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14.05.2012


Nokia goes Microsoft...und tut sich damit einen Gefallen: das Nokia Lumia 800


Nokia und Microsoft haben eine Smartphone-Allianz geschmiedet. Das Ergebnis? Das Lumia 800 ist angenehm anders!


Das Nokia Lumia 800 gibt es in verschiedenen Farben.  Das nächste Gerät aus der Reihe, das Lumia 900, kommt Ende Mai in den Handel.   FOTO:    Nokia

Das Nokia Lumia 800 gibt es in verschiedenen Farben. Das nächste Gerät aus der Reihe, das Lumia 900, kommt Ende Mai in den Handel. FOTO: Nokia

 

Von Malte Kirchner

Wilhelmshaven - Nokia und Research in Motion (RIM) haben eines gemeinsam: Beide sind Hersteller von Mobiltelefonen, die in der ersten Liga spielten. Und beide haben dieser Tage schwer damit zu kämpfen, sich gegen Aufsteiger wie Apple und das durch Google Android erstarkte Samsung und HTC zu behaupten.

Während RIM noch an seiner Software feilt, um wieder mehr ins Rennen zu kommen, ist Nokia schon einen Schritt weiter. Eigene Bemühungen, ein Handybetriebssystem zu entwickeln, wurden eingestellt und stattdessen eine Kooperation mit Microsoft eingegangen. Die Amerikaner bemühen sich mit ihrem System Windows Phone, gegen iOS und Android Marktanteile zu erlangen.

Nokias Schritt wurde sehr kritisch begleitet und die Finanzmärkte reagierten negativ - doch vollkommen ungerechtfertig.

Das Nokia Lumia 800 wirkt nämlich rein gar nicht wie eine Zweckgemeinschaft. Das angenehm anders aussehende Windows Phone 7.5 und das Gerät im matten Unibody-Design mit den runden Ecken harmonieren, wie man es sonst am Markt nur von Apples iPhone und dem dazugehörigen iOS-Betriebssystem kennt. Nicht ohne Grund wird in Tech-Kreisen Windows Phone längst als der wahre Verfolger von Apple gehandelt, weil Microsoft sowohl bei Design als auch bei Funktionen stärker auf eigene Akzente setzt.

Einer davon ist die Möglichkeit, Testversionen von Kauf-Apps zu laden. Die Microsoft Office-Integration und die Verknüpfung mit der Xbox-Spieleplattform wären auch zu nennen. Microsoft spielt seine vorhandenen Stärken aus, scheut sich jedoch auch nicht, Erfolgsrezepte anderer zu übernehmen.

Nokia trägt seinen Anteil dazu bei, indem es seine Stärke als Hardwarehersteller mit in die Waagschale wirft. Wer an die ersten UMTS-Geräte von Nokia denkt, erinnert sich, dass die Betriebssoftware nie die große Stärke der Finnen war. Lediglich die Erweiterungen Nokias begeistern und die gibt es auch mit dem Wechsel zu Windows Phone, so etwa Nokia Navigation, eine vollwertige Navigationslösungen, die auf anderen Plattformen viel Geld kostet. Auch eine Möglichkeit, Daten von anderen Handys zu importieren, stellt Nokia selbst bereit.

Von Hardware versteht Nokia sowieso mehr als viele andere: Die jahrzehntelange Erfahrung ist dabei von Vorteil. Und so präsentiert das 3,7-Zoll-AMOLED-Display WIndows Phone in schönsten Farben und bester Schärfe, während der Qualcomm 1,4 GHz-Prozessor die nötige Geschwindigkeit bereitstellt.

Die eingebaute Acht-Megapixel-Kamera mit LED-Blitz und Carl-Zeiss-Optik liefert vergleichsweise gute Resultate. Der Speicher ist aber mit 16 Gigabyte angesichts der vielen Nutzungsarten des Geräts (Kamera, MP3-Player, Videoplayer, etc.) etwas knapp bemessen und eine Erweiterung ist nicht möglich.

Das Gerät bietet Hardwaretasten zum Fotografieren und für die Lautstärke. Der Power-Button befindet sich rechter Hand, ist jedoch so gelegen, dass versehentliches Betätigen unwahrscheinlich ist. Der Port für das Datenladekabel versteckt sich auf der Oberseite unter einer kleinen Plastikabdeckung, die zum Öffnen links eingedrückt werden muss. So schön das aussieht, so sehr fürchteten wir beim Test, dass diese Abdeckung irgendwann abbrechen könnte.

Ansonsten geben sich bei dem 375-Euro-Gerät (Amazon-Tagespreis) vielfach Licht und Schatten die Klinke in die Hand. Die Ergänzungshilfen der Bildschirmtastatur von Windows Phone sind praktisch, die Tasten selbst etwas kleinteilig. Praktisch sind die drei Hardwaretasten unterhalb des Displays (Suche, Windows-Button, Zurück), deren Betätigung durch eine leichte Vibration angezeigt wird. Ein großes Lob muss Nokia dafür gezollt werden, die Gummi-Schützhülle dem Gerät gleich beizulegen, während diese bei anderen Herstellern teuer erworben werden muss.

Die reale Stand-by-Akkulaufzeit lag bei unserem Test bei zwei bis drei Tagen, bevor das Gerät an die Steckdose musste. Nokiafreunde müssen übrigens auf das Wichtigste nicht verzichten: Den markanten Nokia Klingelton.

Lumia bedeute Licht, sagte Nokia-Chef Stephen Elop bei der Vorstellung der Reihe. In der Tat ist das Nokia Lumia 800 ein Lichtblick und es bleibt zu hoffen, dass die Finnen den Markt mittels Windows Phone weiterhin durch erfrischende Andersartigkeit bereichern.