Wilhelmshaven

26.01.2012


KZ-Außenlager: Viele Zeitzeugen meldeten sich in den 80er Jahren bei der WZ


Rückblick: Hans-Günter Schumann war "Volksstürmer". Der junge Mann war auf dem Gelände des Lagers am Alten Banter Weg untergebracht.


Diese Luftaufnahme der Alliierten zeigt das vollständige ­Arbeitslager - in rot ist das Banter Lager IV eingezeichnet.

Diese Luftaufnahme der Alliierten zeigt das vollständige ­Arbeitslager - in rot ist das Banter Lager IV eingezeichnet.

Wilhelmshaven/LR - Im Zuge der Debatte um das Wilhelmshavener KZ-Außenlager Neuengamme und die Gedenkstätte meldeten sich Mitte der 1980er-Jahre viele Zeitzeugen bei der WZ. So auch Hans-Günter Schumann, der in der Ausgabe vom 7. Februar 1984 von seinen Erlebnissen berichtete.

 

Schumann, in Bant aufgewachsen, wurde mit 16 Jahren von Januar bis Mitte April 1945 zum „Volkssturm“ eingezogen. Dieser militärische Verband wurde im Oktober 1944 etabliert. Bau- und Schanzarbeiten, Sicherungsaufgaben und Verteidigung von Ortschaften waren Aufgaben der „Volkssturm“-Zugehörigen.

 

Der junge Mann war auf dem Gelände des Lagers am Alten Banter Weg untergebracht. Er war vom Volkssturm als Melder zwischen der Leitstelle im Westbahnhof zum Werfttor I eingesetzt, musste aber auch Barrikaden gegen Panzer in Mariensiel mit Schippe und Schaufel bauen.

 

„Ich habe die armen Teufel doch jeden Tag an unserem Lager vorbei morgens zur Arbeit ziehen und in der Dunkelheit zurückkommen sehen“, erinnerte sich Schumann. „Sie waren an den Händen noch mit Ketten anein­ander gefesselt.“ Das Lager selber sei vier- und fünffach mit Stacheldraht gesichert und von wenigstens vier Hochständen zu beobachten. „Es grenzte genau an unsere Baracken.

 

Nachts hörten wir das Schreien von nebenan oft.“ Was mit KZ-Häftlingen geschah, konnten die Volksstürmer nur ahnen. „Aber nicht alle von uns haben das Schreien auch hören wollen. Mich hat das sehr erschüttert. Ich dachte: das kann doch wohl nicht wahr sein, dass es hier in Wilhelmshaven ein KZ gibt. Ich war doch in Bant ganz nahe dabei aufgewachsen, in der Vareler Straße.

 

Ich kannte die ganze Gegend doch.“ Das KZ in der unmittelbaren Nachbarschaft habe seinen Glauben an den Nationalsozialismus nachhaltig erschüttert, so Schumann. Vorher habe er wie viele seiner Freunde gar nicht abwarten können, erwachsen und eingezogen zu werden.