Wilhelmshaven

04.10.2013


Kommandowechsel: Kampf mit Wirbelsturm und Bürokratie


Mit Fregattenkapitän Martin Ruchay verlässt einer der stärksten Menschenführer die Flottille. Sein Nachfolger war zuletzt Erster Offizier auf der "Augsburg".


Die Besatzung muss sich an einen neuen „Alten“ gewöhnen: Martin Ruchay mit seinem Kommandantenwimpel, Kay-Achim Schönbach und Peter Christian Semrau (r.)      WZ-FOTO: Lübbe

Die Besatzung muss sich an einen neuen „Alten“ gewöhnen: Martin Ruchay mit seinem Kommandantenwimpel, Kay-Achim Schönbach und Peter Christian Semrau (r.) WZ-FOTO: Lübbe

 

Von Michael Halama

Wilhelmshaven - Fregattenkapitän Martin Ruchay strahlt professionelle Ruhe aus und ist ein aufgeschlossener Mann. Wer ihn ein wenig kennt, weiß um seinen „britischen“ Humor; das erklärt auch die Fältchen in seinen Augenwinkeln.

Und dann spielt er privat noch Bass und ist Vorsitzender der Musikinitiative Schortens. Der 45-jährige ist ein Kommandant, mit dem man sofort überall hin in den Einsatz fahren würde. Die „Lübeck“ hatte Ruchay im August 2010 übernommen. Nun hieß es Abschied nehmen von der Fregatte und der Besatzung.

„Sie haben das Schiff und die Besatzung auf ein hohes Niveau geführt. Sie verstehen es, Menschen mitzureißen!“, lobte Kapitän zur See Kay-Achim Schönbach (48), Kommandeur des 4. Fregattengeschwaders. Unter Martin Ruchay habe gerade die „Lübeck“ den Einsatzwert der Klasse 122 gezeigt - „immer noch eine sichere Bank für die maritimen Interessen unseres Landes“.

Es sei beeindruckend zu erleben, mit welcher Warmherzigkeit die „Lübeck“-Besatzung von ihrem Kommandanten spricht, so Schönbach weiter. „Fregattenkapitän Ruchay ist auch für mich ein Vorbild.“

„Nicht Schiffe, sondern Menschen kämpfen. Das war immer der Leitsatz meiner Menschenführung“, sagte der scheidende Kommandant bei der Musterung. Es seien heutzutage freilich andere Kämpfe als früher: Zum Beispiel der mit dem Wirbelsturm Irina vor Madagaskar - bei Windgeschwindigkeiten bis 150 km/h und zehn Meter Wellenhöhe legte sich die „Lübeck“ mit fast 40 Grad Schräglage gewaltig auf die Seite.