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Marine

05.03.2012


Marineoffizier – Als Frau in einer Männerwelt


Kirsten Lücke ist 27 Jahre alt und hat nach dem Abitur die Laufbahn des Offiziersanwärters bei der Marine eingeschlagen. Anschließend hat sie Nautik studiert und wird nun als Fernmeldeoffizier an Bord der Fregatte „Schleswig-Holstein“ eingesetzt.


Kirsten Lücke ist Fernmeldeoffizier an Bord der Fregatte „Schleswig-Holstein“. FOTO: Privat

Von Kirsten Lücke


Wilhelmshaven - Ich bin nun schon seit siebeneinhalb Jahren bei der Marine. Fast jedes Mal, wenn ich neue Menschen kennen lerne und man irgendwann auf den Beruf zu sprechen kommt, folgt auch früher oder später die Frage, wie ich denn auf die Idee gekommen sei, zur Bundeswehr zu gehen.

Oder was mich „als Frau“ dazu gebracht habe. Meistens antworte ich dann ziemlich kurz, dass mich die Seefahrt sehr interessiert und ich mir einen abwechslungsreichen Beruf wünsche.

 

Irgendwann stellte ich fest, dass ich unbedingt zur See fahren will. Als der Wehrdienstberater zu uns in die Schule kam und den Beruf des Offiziers vorstellte, hatte ich keine Zweifel mehr, dass dort meine berufliche Heimat sein wird. Auch die Vorstellung, in einen Auslandseinsatz gehen zu müssen, hat mich nicht abgeschreckt, ganz im Gegenteil.

 

Ich wollte nicht immer nur im Büro sitzen und auch nicht immer dieselbe Tätigkeit verrichten sondern mich weiter entwickeln und etwas von der Welt sehen. Nach einem halben Jahr bei der Marine, in der ich mein Widerrufsrecht hätte wahrnehmen können, war ich immer noch überzeugt, dass ich mich für den richtigen Beruf entschieden hatte.

 

So ist es auch heute noch. Ich werde inzwischen als Fernmeldeoffizier an Bord der Fregatte „Schleswig-Holstein“ eingesetzt. In dieser Position bin ich verantwortlich für das Personal im Fernmelde- und Signalbetrieb. Des Weiteren habe ich ein paar Nebentätigkeiten, die mich meistens im Hafen beschäftigen, wie den nebenamtlichen Presseoffizier und die Bordchronik.

 

In See werde ich als wachhabender Offizier auf der Brücke eingesetzt. Auch wenn ich an Bord nur eine von sechs Frauen unter etwa 160 Männern bin, habe ich nicht das Gefühl, mich gegen die männlichen Kollegen besonders durchsetzen oder beweisen zu müssen. Ich bin dort sehr gut aufgenommen worden. Die Zusammenarbeit klappt gut.

 

Das Leben an Bord vor allem in See ist zwar nicht immer einfach, gerade weil man nicht einfach mal schnell zu Hause anrufen kann und auch auf relativ engem Raum zusammenlebt. Aber gerade wenn man sich mit seinen Kameraden gut versteht, ist das kein Problem - man verabredet sich einfach mal zu einem Filmabend, so dass der Mitbewohner in Ruhe schlafen kann oder man liest mal wieder ein gutes Buch, um ein bisschen Ruhe und Abstand zu gewinnen.

 

Wenn das Zusammenleben an Bord passt, macht es einem deutlich weniger aus von zu Hause und seinem Alltag fort zu sein. Auch ist man durch seinen Wachrhythmus immer gut beschäftigt, so dass einem nicht langweilig wird. Wenn die Fregatte im Heimathafen liegt, kann man die Arbeit fast schon mit der eines ganz geregelten Berufes vergleichen. Morgens in der Früh ist Dienstbeginn und gegen Abend Dienstausscheiden.

 

Tagsüber werden dann die Aufgaben erledigt, die so anfallen. Bis jetzt sind alle meine Erwartungen erfüllt worden. Ich habe sehr viel Spaß an der Arbeit und der Seefahrt. Und in der Welt herumgekommen bin ich auch schon. Während meines Studiums habe ich ein Praktikum auf einem Schwergutschiff gemacht und fuhr von Ägypten Richtung Korea und über den Indischen Ozean zurück ins Schwarze Meer.

 

Aber auch mit der „Schleswig-Holstein“ habe ich schon einige Seemeilen zurückgelegt. So fuhren wir im letzten Jahr in Rahmen des "Missile Firing Exercises -F124- 2011" bis nach Südafrika. Auf dem Rückweg machten wir noch einen kleinen Umweg ins Mittelmeer und nahmen an der Operation "Active Endeavour" teil.