Zukunft im Süden

22.11.2012


Auf altem Bunker wohnen mit Aussicht


Zuletzt war der Schutzbunker an der Virchowstraße als Hilfskrankenhaus vorgesehen. Jetzt soll er für eine neue Nutzung umgestaltet werden. Immobilie soll in private Hände gegeben werden mit viel Platz für Büros und Gewerbe.


So könnte nach den Vorstellungen der Planer der Bunker an der Virchowstraße künftig aussehen.        Zeichnung: GGS

So könnte nach den Vorstellungen der Planer der Bunker an der Virchowstraße künftig aussehen. Zeichnung: GGS

 

Südstadt/GB - In einem ehemaligen Bunker arbeiten, Sport treiben oder auch wohnen? Das soll nach den Vorstellungen des Eigenbetriebs Grundstücke und Gebäude der Stadt (GGS) an der Virchowstraße 7 zwischen Rhein- und Weserstraße demnächst möglich sein.

Das seit Jahren nicht mehr genutzte Gebäude steht jetzt zum Verkauf. Dank der „exklusiven Lage direkt im Süden der Stadt zwischen City und maritimer Meile“ ist GGS zuversichtlich, Interessenten für diese besondere Immobilie zu finden. GGS will damit zur Belebung der Umgebung beitragen und auch eine Anregung geben, wie ein derartiger Gebäudebestand umgenutzt werden kann.

Eine positiv beschiedene Bauanfrage, wie der 1940 errichtete Bau umgestaltet werden könnte, liegt bereits vor. Danach sollen Fenster in die Fassaden geschnitten werden. Auch die Geschossdecken könnten teilweise aufgeschnitten werden. So würden Nutzungen als Büroräume oder für Gewerbezwecke - beispielsweise ein Fitnessstudio - möglich. Auf das Flachdach des Bunkers soll nach der Planung eine zweigeschossige Bebauung mit fünf Wohnungen aufgesetzt werden. Das Treppenhaus würde zur Hofseite angefügt - wie auch vier weitere Wohnungen.

Der Bunker war 1940 für das damalige Städtische Krankenhaus errichtet worden, einer von fünf voll ausgerüsteten Operationsbunkern in Wilhelmshaven - weitere gab es für das Marinelazarett, das Werftkrankenhaus, das St.-Willehad-Hospital und in Sanderbusch.

Die OP-Bunker boten nicht nur Schutz für Personal und Patienten, die in ihren Betten vom Krankenhaus in den Bunker geschoben werden konnten. Sie gaben auch die Möglichkeit, während der Luftangriffe zu operieren.

In dem Bunker an der Virchowstraße hatte das ehemalige Amtsgericht Rüstringen einen Raum, in dem Akten und Dokumente aufbewahrt wurden. Nach dem Krieg war der Bunker lange verschlossen. Die Front zur Virchowstraße war mit Klinkern verblendet. Als die Klinker in den 1970er Jahren nach und nach abfielen, wurden sie ganz entfernt.

Einige Jahre später wurde begonnen, den Bunker für Zivilschutzzwecke herzurichten. Doch dann ging der Kalte Krieg zu Ende. Ganz fertig wurde das geplante Hilfskrankenhaus für den Katastrophenfall nicht. 1997 übernahm die Berufsfeuerwehr Wilhelmshaven den Bau, für den bis dahin das Niedersächsische Sozialministerium zuständig war.

2010 wurde das Hilfskrankenhaus entwidmet. Doch ein Abriss des Betonbaus kam nicht infrage - aus Kostengründen, aber auch weil die Nachbarhäuser direkt an die Außenmauern des Bunkers anschließen.