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Wilhelmshaven

26.02.2012


Methadonversorgung für Drogenabhängige nicht gesichert: „Man kommt sich hier vor wie Dreck“


32 Abhängige waren im vergangenen Jahr gezwungen, Ärzte im Landkreis Friesland und teilweise in Leer und Aurich aufzusuchen.


Hausarzt Matthias Abelmann in der ehemaligen Lehrerwohnung in der Ruseler Straße. Jeden Sonntag müssen seine Methadonpatienten hier vorstellig werden und ihre letzte Tagesdosis der Woche einnehmen. FOTO: Giesers

Von Stephan Giesers


Wilhelmshaven - Die ersten Suchtpatienten stehen schon früh auf dem Hof der ehemaligen Ruseler Schule in Bant und warten. Die Heroinabhängigen wollen nicht zu spät kommen. Kurz vor 10 Uhr läuten die Kirchenglocken.

Dann kommt ihr Hausarzt Matthias Abelmann. Dann gibt es Methadon – den Heroinersatz für Drogenkranke.

 

Wenn Abelmann seine Suchtpatienten in der alten Lehrerwohnung der Schule empfängt, trägt er eine dicke Daunenjacke und einen Schal. Den Tisch baut er direkt im Flur der Lehrerwohnung auf. Der Arzt will die Eingangstür im Blick behalten. Die anderen Zimmer stehen leer und von der Decke baumelt ein Kabel mit Glühbirne herunter.

 

Auf dem Tisch stehen ein Stapel Plastikbecher und ein grüner Kanister mit Trinkwasser, daneben ein Notebook und ein Alkomat. Die Patienten müssen „pusten“. Alkohol ist streng verboten. Ebenso der Beigebrauch von bestimmten Schlaf- und Beruhigungsmitteln.

 

Nicht zuletzt sind Drogen tabu. Die Lehrerwohnung hat die Stadt kostenlos zur Verfügung gestellt. „Die Heizung funktioniert nicht“, sagt Abelmann und lächelt bemüht. Er kennt das schon. Es sind neue Räume auf Zeit, das Schulgebäude steht zum Verkauf. Und es ist ein altes Problem: Früher kamen die Heroinabhängigen jeden Morgen in den alten Recyclinghof. In der Lehrerwohnung gibt es nun wenigstens eine Toilette.

 

Von Verbesserung könne aber nicht die Rede sein.„Der Nächste bitte“, ruft Abelmann und tippt etwas in den Computer. Im Treppenhaus wartet eine Frau. Unter der Wohnungstür hat sie eine Fußmatte geschoben. Sonst lässt sich die Tür nicht richtig schließen. „Ohne Methadon geht es nicht mehr“, sagt die 56-Jährige. Mit 14 Jahren spritzte sie sich das erste Mal Heroin, bekommt nun seit 30 Jahren den Heroinersatz, führe ein „ganz normales Leben“, wie sie sagt.

 

Das Medikament bekommt sie für die gesamte Woche verschrieben und nimmt ihre Tagesdosis täglich in der Apotheke ein. Die letzte Dosis muss die 56-Jährige sonntags bei Abelmann einnehmen. „Schlimm ist das“, sagt die Frau und zeigt auf den Boden. Dort liegen Glasscherben. „Man kommt sich hier vor wie Dreck.“ Die Raumsituation ist das eine. Auch die wohnortnahe Versorgung von Heroinabhängigen ist weiterhin nicht gesichert, weil sich zu wenig Ärzte an der sogenannten Substitution beteiligen wollen.

 

„Alle sind hübsch am beteuern, es tut sich aber gar nichts“, sagt Abelmann. Inzwischen hätten zwar einige Mediziner die notwendige Zusatzausbildung absolviert, finanziert von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), dennoch habe sich die Situation nicht verbessert. Das ergibt sich auch aus Zahlen der Fachstelle Sucht und Suchtprävention des Diakonischen Werkes in Wilhelmshaven, die für die psychosoziale Begleitung der Methadonpatienten zuständig ist.

 

32 Abhängige waren im vergangenen Jahr gezwungen, Ärzte im Landkreis Friesland und teilweise in Leer und Aurich aufzusuchen. „Für die Betroffenen war dies mit einem erheblich erhöhten finanziellen und zeitlichen Aufwand verbunden.

 

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