Wilhelmshaven

07.04.2014


Banter Fischerdorf: Ein ganzes Leben am Deich


Seit 1908 gibt es das Banter Fischerdorf. Jörg Märza war schon als Junge den ganzen Sommer über im Fischerdorf. Anfang April wurden die Mobilheime wieder am Deich aufgestellt.


Seine Freizeit hat Jörg Märza fast sein ganzes Leben im Banter Fischerdorf verbracht. Er schätzt die Ruhe, das Miteinander und die Freiheit. Vergangenen Oktober sorgten die Dreharbeiten zum Tatort für ordentlich Abwechslung.   WZ-FOTO:    Lübbe

Seine Freizeit hat Jörg Märza fast sein ganzes Leben im Banter Fischerdorf verbracht. Er schätzt die Ruhe, das Miteinander und die Freiheit. Vergangenen Oktober sorgten die Dreharbeiten zum Tatort für ordentlich Abwechslung. WZ-FOTO: Lübbe

Von Michael Halama

Wilhelmshaven - Entschleunigung. Wer mit Jörg Märza neben seinem Mobilheim am Banter Seedeich sitzt und über den Jadebusen schaut, weiß sofort, was das bedeutet. Weiter Himmel, glitzerndes Wasser, die Ruhe nur vom Möwengeschrei unterbrochen. Es duftet nach Meer und frisch gemähtem Gras. Wo sonst stehen hier schon die Häuser direkt am Meer, mit dem Deich im Rücken? „Ich kann mir keinen schöneren Ort vorstellen“, sagt der 66-Jährige. „Von klein an war ich im Sommer mit der Familie hier und habe später nach dem Tode meines Vaters alles übernommen.“

Seit 1908 gibt es das Banter Fischerdorf. Die einst festen Häuser mussten Ende der 70er Jahre abgerissen werden - der Deicherhöhung wegen. „Man wollte das Dorf aussterben lassen. Aber wir haben lange gekämpft - letztlich erfolgreich.“ Seit langem gebe es Verträge für die gut 60 Mitglieder des Vereins „Interessengemeinschaft Banter Fischerdorf“. „26 Mobilheime stehen noch hier“, sagt Märza, „und die sollen möglichst innerhalb der Familie weitergegeben werden. Wir wollen schließlich behalten, was seit Jahrzehnten existiert.“ Fast alle seien sie am Deich groß geworden - die Ältesten sind jetzt 86 und 94 Jahre alt.

Jörg Märza ist einer, der die gesamte Saison von April bis Ende September hier verbringt. Danach stehen die Heime im sicheren Winterlager. Im vergangenen Jahr aber gab es eine Ausnahmegenehmigung bis in den Oktober hinein. „Ein Team vom NDR hatte unser Fischerdorf für Dreharbeiten zu einem Tatort entdeckt“, sagt Märza (die WZ berichtete). Ruckzuck saßen auch die Hauptdarsteller in seinem Mobilheim. Darin wird zum Auftakt des Tatorts eine Leiche entdeckt - bevor alles spektakulär in die Luft fliegt. „Die hatten dafür direkt nebenan unser Heim nachgebaut.“ Selbstverständlich seien er und seine Frau zur Vorpremiere am 22. April eingeladen. „Und am 25. Mai gibt es das Banter Fischerdorf um 18 Uhr im NDR zu sehen.“