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07.06.2012


GEMA-Tarife: Diskos unter Druck


Das Gaststättengewerbe und vor allem Diskothekenbetreiber sind empört über die neuen Tarifstrukturen der Gema ab 2013. "Fun"-Betreiber Torsten Stump rechnet mit Mehrkosten bis zu 80.000 Euro im Jahr.


Die neue Tarifstruktur der Gema wird zurzeit von vielen Gastronomen scharf kritisiert. Vor allem größere Diskotheken befürchten erhebliche Mehrkosten.     FOTO:    Siewert

Die neue Tarifstruktur der Gema wird zurzeit von vielen Gastronomen scharf kritisiert. Vor allem größere Diskotheken befürchten erhebliche Mehrkosten. FOTO: Siewert

Von Stephan Giesers

Wilhelmshaven - Eigentlich wollte Torsten Stump in die Diskothek „Fun & Lollipop“ investieren, zudem steht die Verlängerung des Pachtvertrags an. „Das muss ich mir nun ganz genau durch den Kopf gehen lassen“, sagt der Gastronom.

Der Grund: Die Erhöhungen der GEMA-Tarife.

Stump hat es als Vorabinformation von der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte - kurz Gema. Betreff: Tarifvereinfachung, Entlastung für kleinere Veranstaltungen. „Die Vergütungen werden ab 2013 an der wirtschaftlichen Größe der Veranstaltung ausgerichtet“, heißt es da.

„Musik in Diskotheken wird im nächsten Jahr kostspielig“, sagt Stump.

 

Er betreibt in Wilhelmshaven neben der Diskothek Fun & Lollipop das Bonny?s Diner und Miss Pepper, und ist zudem Sprecher für den Bereich Diskotheken im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Wilhelmshaven. Für seinen eigenen Betrieb rechnet er mit erheblichen Mehrkosten. Allein für den Disco-Betrieb führe er zurzeit jährlich 12 000 Euro an die Gema ab. Durch die neue Tarifstruktur könnten die Gebühren zwischen 60 000 und 80.000 Euro im Jahr steigen. Das hat sich Stump vom Dehoga ausrechnen lassen.

 

Vor allem große Diskotheken könnte es noch härter treffen. Von durchschnittlichen Steigerungen zwischen 100 und 1000 Prozent ist die Rede. Viele Betriebe hätten sich nach Angaben des Dehoga mit der Thematik noch gar nicht beschäftigt und würden Anfang 2013 eine böse Überraschung erleben.

 

Knackpunkt ist die Art der Gebührenberechnung: Ab 2013 sollen ausschließlich die Veranstaltungsfläche und Höhe des Eintrittsgeldes als Grundlage dienen. Dabei geht die Gema davon aus, dass auf 100 Quadratmeter 100 Gäste Platz finden. „Die vermuten immer, dass der Laden voll ist“, erklärt Stump. Und wenn die Musik länger als fünf Stunden gespielt wird, soll es noch mal 50 Prozent der Gebühr obendrauf geben. „Das ist absolut nicht angemessen und existenzgefährdend.“

 

Die Gema hält dagegen. Ingesamt würden 60 Prozent der Veranstaltungen nach dem neuen Tarif günstiger oder blieben auf gleichem Niveau. Die Tarifanpassung führe bei nahezu allen Veranstaltungen mit geringen Raumgrößen und moderaten Eintrittspreisen zu deutlichen Vergünstigungen.

 

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