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Wilhelmshaven

24.03.2012


Methadon: Ratlosigkeit in Sachen Drogen-Substitution


Die Unterversorgung Drogenabhängiger mit dem Heroin-Ersatzstoff Methadon war wieder einmal Thema im Sozialausschuss. Eine Lösung scheint in weiter Ferne zu liegen.


 

Von Kristin Hilbinger

Wilhelmshaven - Eigentlich wollte die SPD im Sozialausschuss einen Antrag auf den Weg bringen. Der sollte die Verwaltung damit beauftragen, zum wiederholten Male Gespräche mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) aufzunehmen, um eine Lösung für die unzureichende Versorgung von substituierten Suchtpatienten zu finden.

 

Zurzeit werden rund 30 Drogenabhängige von zwei Ärzten mit dem Heroin-Ersatzstoff Methadon versorgt. Jeden Sonntagmorgen bekommen die Patienten eine Tagesdosis Methadon in der ehemaligen Schule an der Ruseler Straße verabreicht und ein Rezept mit nach Hause, mit dem sie sich ihre Ration in den nächsten Tagen in der Apotheke holen können.

Weitere Patienten können nicht versorgt werden, weil sich kein anderer Arzt dazu bereit erklärt, mit in die Substitution einzusteigen. Es gibt allerdings deutlich mehr als 30 Heroinabhängige in Wilhelmshaven, die ins Methadonprogramm aufgenommen worden sind. Sie müssen sich an Ärzte in Varel oder Oldenburg wenden (die WZ berichtete).

Die Stadt stellt den Ärzten die Räumlichkeiten in der Lehrerwohnung der ehemaligen Ruseler Schule kostenlos zur Verfügung. Die Wohnung ist jedoch in einem mangelhaften Zustand. Erster Stadtrat Jens Stoffers verwies in der Sozialausschusssitzung darauf, dass die Versorgung von Substitutionspatienten in der Verantwortung der KV liege. Dass die Stadt die Räume zur Verfügung stelle, sei eine rein freiwillige Leistung. Gespräche mit der KV seinen in der Vergangenheit mehrmals gescheitert.

Um in größerem Umfang substituieren zu dürfen, brauchen Ärzte eine Zusatzausbildung, die eine Woche dauert. Zwei bis drei Patienten dürfe allerdings jeder Arzt auch ohne diese Ausbildung mit Methadon versorgen. „Die Ärzte wollen dieses Klientel aber nicht in ihren Praxen haben, weil sie Angst haben, dass die übrigen Patienten dann nicht mehr kommen“, sagte Ursula Biester (CDU). Sie gab zu, in dieser Angelegenheit ratlos zu sein. „Wenn jeder Arzt zwei Patienten nehmen würde, hätten wir das Problem vom Tisch. Das können wir aber nicht erzwingen“, sagte Petra Meyer-Machtemes von der Diakonie.

„An diesen Tisch gehören auch die Kostenträger“, sagte Ausschussvorsitzender Uwe Reese (SPD). Er regte an, einen Vertreter der Krankenkassen in den Sozialausschuss einzuladen. Und auch die Ärzte und ein Vertreter der KV sollen beim nächsten Mal mit in die Runde geholt werden.

Den Antrag der SPD, der auch den Auftrag beinhaltete, neue Räumlichkeiten für die Substitution zu suchen, stellte der Sozialausschuss fürs erste zurück.