Bundestagskandidaten

13.09.2013


Karin Evers-Meyer (SPD): Einsatz für mehr Gerechtigkeit im Land


Gerechte Löhne, Inklusion und gleiche Chancen für strukturarme Regionen: Karin Evers-Meyer möchte sich weitere vier Jahre in Berlin dafür einsetzen.


Die SPD-Bundestagsabgeordnete Karin Evers-Meyer möchte ihren Wahlkreis gerne erneut für sich gewinnen.     WZ-FOTO:    Knothe

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Karin Evers-Meyer möchte ihren Wahlkreis gerne erneut für sich gewinnen. WZ-FOTO: Knothe

 

Von Malte Kirchner

Zetel - Karin Evers-Meyer hat eine besondere Fähigkeit: Die SPD-Bundestagsabgeordnete aus Zetel sagt von sich, dass sie komplizierte Dinge mit einfachen Worten erklären kann. Und wer so etwas beherrscht, der wird oft entweder Journalist oder Politiker.

Karin Evers-Meyer hat in ihrem Leben beides gemacht. Zeitweise war sie mal Autorin für Rundfunk und Fernsehen. In den letzten Jahrzehnten erlebten sie die Menschen in der Region aber ausschließlich als Politikerin: Als ehrenamtliche Landrätin, im Kreistag, als Landtags- und als Bundestagsabgeordnete.

Dorthin, nach Berlin, möchte Karin Evers-Meyer im Jahr 2013 beruflich noch einmal. Besser gesagt: Sie möchte dort bleiben. Seit 2002 vertritt sie die Region als SPD-Bundestagsabgeordnete in der Hauptstadt. Nach Wiederwahlen in den Jahren 2005 und 2009 strebt sie nun den vierten Direktwahlsieg an.

Während des Gesprächs in ihrem idyllischen Garten in Klein Schweinebrück belädt Ehemann Heinrich gerade den knallroten Feuerwehr-Oldtimer, der im Wahlkampf zum Einsatz kommt. Und selbst Hund Jule, mit zwölfeinhalb Jahren eine betagte Dame, trägt im Maul leere Flyerkartons durchs Haus. Politik ist ein Familienthema im Hause Evers-Meyer.

Fragt sich nur, warum sich Karin Evers-Meyer den mühsamen Wahlkampf von Tür zu Tür, einen vollen Terminkalender für weitere vier Jahre und viele Fahrten zwischen ihrem Wahlkreis und Berlin noch einmal antun möchte: „Ich habe das Gefühl, in Berlin wirklich was zu bewegen“, antwortet sie. „Das mache ich unheimlich gerne.“ Natürlich habe sie auch schon mal darüber nachgedacht, aufzuhören. Doch andererseits wisse sie genau, dass sie diese Entscheidung schon bald bereuen würde. „Ich bin gerne unter Menschen.“ Der Beruf als Bundestagsabgeordnete sei sehr abwechslungsreich, auch wenn dem Berufsbild in der Öffentlichkeit immer weniger Liebe entgegengebracht wird.

Aber Karin Evers-Meyer deutet die Geringschätzung der Politik lieber in einen Motivationsschub um: Ihr großes Thema sei die Gerechtigkeit. Dass Menschen nicht von ihrer Arbeit leben können, mache sie betroffen. Gleiche Löhne für beide Geschlechter und Mindestlohn sind weitere Themen in ihrem Wahlkampf. „Die Arbeitgeber hatten Zeit genug, das umzusetzen. Die letzte Messe ist gesungen“, sagt sie kämpferisch. Natürlich wolle sie auch ihre weiteren Themenfelder pflegen: Die Verteidigungspolitik, mit Blick auf die Bundeswehr-Standorte in der Region, aber auch das immer drängendere Thema Demografie mit seinen Auswirkungen auf Dörfer und strukturarme Regionen.

