Benutzernamen vergessen?
 
Passwort vergessen?
 
Wozu anmelden?

Top-Thema

09.08.2011


"Kiffen für viele Jugendliche Normalität"


Im Landkreis gibt es nur eine substituierende Ärztin, in Varel.Im Jeverland gibt es somit derzeit keinen Arzt, der Süchtige mit dem Heroin-Ersatzstoff Methadon versorgt.


Einrichtungsleiter Volker Ross und seine Stellvertreterin Dorothee Breger stellen den Jahresbericht vor. WZ-FOTO: Knothe

Varel/meh - Ritalin ist oft das letzte Mittel, um Kinder, die am Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADHS) leiden, zu beruhigen. Aber nicht nur das: Mittlerweile greifen auch erwachsene Menschen zu dem Medikament – um ihre Konzentrationsfähigkeit zu stärken. Auf diese Entwicklung machte die  Fachstelle für Sucht und Suchprävention SBB-Friesland gestern bei der Vorstellung in ihrem Jahresberichts für 2010 aufmerksam.

 

„Medikamente werden ins Alltagsleben integriert, um bestehen zu können“, erklärte  der Einrichtungsleiter Volker Ross. Dass die Mittel verschreibungspflichtig seien, schrecke nicht ab. „Man bekommt es ja trotzdem“, sagte Ross Stellvertreterin, Dorothee Breger. Wenn nicht von einem Arzt, dann  über das Internet,  Wege gebe es genug. 

 

Die mit Abstand  größte Zahl der Menschen, die in der Beratungsstelle Hilfe suchen, stellen aber nach wie die Alkoholsüchtigen dar.  Von insgesamt 433 Klienten, die 2010 beraten wurden, hatten 237 ein Alkoholproblem. 284 Klienten waren Männer, 149 Frauen. Der Großteil war zwischen 41 und 50 Jahre alt. Die meisten Klienten kamen aus dem Südkreis, Hilfesuchende aus dem Jeverland wendeten sich oft an die Beratungsstellen in Wilhelmshaven.

 

„Der Weg nach Varel ist natürlich weit“, räumte Ross ein. Und da die Hilfesuchenden oft den Führerschein verloren und nicht genug Geld für öffentliche Verkehrsmittel hätten, suchten sie den kürzesten Weg. Das gelte auch für die Patienten, die mit Heroin-Ersatzstoff Methadon behandelt wurden. In Varel seien  30 Menschen bei der einzigen substituierenden Ärztin im Landkreis in Behandlung.

 

„Im Nordkreis ist die Versorgung katastrophal“, betonte Breger. Die Patienten müssten nach Varel oder Wilhelmshaven fahren. „Das schreckt ab und führt dazu, dass sich manch einer lieber auf anderem Weg selber hilft.“ Bei dem Konsum illegaler Drogen dominierte 2010 Cannabis (88 Klienten). „Kiffen ist kein exotisches Randphänomen mehr“, erklärte Ross. Auch im ländlichen Bereich sei die Droge weit verbreitet und gehöre  bei vielen Jugendlichen  zur Normalität.

 

„Zu uns kommen die erst, wenn sie ihr Leben nicht mehr gebacken kriegen.“ Cannabis werde zudem häufig in Verbindung mit anderen Substanzen konsumiert. „Kokain zum aufputschen und Kiffen zum runterkommen nach der Party“, gab Breger ein Beispiel.

 

Mehr lesen Sie heute in der „Wilhelmshavener Zeitung“.