Digital

15.01.2019


Wunderbare Parallelwelten


Windows auf dem Mac? Kein Problem mit Lösungen wie Parallels Desktop. Wir haben die neue Version 14 getestet.


Drei Rechner auf einem Bildschirm: Über Parallels Desktop 14 werden auf diesem Beispielfoto auf einem Mac gleichzeitig eine virtuelle Maschine mit Windows 10 und eine mit einer weiteren Installation von macOS Mojave betrieben.    Foto:    Hersteller

Drei Rechner auf einem Bildschirm: Über Parallels Desktop 14 werden auf diesem Beispielfoto auf einem Mac gleichzeitig eine virtuelle Maschine mit Windows 10 und eine mit einer weiteren Installation von macOS Mojave betrieben. Foto: Hersteller

 

Von Malte Kirchner

Wilhelmshaven - Ein Computer im Computer: Das Prinzip virtueller Maschinen (VM) muss sich der Laie wie die bekannten russischen Matrjoschkas vorstellen, jene Holzpuppen, die einander stapelbar sind.

Mit einer speziellen Software kann so zum Beispiel auf einem Windows-Rechner ein Linux-Computer betrieben werden. Während es normalerweise eine Entweder-oder-Entscheidung ist, welches Betriebssystem auf einem Computer installiert wird, ist es dank VMs problemlos möglich, verschiedene Betriebssysteme und in sich geschlossene Maschinen auf einem Gerät zu betreiben.

Das klingt beim ersten Hören nach einem Liebhaberthema oder etwas, was nur Profinutzer verwenden. Doch gerade auf dem Mac sind virtuelle Maschinen beileibe nicht nur im geschäftlichen Umfeld gefragt. Dank VM ist es dort möglich, auf dem Mac auch einen Windows-PC vorzuhalten und das, anders als die von Apple vorgehaltene Bootcamp-Lösung, ohne Neustart des Macs. Die Softwarelösungen sind sogar so weit entwickelt, dass einzelne Windowsprogramme auf dem Mac so ausgeführt werden können, als wenn es sich um Mac-Software handelt.

Wir haben uns Parallels Desktop 14 für den Mac genauer angesehen. Parallels, das kürzlich von dem Softwarehersteller Corel übernommen wurde, ist neben VMWare einer der beiden großen Namen, wenn es um Virtualisierungssoftware auf der Apple-Plattform geht. Neben Windows können zum Beispiel auch Linux-Distributionen oder ein zusätzliches macOS in einer VM installiert werden, entweder einfach nur zum Ausprobieren des Systems oder aber, um etwas zu testen, ohne sich Gedanken darüber machen zu müssen, dass bei Problemen der ganze Computer nicht mehr funktioniert.

Dass sich Parallels nicht nur an den Profi richtet, wird gleich nach der Installation deutlich. In einem Assistenten werden dem Nutzer verschiedene kostenlose Linux-Distributionen zur Installation angeboten. Ein Klick und schon wird zum Beispiel Ubuntu in einer VM fertig eingerichtet und ist sofort startklar.

Die verschiedenen eingerichteten virtuellen Maschinen stehen in einer Liste übersichtlich übereinander. Bei jedem Eintrag kann der Nutzer festlegen, in welchem Umfang er Rechenleistung, Arbeitsspeicher und Festplatte mit der jeweiligen VM teilt.

Neu an der aktuellen Version 14 ist laut Parallels, dass der Festplattenspeicherverbrauch sowie RAM- und CPU-Leistung für den Betrieb der VMs deutlich gedrosselt werden konnte. So laufen Windows und Anwendungen laut Hersteller bis zu 35 Prozent schneller. Unter der Haube wurde auch daran gearbeitet, die Videoleistung zu steigern.

Fast schon etwas ulkig ist die Unterstützung der Touch Bar auf ausgewählten MacBook Pro-Modellen. Die Touch Bar ist ein schmaler Bildschirmstreifen, den Apple anstelle der Funktionstasten auf der MacBook Pro-Tastatur eingebaut hat. Software kann dort speziell auf sie abgestimmte Funktionstasten einblenden - leider hat sich das Konzept auf dem Mac bislang nicht wirklich durchgesetzt. Dass ausgerechnet Windows-Software auf der Touch Bar ein besseres Bild abgibt als manche Mac-Software, dürfte manchen zum Schmunzeln bringen.

Wie gut der Gastrechner auf dem Mac als VM funktioniert, ist natürlich auch immer eine Frage davon, wie leistungsfähig der Rechner ist. Insgesamt hinterlässt Parallels Desktop einen sehr ausgereiften Eindruck, der auch Einsteigern das Thema VM nahebringt, ohne erst lange Bücher wälzen zu müssen.

Parallels Desktop für Mac kostet neu 79,99 Euro. Für Powernutzer gibt es eine teurere Pro-Version, die unter anderem eine Steuerung per Kommandozeile ermöglicht.

 

 

Dieser Artikel erschien zuerst in der "Wilhelmshavener Zeitung" von Dienstag, 15. Januar 2019. Erhältlich bei allen gängigen Verkaufsstellen und auch als epaper.