Wilhelmshaven

03.05.2008


Einer, der dem Faschismus die Stirn bot


Gewerkschaften und Sozialdemokraten sehen in Wilhelm Krökel einen Martyrer für die Arbeiterbewegung. Seit gestern ist Krökel nicht nur ein Name, sondern hat auch ein Gesicht.   Von Norbert Czyz


Enthüllten die Krökel-Gedenktafel (v.l.) Krökel-Enkel Dieter Carstens und Hartmut Tammen-Henke. WZ-Fotos: Knothe

Wilhelmshaven - Die Gewerkschaften haben einen Saal nach ihm benannt, die Stadt einen Platz - an der Werftstraße schräg gegenüber der Banter Kirche. Und seit 1982 spielen Fußballmannschaften der Schulen jährlich den Krökel-Pokal aus.

Wer dieser Wilhelm Krökel war, der 1944 wegen seiner Überzeugung als Gewerkschafter und Sozialdemokrat von den Nazis verhaftet wurde und am 18.

Februar 1945 im Konzentrationslager Neuengamme umkam, darüber informiert jetzt eine Informations-Tafel auf dem Wilhelm-Krökel-Platz. Sie wurde gestern im Beisein von Oberbürgermeister Eberhard Menzel sowie zahlreichen Gewerkschaftern und Sozialdemokraten enthüllt.

Der Name Wilhelm (Willi) Krökel taucht bei vielen Anlässen auf, die sich mit dem Thema Faschismus beschäftigen. Ob aber die Schüler, die alljährlich um seinen Pokal kämpfen, "besonders viel" über den 1890 im Rüstringer Stadtteil Belfort geborenen Schiffszimmerer wissen, das bezweifelt Hartmut Tammen-Henke, der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Wilhelmshaven. "So war es an der Zeit, etwas mehr Aufklärungsarbeit zu leisten." Gleichzeitig erinnerte er an die Zerschlagung der freien Gewerkschaften am 2. Mai 1933, der Tag, der sich gestern zum 75. Male jährte. Tammen-Henke: "Die lebendige Erinnerung an diese Zeit ist eine wichtige Voraussetzung dafür, aus den Fehlern lernen zu können."

"Das Gedenken an die Opfer muss bleiben", sagte auch Karl-Heinz Fürst vom historischen Arbeitskreis des DGB, der den Lebensweg Krökels nachvollzog. Krökel, seit 1909 Sozialdemokrat und Betriebsrat auf der Marinewerft, Delegierter 1932 und Mitglied im Bürgervorstand Bant von 1929 bis 1933, verlor am 2. Mai 1933, wie 400 andere auch, aus politischen Gründen seinen Arbeitsplatz. Während der Arbeitslosigkeit halfen ihm Freunde, seine große Familie zu ernähren. Drei Jahre danach fand Krökel wieder Arbeit beim Norddeutschen Eisenbau. Krökel stand weiterhin zu seiner sozialdemokratischen Gesinnung, was dazu führte, dass ihn "viele Kollegen aus Angst nicht mehr kannten."

Einen Monat nach dem misslungenen Hitlerattentat 1944 wurde er nachts abgeholt, seine Familie sah ihn nie wieder. Sein Todestag ist der 18. Februar 1945.

Oberbürgermeister Eberhard Menzel bezeichnete Krökel als Mann, "der dem Faschismus, wie viele andere, die Stirn bot". Er beendete seine Ausführungen mit dem Satz: "Es darf kein Vergessen geben." An der Enthüllung der Infotafel nahmen auch Krökels Enkel Dieter Carstens, ehemals Leiter des Hauptamtes der Stadt, und die Krökel-Nichte Else Berger teil.