Wilhelmshaven

17.12.2011


Doppeljubiläum rund um AEG Olympia - Planung für TCN begann 1993


Olympia galt lange als Wilhelmshavener Unternehmen. Im Technologie Centrum Nordwest arbeiten heute rund 2700 Menschen.


Ein Stück Zeitgeschichte: Heinz Büsing (li.) überreicht Holger Ansmann ein historiches Firmenschild der Orbis Büromaschinenwerke GmbH.  Unter „Orbis“ firmierten die Olympia-Werke im Zeitraum zwiscchen  1947 und 1950.   WZ-FOTO:    Lübbe

Ein Stück Zeitgeschichte: Heinz Büsing (li.) überreicht Holger Ansmann ein historiches Firmenschild der Orbis Büromaschinenwerke GmbH. Unter "Orbis" firmierten die Olympia-Werke im Zeitraum zwiscchen 1947 und 1950. WZ-FOTO: Lübbe

Von Gerd Abeldt

 

Wilhelmshaven/Roffhausen - Der Dezember 1991 war ein Schicksalsmonat für die Region. In Frankfurt/Main beschließt der AEG-Aufsichtsrat am 9. Dezember, die Schreibmaschinenproduktion bei der AEG Olympia Office GmbH in Roffhausen bis zum Ende 1992 einzustellen.

 

Das Aus für die Olympia-Werke, ein schwerer Schlag für die Olympianer, ein Rückschlag für die ganze Region - zugleich aber eine Art Geburtsstunde für das Technologie Centrum Nordwest, in dem heute rund 2700 Menschen beschäftigt sind. Wie geht man heute mit dem 20jährigen Jubiläum des Schicksalsdatum um?

 

„Ich glaube, es ist weder ein Zeitpunkt zum Trauern noch ein Zeitpunkt zum Feiern - es ist ein Zeitpunkt der Besinnung, der Erinnerung an die schwierige Situation, in der damals vor 20 Jahren die Beschäftigten der Olympia-Werke gewesen sind", sagt Holger Ansmann, Geschäftsführer der TCN Marketing GmbH.

 

Als damaliger Vorsitzender des Olympia-Betriebsrates weiß Ansmann, wovon er redet. Er erinnert an den Arbeitskampf, der bundesweit Aufmerksamkeit fand, an die Solidarität der Region mit dem Werk und an die Solidarität der Olympianer untereinander. Alles zusammen habe letztlich den Weg für den Aufbau des TCN auf dem ehemaligen Olympia-Gelände bereitet, der 1993 offiziell besiegelt wurde.

 

Jubiläumscharakter hat für Ansmann eher ein zweites Datum: 1946 - also vor genau 65 Jahren - wurde Roffhausen zum Industriestandort. Es ist Sinnbild für die deutsch-deutsche Nachkriegsgeschichte, für das westdeutsche Wirtschaftswunder und für den Aufschwung der Region Wilhelmshaven-Friesland durch ein gelungenes Stück Wirtschaftsförderung, das in einer eher zufälligen persönlichen Begegnung zweier Männer seinen Anfang hatte

 

Wie der Wilhelmshavener Journalist Hans-Jürgen Schmid recherchiert hat, trafen sich 1946 im westfälischen Bielefeld AEG-Vorstand Dr. Hämmerling und Olympia-Generaldirektor Joachim Wussow. Wussow , kurz zuvor mit einem Teil der Olympia-Führungsmannschaft aus dem inzwischen russisch besetzten Erfurt geflohen, suchte nach einem Standort für den Aufbau eines Schreibmaschinenwerkes, konnte in Bielefeld aber nicht fündig werden.

 

Hämmerling machte ihn auf Wilhelmshaven aufmerksam, wo er selbst vergebens für die AEG nach Räumen für Schwermaschinen gesucht hatte. Wussow schickte einen Brief nach Wilhelmshaven, der auf dem Schreibtisch des Stadtamtmannes Paul Hofmeister landete, der seinerseits die potenziellen Investoren umgehend einlud, nach Wilhelmshaven zu kommen.

Der Besuch fand am 12. Mai 1946 statt, führte die Delegation unter anderem nach Roffhausen, wo das Gelände des ehemaligen Marinegerätelagers in Augenschein genommen wurde.

 

Innerhalb weniger Wochen fiel die Investitionsentscheidung. Am 1. Oktober erteilte die Militärregierung in Hannover ihre Genehmigung. Ende 1946 zählten die Bielefelder Schreibmaschinenwerke in Wilhelmshaven GmbH, eine Tochter der Olympia Büromaschinenwerke AG, bereits 312 Mitarbeiter. Der Umbau des ehemaligen Marinegerätelagers in Roffhausen zu einer Produktionsstätte lief auf Hochtouren .

 

Dabei war „Olympia“ damals noch ein Wilhelmshavener Unternehmen. Domizil der Verwaltung des Betriebes war der damalige „Handelshof“, die spätere Stammdienststelle der Marine und die künftige Polizeizentrale von Wilhelmshaven.

 

Ein Rechtsstreit mit dem Olympia-Ursprungswerk in Erfurt führte 1947 dazu, dass „Olympia“ - bis 1950 - aus dem Firmennamen entfernt wurde. Der neue Name des inzwischen im Handelsregister Wilhelmshaven eingetragene Unternehmen: Orbis Büromaschinenwerke AG.

 

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