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Wilhelmshaven

13.11.2010


Abgeseilt: Unterwegs mit einem Lotsen


WZ-Redakteurin Kristin Hilbinger hat den Lotsen Detlef Nest bei seiner Arbeit begleitet. Dazu gehörte auch das Abseilen aus einem Hubschrauber.


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Mit dem Hubschrauber werden die Seelotsen in die Deutsche Bucht gebracht. Wenn dass Deck keinen Landeplatz bietet, werden sie „gehoistet“ – das bedeutet „abseilen“. Foto: Wiking

Von Kristin Hilbinger

 

Wilhelmshaven/Mariensiel - Die graue Wolkendecke scheint direkt auf dem Deich zu liegen. Um 10 Uhr ist es an diesem Donnerstagmorgen immernoch nicht richtig hell geworden. Es ist nasskalt und trüb.

Detlef Nest steht vor dem Werkstor der Nord-West-Oelleitung (NWO) und wartet auf ein Taxi. Seine Augen sind ganz klein, er sieht hundemüde aus. Seit mehr als 26 Stunden ist der 54-Jährige jetzt auf den Beinen. Das Taxi soll ihn nach Mariensiel bringen. Dort hat vor knapp elf Stunden sein letzter Einsatz begonnen. Detlef Nest ist Seelotse.

 

Rückblick: Es ist Mittwochabend, 20.30 Uhr. Detlef Nests Handy klingelt. „Um 23.45 Uhr ab Mariensiel“, sagt der Telefonist der Lotsenbrüderschaft WeserII/Jade. Die „Sea Bay“ – ein Tanker aus Hongkong – hat einen Lotsen bestellt.

 

Insgesamt sind 102 Lotsen Mitglied der Brüderschaft. Die hat ihren Sitz in Bremerhaven. Dort wohnt auch Detlef Nest. Er ist an diesem Abend erster Mann. Die „Sea Bay“ gehört also ihm. Südwestlich von Helgoland in der Deutschen Bucht soll der Lotse an Bord kommen. Mit einem Hubschrauber wird er rausgeflogen.

 

Als Nest um 23.30 Uhr bei der Firma Wiking Helikopter Service auf dem Mariensieler Flugplatz ankommt, sind die Piloten Stefan Roespel und Karsten Keller schon da. Es muss jetzt schnell gehen. Um vier Uhr sollen die Hafenlotsen das Schiff   vor Wilhelmshaven übernehmen. „Das wird knapp. Wir haben Tide gegenan“, erklärt Detlef Nest. Soll heißen: Das Wasser läuft ab und das Schiff muss gegen die Strömung anfahren.

 

Windenführer Markus Henning kontrolliert noch, ob am Heli alles in Ordnung ist. Dann geht es los. 23.45 Uhr, der Hubschrauber hebt ab und verschwindet in der rabenschwarzen Nacht. An Bord ist es ist wahnsinnig laut, Unterhaltungen sind fast unmöglich. Unten taucht die NWO mit ihren leeren Löschbrücken auf – das Ziel der „Sea Bay“. Auch die Wilhelmshavener Raffinerie, die Ineos- oder die Niedersachsenbrücke sind zwar beleuchtet, aber leer. Kein Schiff in Sicht. Seit die Raffinerie vor mehr als einem Jahr die Anlagen heruntergefahren hat, haben die Lotsen in Wilhelmshaven nicht mehr viel zu tun. „Gäbe es eine eigene Lotsenbrüderschaft nur für die Jade, wäre das eine Katastrophe“, sagt Detlef Nest.

 

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