Wilhelmshaven

23.04.2012


Dokumentation "Blut muss fließen": Geballter Hass mitten in Deutschland


Im Pumpwerk herrschte nach dem Abspann des Dokumentarfilms betretenes Schweigen. Heute und morgen sehen ihn insgesamt 1000 Schüler aus Wilhelmshaven und Friesland.


Der Regisseur Peter Ohlendorf sowie der Journalist Thomas Kuban (aus Sicherheitsgründen nur per Telefon zugeschaltet) standen dem  Publikum im Pumpwerk nach der Filmvorführung Rede und Antwort.   WZ-FOTO:    Knothe

Der Regisseur Peter Ohlendorf sowie der Journalist Thomas Kuban (aus Sicherheitsgründen nur per Telefon zugeschaltet) standen dem Publikum im Pumpwerk nach der Filmvorführung Rede und Antwort. WZ-FOTO: Knothe

 

Von Kristin Hilbinger

Wilhelmshaven - So still wie gestern ist es im Pumpwerk nicht oft. Das Publikum der ersten Vorstellung des Dokumentarfilms „Blut muss fließen - Undercover unter Nazis“ am Nachmittag war sichtlich geschockt über das, was es zuvor gesehen hatte.

Konzerte von Neonazis, die sich in Deutschland regelmäßig treffen, um bei Rechtsrockkonzerten ihrer verfassungsfeindlichen Ideologie zu frönen. „Blut muss fließen knüppelhageldick, wir scheißen auf die Freiheit dieser Judenrepublik“, ist zum Beispiel eine Textpassage, die auf diesen Konzerten immer wieder lauthals gegrölt wird.

 

Der Journalist Thomas Kuban hat mehrere Jahre lang verdeckt in der rechten Szene recherchiert. Insgesamt besuchte er rund 50 Nazi-Konzerte - immer mit der Angst, entdeckt zu werden. Diese gefährliche Arbeit hat Spuren hinterlassen. Aus der rechten Szene gibt es Morddrohungen gegen ihn. Im Anschluss an die Filmvorstellung gestern war er per Telefon zugeschaltet. „Mir geht es bescheiden“, sagte er auf die Frage von Michael Diers nach seinem Befinden.

 

Der Redaktionsleiter von Radio Jade hatte den Film zusammen mit dem Wilhelmshavener Netzwerk gegen Rechts nach Wilhelmshaven geholt. Kuban sagte, er sei angesichts des mangelnden Interesses an dem Thema Rechtsextremismus seitens der Politik sowie der Fernsehsender desillusioniert. Sowohl er als auch der Regisseur Peter Ohlendorf haben sich mit der Umsetzung des Projektes hoch verschuldet.

Heute und morgen ist Michael Diers mit Ohlendorf in fünf Schulen in Wilhelmshaven und Friesland zu Gast. Insgesamt 1000 Schüler werden so einen Eindruck davon bekommen, welche Szenerie hinter rechter Musik steckt. Vielleicht sind sie dann besser darauf vorbereitet, falls ihnen ein Neonazi versuchen sollte, eine CD auf dem Schulhof anzudrehen - eine beliebte Masche zur Nachwuchsgewinnung.

Die von Thomas Kuban gefilmten Konzerte finden häufig mit dem Wissen von Behörden und Polizei statt. Es sind Bilder zu sehen, auf denen Polizisten sich mit den Rechten freundlich unterhalten - eingeschritten sind sie nicht.

Viele dieser Konzerte fanden in Bayern und im Osten Deutschlands statt. Eine im Film interviewte junge Frau sagte, die Musik werde zum Teil von jungen Leuten als Mainstream-Musik angesehen. „Das hören alle, also höre ich das auch.“ Die Ideologie schleiche sich dann nach und nach in die Köpfe.

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