Wilhelmshaven

31.01.2018


Auslandsmärkte beflügeln das Geschäft von VW


China, Russland und der amerikanische Kontinent bieten für den Konzern großes Wachstumspotenzial. Die Entscheidung für den JadeWeserPort erscheint daher nur logisch.


Blaue Himmel in Wolfsburg: Das Auslandsgeschäft beflügelt den weltgrößten Automobilkonzern. Die Pläne für den JadeWeserPort kommen da gerade recht. DPA-Foto: Stratenschulte

Von Fanny Rausch

Wilhelmshaven - Die seit mehr als zwei Jahren andauernden Ermittlungen zum Abgasskandal und die kürzlich bekanntgewordenen Abgastests an Affen und Menschen scheinen dem Volkswagen-Konzern nicht zu schaden.

2017 konnte VW erneut seine Umsatz- und Verkaufszahlen steigern und setzt sich damit das zweite Jahr in Folge an die Spitze der Autohersteller weltweit. Exporte spielen dabei eine immer wichtigere Rolle. Die Entscheidung ein neues Verpackungszentrum am JadeWeserPort in Wilhelmshaven aufzubauen, ist eine logische Folge.

Volkswagen hat im vergangenen Jahr einen neuen Verkaufsrekord aufgestellt, berichtet das „Handelsblatt“ unter Berufungen auf interne Prognosen. Mehr als 10,5 Millionen Fahrzeuge konnten die Wolfsburger 2017 an den „Mann“ bringen (Vorjahr: 10,3 Millionen). Mit diesen Zahlen verweist der Konzern Toyota und GM erneut auf die hinteren Plätzen.

Dass Volkswagen auch im zweiten Jahr nach der Aufdeckung des Dieselskandals recht glimpflich davon kommt, liegt dabei an den starken Auslandsmärkten, insbesondere China, dem größten Absatzmarkt des Konzerns.

So berichtet der "Spiegel", dass inzwischen mehr als 40 Prozent aller Autos des Unternehmens in China verkauft werden. Dies sind mehr als vier Millionen Fahrzeuge im Jahr. Der deutsche Markt kann bei diesen Verkaufszahlen schon seit einigen Jahren nicht mehr mithalten. Laut Prognose, so wird Frank Schwope, Automobilanalyst bei der NordLB in Hannover, zitiert, wird der Wachstum auf dem chinesischen Markt aufgrund der zunehmenden Motorisierung des Landes auch 2018 nicht abreißen. Vorteil für VW: In China werden keine Dieselmodelle verkauft und somit kam es trotz Abgasskandal zu keinem Vertrauensverlust. Laut Unternehmensberichten planen die Wolfsburger aktuell die Eröffnung von zwei weiteren Fabriken in dem südostasiatischen Land.

Doch nicht nur in Asien boomt der Absatzmarkt: Auch in Brasilien und Russland konnten die Verkaufszahlen laut „Handelsblatt“ um bis zu 20 Prozent gesteigert werden. Ein Plus von rund 13 Prozent konnte auch in allen Staaten Zentral- und Osteuropas verzeichnet werden.

Der Exporte spielt bei diesen Absatzzahlen auf den Auslandsmärkten eine immer größere Rolle. Seewege zählen dabei seit Jahren zu den Exportwegen Nummer eins. Für Volkswagen ist es daher eine nahezu logische Reaktion auf die steigende Nachfrage in Übersee, einen logistischen Drehpunkt in der Nähe eines großen Hafens zu beschließen. Diese Wahl ist nun auf den JadeWeserPort in Wilhelmshaven gefallen, den einzigen Tiefwasserhafen Deutschlands. Der auf ein  Volumen  von 2,7 Millionen Standardcontainern (TEU) ausgelegte  Container-Terminal wird offenbar immer attraktiver für Wirtschaftsunternehmen.

Nach  Angaben des Betreibers Euogate erreichte der JadeWeserPort 2017 das zweite Jahr in Folge einen zweistelligen Umschlag-Zuwachs. Während das Geschäft etwa am Eurogate-Terminal Hamburg um ein Viertel auf rund zwei Millionen Container schrumpfte, wurden im Vergleich zum Vorjahr in Wilhelmshaven 15 Prozent mehr Container umgeschlagen.

Aber nicht nur der  VW-Konzern, der ab 2019 in Wilhelmshaven Autoteile für die Marken Volkswagen, Audi und Volkswagen Nutzfahrzeuge verpacken und anschließend an über 25 Standorte in 15 Übersee-Ländern transportieren will, hat die Vorteile des Standortes erkannt. Auch der Tiefkühl-Logistiker Nordfrost nahm bereits im Januar dieses Jahres ein neues Logistikzentrum direkt am Hafen in Betrieb.