Friesland

21.01.2012


Kirchweihe in Schillig: Zwei Zusatz-Gottesdienste am 5. Februar


Die Fleiter-Orgel stand bisher in der St. Ludger-Kirche in Waltrop. Bei der Kirchweihe am Sonnabend, 4. Februar, wird sie in Schillig eingeweiht.


Regionalkantor Stefan Decker probt schon einmal an der Orgel, während Eberhard Hilse von der Kirchenbaufirma Fleiter zuschaut.   WZ-FOTO:    Knothe

Regionalkantor Stefan Decker probt schon einmal an der Orgel, während Eberhard Hilse von der Kirchenbaufirma Fleiter zuschaut. WZ-FOTO: Knothe

 

Von Wolfgang A. Niemann

Schillig - Falls demnächst jemand zu ungewöhnlichen Zeiten Orgelklänge aus der neuen katholischen St. Marien-Kirche in Schillig hört, braucht er sich nicht zu wundern. Es könnte gut sein, dass Pfarrer Lars Bratke dann mal wieder seinen Neigungen nachgeht und sich zum Musizieren an die Fleiter-Orgel mit den rund 1250 Pfeifen von einem Zentimeter bis fünf Metern Länge gesetzt hat.

 

In dieser Woche wurde die 1997 gebaute Orgel, die bisher in der St. Ludger-Kirche in Waltrop stand, für die Orgeleinweihung vorbereitet. Die findet am Sonnabend, 4. Februar, um 10 Uhr im Festgottesdienst zur Weihe der neuen Kirche statt. Darauf freut sich Stefan Decker besonders. Der Regionalkantor beim Offizialat in Vechta darf gemeinsam mit dem Projekt-Chor der jeverländischen St. Benedikt-Gemeinde sowie dem „Runde Brass“-Ensemble aus Steinfurt für den musikalischen Teil der Festlichkeit sorgen.

Derzeit führt Decker zusammen mit Eberhard Hilse, dem Inhaber der Münsteraner Orgelbaufirma, und dem Orgelbauer Stefan Reider die so genannte Intonation durch. Nachdem in der alten Kirche eine bescheidene Schrankorgel mit vierregistrigem Positiv ihre Dienste tat, musste die neue Orgel angepasst werden, nachdem sie bisher in einer viel größeren Kirche stand. Da galt es zum Besipiel den Winddruck zu reduzieren und die Register leiser zu intonieren.

Hände und Ohren sind gefragt, denn die Klanggebung jeder einzelnen Pfeife muss in ihrer Klangfarbe verändert werden, um einen homogenen Klang zu bekommen. So sollen unter anderem die kleinen Pfeifen eben pfeifen und nicht fauchen, wie Orgelbauer Hilse erläutert. Das genaue Einstimmen der 19 Register, darunter etliche Zungenregister mit Plättchen, erfordert viel Feinarbeit, zumal rund 90 Prozent aus Holz sind und empfindlich auf Temperaturschwankungen und Luftfeuchtigkeit reagieren. Doch es sind nicht nur die rein technischen Details, die Stefan Decker als studierten Kirchenmusiker begeistern, denn er hat schon in Waltrop auf der Orgel gespielt und lobt ihre hohe Bandbreite. Mit ihrem vollen weichen französisch-romantischen Klang, der sich von den in Norddeutschland üblichen barocken Orgeltonlagen deutlich unterscheidet, ist sie in der Region eine Besonderheit.

„Der Klang ist raumtönender und symphonischer und drängt sich geradezu auf auch für Konzerte“, betont Decker. Genau das ist auch ein Wunsch von Hausherr Bratke. Nur äußerlich habe man das Instrument der „norddeutschen Schlichtheit“ angepasst und die bisherigen Zieraufbauten entfernt. Verändert wurde bei der Überarbeitung zudem der Holzton, indem man ihn den Kirchenmöbeln im Farbton „Eiche gekalkt“ anpasste.

Für St. Marien sei diese Orgel ein wahrer Glücksfall, denn eine neue Orgel dieser Größenordnung hätte man sich nicht leisten können. Immerhin schätzt Fleiter-Chef Hilse das Instrument auf einen Neuwert von rund 350 000 Euro. Freuen werden sich auch die Organisten Michael Borgert (Oldenburg) und Susanne Stegemann (Ennepe-Ruhrkreis), die meist hier spielen. Aber auch Magdalene Hinrichs und Axel Scholz, Organisten der hiesigen evangelischen Kirchen, werden nun sicher noch lieber hier aushelfen.

Angesichts des Kirchenneubaus und der schönen neuen Orgel ist Lars Bratke überzeugt: „Diese Kirche macht unheimlich neugierig.“ Und wer sie im Kirchenalltag kennenlernen will, hat bereits am Sonntag, 5. Februar, gleich zweimal Gelegenheit dazu: Dem Gottesdienst um 10.30 Uhr folgt um 17 Uhr ein Konzert mit der Banter Kantorei aus Wilhelmshaven.