er bekam den Vertrag, der ihm für die nächsten drei Jahre eine Anstellung in Weimar sichert - und wurde noch während seines vorherigen Engagements in Saarbrücken für den „Tatort“ gecastet.

„Für mich hat die Rolle nicht die Dimension, wie viele glauben“, sagt er und trinkt einen Schluck von seinem Espresso - doppelt, mit Milch. Sein Blick wandert nach draußen, er denkt kurz nach. Jeder Satz, den er sagt, scheint überlegt und abgewogen.

„Natürlich kennt jeder den Tatort. Viele schauen das, aber am Theater habe ich schon sehr viel komplexere Rollen gespielt.“ Da war zum Beispiel der böse Sohn von Artus in der Sage um den Zauberer Merlin, den er am Schauspielhaus in Zürich gespielt hat. „Er bringt Vater und Mutter um“, sagt Jonas Schlagowsky. Und um solch eine Rolle spielen zu können, müsse man sich in die Figur hineinversetzen, die Beweggründe nachvollziehen und sich mit ihr auseinandersetzen. „Es ist immer eine Suche, bis man weiß, wie man es spielt“, fügt er nach einer Pause hinzu.

Seine anspruchsvollste Figur aber war die eines jungen Revolutionärs in dem Stück „Die Dämonen“ von Dostojewski am Staatstheater in Saarbrücken. „Er war radikal, sehr theoriepolitisch und unglaublich geschwätzig.“ Jonas Schlagowsky versuchte, die Rolle in die Denke unserer Zeit zu übersetzen. „Ich wollte Parallelen zur heutigen Gesellschaft finden.“

Dieses Herauslösen aus dem Mikrokosmos, in dem die Figuren einst entstanden, hält er nun in Weimar für eine der größten Herausforderungen. In der Heimat von Schiller und Goethe erwarteten die Zuschauer, dass das Theater ihnen zeige, was die Dichter mit ihren Stücken ausdrücken wollten. „Das kann ich nicht leisten“, sagt Jonas Schlagowsky und schaut wieder in Richtung Fenster. „Ich kann jede Figur nur so spielen, wie die Menschen heute sind.“

So sei das Theater sicher immer auch ein Spiegel der Gesellschaft. „Aber das klingt so hochtrabend“, sagt der 25-Jährige und lacht. Man müsse aus dem Stück eine allgemeine Gültigkeit ziehen. „Den Bezug kann der Zuschauer dann schon selbst herstellen.“

Das Theater ist Jonas Schlagowskys Leidenschaft. Trotzdem würde er gern öfter vor der Kamera stehen. „Vielleicht wird jemand durch den Tatort auf mich aufmerksam.“

Der Krimi war seine erste Fernsehproduktion und dementsprechend neu und ungewohnt war auch die Arbeit am Set. „Beim Theater arbeitest du acht Wochen lang auf die Premiere hin, probst, bekommst Feedback, änderst etwas. Beim Fernsehen gibt es einen strengen Zeitplan. Du bist den ganzen Tag am Set und musst dann auf den Punkt deine Szene spielen.“ Der gesamte „Tatort“ wurde an 21 Tagen gedreht, Jonas Schlagowsky war an sieben Tagen am Set. „Und in dieser Zeit verdient man so viel, wie sonst in einem Vierteljahr.“

Den fertigen „Tatort“ wird er wahrscheinlich im Januar bei einem Festival in Saarbrücken sehen. Diese Chance, seine Arbeit selbst zu beurteilen, hat er am Theater sonst nicht. „Ich kenne das von Studentenproduktionen und es ist in Ordnung“, sagt er. Fachlich bringe es ihn aber nicht weiter. „Ich gehe in meinen Rollen auf, spiele die Figur so, wie sie meiner Meinung nach ist - und die sieht sich ja schließlich auch nicht von außen.“