Wilhelmshaven

09.04.2011


Ermittlungen eingestellt: Das Opfer leidet weiter


Es geschah in den 1960-er Jahren in Fedderwardergroden: Ein katholischer Priester vergeht sich an Messdienern. Für Strafverfahren ist es jedoch inzwischen zu spät.


Fedderwardergroden/JWE/GB - Jahrzehntelang hat er geschwiegen. Doch als Anfang 2010 bundesweit immer mehr Fälle sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester ans Licht kommen und die katholische Kirche im Oldenburger Land bislang nicht bekannte Opfer aufruft sich zu melden, fasst auch Gerd H.

(Name geändert) Mut.


Keine zehn Jahre war der heute 54-Jährige, als er als Messdiener in Fedderwardergroden massive sexuelle Übergriffe eines katholischen Priesters erleiden musste. Weder seinen Freunden noch seinen Geschwistern mochte er sich anvertrauen - und schon gar nicht seinen Eltern. Dass der Priester sich auch an anderen Kindern verging, hat Gerd H. nicht mitbekommen. Erst später hat er gemerkt, dass irgendetwas geschehen war. Gerd H. geriet damals auf einen Leidensweg, der auch heute noch nicht beendet ist. Niemals war er zu einer Beziehung fähig. Mitte 20 war er - da erlebte er, wie sich ein anderer Messdiener aus der Nachbarschaft, der ebenfalls zum Opfer des Pfarrers geworden war, als junger Familienvater das Leben nahm. In den folgenden Jahren versuchte Gerd H. mehr schlecht als recht, mit seinem Leben zurechtzukommen. Immer wieder gab es Phasen der Depression, Versuche, im Alkohol und mit anderen Drogen Trost zu finden. Irgendwann musste eine stationäre Therapie helfen. Wirklich stabil ist er bis heute nicht.


Der Pfarrer wechselte damals von Wilhelmshaven erst nach Münster und 1971 nach Delmenhorst. Jahrzehntelang war er dort als Priester tätig. Fast 20 Jahre prägte er auch als Dechant das Kirchenleben in der Stadt. Auch als Ruheständler blieb er in Delmenhorst - und war noch bis zum vergangenen Jahr - inzwischen über 80 Jahre alt - als Priester tätig. Erst als im vergangenen Jahr immer mehr Missbrauchsfälle bekannt wurden und es auch gegen ihn entsprechende Vorwürfe gab, zog er von Delmenhorst in ein Altenheim im Kreis Cloppenburg.


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