Wilhelmshaven

13.01.2012


Tankschiff "Rhön" ist unterwegs mit reichlich Kraftstoff im grauen Bauch


Die technischen Probleme sind beseitigt. Die 40 Männer an Bord der "Rhön" freuen sich auf die zweimonatige Fahrt.


Der Betriebsstofftransporter „Rhön“ (Foto) und sein Schwesterschiff „Spessart“  sollen in den nächsten Jahren durch zwei moderne Doppelhüllentanker ersetzt werden.    WZ-FOTO:    Gabriel-Jürgens

Der Betriebsstofftransporter "Rhön" (Foto) und sein Schwesterschiff "Spessart" sollen in den nächsten Jahren durch zwei moderne Doppelhüllentanker ersetzt werden. WZ-FOTO: Gabriel-Jürgens

Von Michael Halama

Wilhelmshaven - Erst am Mittwoch Abend hat die „Rhön“ ihren Heimathafen verlassen. Ein technischer Defekt hatte das pünktliche Auslaufen am Morgen verhindert. Dem Vernehmen nach wurde im Arsenal sogar ein dringend benötigtes Ersatzteil gefertigt; die Reparatur verlief dann offensichtlich erfolgreich.

 

Mit 40 Mann ziviler Besatzung, darunter zwei Azubi, wird der Betriebsstofftransporter die nächsten zwei Monate im Mittelmeer unterwegs sein. „Vom 11. Januar bis 5. März sind wir nun der NATO unterstellt“, sagte Kapitän Egon Rhauderwiek (49) beim Pressegespräch vor dem Auslaufen. Er sei stolz darauf, wieder ein Teil der SNMG 1 zu sein und so den deutschen Beitrag zu leisten.

 

Rhauderwiek war die Freude auf die Seefahrt deutlich anzumerken. Er erinnerte an die lange Hafenliegezeit des Tankers „Rhön“ - die letzte längere Fahrt war Ende 2010 zu Ende gegangen. Im Sommer sollte das Schiff mit zwei Fregatten zum Flugkörperschießen nach Südafrika verlegen. Kurzfristig war die Teilnahme der „Rhön“ wegen voller Jahres-Arbeitszeitkonten (die WZ berichtete) der Besatzung abgesagt worden.

„Wir haben uns mit Routinearbeit, viel Papierkram, Wartung und Instandsetzung beschäftigt“, so der Kapitän. Von der gedrückten Stimmung unter den Seeleuten war nun kurz vor dem Auslaufen jedoch nichts mehr zu spüren.

Der Betriebsstofftransporter „Rhön“ dient den anderen Schiffen des Ständigen NATO-Marineeinsatzverbandes 1 (Standing NATO Maritime Group 1/SNMG 1) als schwimmende Tankstelle. Zunächst besteht die SNMG 1 neben der „Rhön“ lediglich aus einer holländischen und einer kanadischen Einheit; im kommenden Monat stößt dann noch die Fregatte „Rheinland-Pfalz“ dazu. Aufgaben des Verbands sind vor allem die Kontrolle und der Schutz strategisch wichtiger Seewege. Er kann bei Bedarf sofort in Krisengebiete verlegt und dort eingesetzt werden - wie die anderen NATO-Marineverbände auch.

Zum Tanken während der Fahrt nimmt das andere Schiff eine Position dicht neben der „Rhön“ ein. „Dann übergeben wir zunächst einen Spanndraht, der drüben befestigt wird. An Rollen wird anschließend der Kraftstoffschlauch ?rübergezogen, eingekuppelt - und die Betankung kann starten.“ Das Manöver erfordere vor allem auf den Brücken der beteiligten Schiffe höchste Konzentration von den Rudergängern, die exakt Kurs halten müssen.

„Wir haben für unsere Aufgabe 9800 Kubikmeter Diesel und 600 Kubikmeter Flugkraftstoff für Bordhubschrauber, dazu 8000 Liter Schmierstoffe an Bord“, sagte Kapitän Egon Rhauderwiek. Abhängig vom Fahrprofil der Fregatten sei in See deren Nachtanken erforderlich. „Wenn unsere Vorräte zu Neige gehen, haben wir in mehreren Mittelmeerhäfen die Möglichkeit zum Nachbunkern.“

Geplant seien in den kommenden Wochen Aufenthalte in drei italienischen Häfen: Tarent (am „Stiefelabsatz“ gelegen), Catania auf Sizilien und Neapel. Dann geht es für die 40-köpfige Besatzung wieder gen Norden: In Wilhelmshaven wird die „Rhön“ am 15. März zurück erwartet.