„Wenn es der Region gut gehen soll, brauchen wir Arbeitsplätze“, sagt die Abgeordnete. Doch das klingt leichter, als es in der Realität umzusetzen ist. Am JadeWeserPort als Hoffnungsträger halte sie jedoch fest: „Der ist für mich nach wie vor eine Entwicklungschance für die Region.“

Darüber hinaus gibt es aber ein Thema, das für Karin Evers-Meyer eine besondere Bedeutung hat, und das eng mit ihrer eigenen Biografie verknüpft ist: Der Einsatz für die Inklusion - das bessere Miteinander behinderter und nicht-behindert Menschen. Nach der mittleren Reife und einer kaufmännischen Ausbildung zog Karin Evers-Meyer nach Berlin, wo sie ihren Mann kennen lernte. Noch in Berlin lebend, bekam sie Zwillinge, zwei Söhne. Der eine Sohn erlitt wegen Geburtskomplikationen eine schwere Behinderung.

Karin Evers-Meyer weiß, wovon sie redet, wenn sie fehlende Inklusion anprangert. Nachdem sich in West-Berlin keine geeignete Wohnung fand, kehrte sie in ihre friesische Heimat nach Zetel zurück. Inklusion war noch ein Fremdwort, das Thema überhaupt nicht im Bewusstsein. Doch wie das im Alltag manchmal so ist, hatte die Zetelerin den Einsatz für die Belange behinderter Menschen seinerzeit als politisches Thema noch gar nicht für sich entdeckt. Erst der tragische Tod ihres Sohnes im Erwachsenenalter und die Konfrontation mit der Aufgabe als Behindertenbeauftragte des Bundes, die ihr ein Parteifreund ans Herz legte, brachte sie in die Situation, sich mit dem Erlebten intensiver auseinander zu setzen.

„Ein zivilisiertes Land wie unseres schafft es nicht, Behinderten ihre Rechte zu geben“, sagt sie entsetzt. Während ihrer Zeit als Beauftragte habe sie sich bei den Vereinten Nationen in New York einiges anhören dürfen. Als Ombudsfrau erhielt sie zahlreiche Briefe. Für viele, so sagt sie, wäre schon ein Anfang gemacht, wenn das eigene Kind eine normale Schule besuchen könnte.

Der Weg in die Politik war für Karin Evers-Meyer keineswegs vorgezeichnet. Die 64-Jährige bezeichnet sich selbst als abenteuerlustig. „An Kreuzungen entscheide ich mich selten für geradeaus.“ Nach ihrer Rückkehr nach Zetel machte sie ihr Abitur nach und arbeitete mehrere Jahre lang als Autorin für Radio und Fernsehen und produzierte Industriefilme. Während dieser Tätigkeit wuchs ihr Interesse an der Politik. 1986 wurde sie erstmals in den Kreistag gewählt. Berufspolitikerin ist sie erst seit 1998, als sie für vier Jahre in den niedersächsischen Landtag einzog.

Für sie persönlich gehörten die vergangenen vier Jahre im Bundestag zu den anstrengendsten. „Ich hatte schlaflose Nächte wegen der Eurokrise.“ Während sich die Abgeordneten bei einer Vielzahl von Themen häufig auf die Vorarbeit ihrer spezialisierten Fraktionskollegen verlassen, habe beim Euro jeder Abgeordnete versucht, das Thema selbst zu durchdringen. Es habe unzählige Sitzungen und schwierige Entscheidungen gegeben.

Trotz allem hat Karin Evers-Meyer ihren Humor behalten. Als Ehrenpräsidentin des Niederdeutschen Bühnenbundes Niedersachsen und Bremen versteht sie einiges von guten Theaterstücken.

Gefragt danach, wie sie die vergangene Regierungszeit von Schwarz-Gelb unter dramaturgischen Gesichtspunkten sieht, fällt ihr Urteil eindeutig aus: „Es gibt Theaterstücke, die zu flach sind. Es fehlt der Inhalt“, sagt sie.

Doch meckern kann jeder - Karin Evers-Meyer will es besser machen. Oder einfach gesagt: Deshalb möchte sie gerne wieder nach Berlin.

<online-verweis></online-verweis>