Multimedia

26.06.2018


Wie lautet das Zauberwort?


Im "Zuhause 18" zeigt der Energieversorger EWE, was mit smarter Technik heute schon möglich ist. Ein Selbstversuch im Smart Home.


Von außen ein normales Haus. Das „Zuhause 18“ der EWE ist ein Einfamilienhaus, ausgerüstet mit smarter Technik, die es heute schon zu kaufen gibt. Auf dem Dach ist eine große Photovoltaikanlage, draußen surrt der Mähroboter.    WZ-Foto:    Kirchner

Von außen ein normales Haus. Das "Zuhause 18" der EWE ist ein Einfamilienhaus, ausgerüstet mit smarter Technik, die es heute schon zu kaufen gibt. Auf dem Dach ist eine große Photovoltaikanlage, draußen surrt der Mähroboter. WZ-Foto: Kirchner

 

Von Malte Kirchner
Oldenburg - „Alexa? Hilfe!“ Die ersten Minuten alleine in einem rundum smarten Haus - und statt Intelligenz liegt erstmal Ratlosigkeit in der Luft. Wie waren noch einmal die Aktivierungswörter? Ich merke: Ich spreche nicht die Sprache des Hauses.

Eben noch führten mich die EWE-Sprecher Volker Diebels und Eva Maier durch das Haus, zeigten jeden Winkel und jedes Gadget. Alles hörte auf ihr Kommando. Alles wirkte einfach und leicht einprägsam. Und als ich jetzt dem Esszimmer oder besser gesagt seiner Sprecherin, Alexa, sagen will, dass es die Jalousie herunterlassen soll, versteht es mich nicht. Partout nicht. Stattdessen antwortet Alexa beständig mit „Okay“, obwohl gerade gar nichts okay ist. Willkommen im „Zuhause 18“.

Zugegeben: Es war kein Traumstart in einen mehrstündigen Selbstversuch mit einem smarten Haus. Auch die Vorkenntnisse um smarte Gadgets helfen einem nicht weiter, wenn man die „Zauberwörter“ nicht kennt. Aber wie realistisch ist es schon, alle smarten Geräte auf einmal in Betrieb zu nehmen? Und auch wenn laut dem Branchenverband Bitkom jeder Zweite schon vom Smart Home gehört hat: Wie viele leben heute wirklich damit? Und wie viele so extrem wie in diesem Haus in Oldenburg?

„Das sollten Sie sich einmal ansehen“, hatte EWE-Sprecher Gerd Lottmann vor Wochen gesagt. Hier im Herzen Oldenburgs hat die EWE einen besonderen Showcase geschaffen. Es geht nicht um die Zukunft, sondern um die Gegenwart. Ein Haus, in dem eine Vielzahl von smarten Gadgets und Technologien versammelt ist. Alles, was ich an diesem nieseligen Dienstag sehe, ist am Markt erhältlich. Das Besondere ist die Zusammenstellung. Nur wenige, sagt Volker Diebels, dürften das alles in ihrem Haus haben.

Der Tag beginnt mit der Ankunft in der Garage: Per App wird das Garagentor im Keller geöffnet und der BMW i3, ein Elektrofahrzeug mit 200 Kilometern Reichweite, gleitet leise schnurrend in den hellen Raum. Während wir nach oben gehen, wird sich die Autobatterie aufladen. Die Ladestation ist mit einem großen Stromspeicherkasten verbunden, der die Energie verwaltet, die wechselweise von der großen Photovoltaikanlage auf dem Dach oder aus dem Stromnetz kommt. Überschüssigen Strom könne das Haus ins Netz abgeben. Oder über die „MyEnergy“-Cloud mit befreundeten Solaranlagenbesitzern teilen, erklärt Eva Maier.

Es ist der Moment, an dem wir anfangen, mit dem Haus zu sprechen. „Alexa, sage Nuki soll die Tür aufsperren“, sagt Eva Maier und der kleine Echo Dot, der auf dem Stromkasten liegt, fragt nach der PIN-Nummer. Nach dessen Aufsagen vergehen gefühlt lange Sekunden. Dann surrt es wie wild und die Tür ist offen. Mit Schlüssel wäre es vermutlich schneller gegangen.

Vom Keller geht es ins Erdgeschoss. Aus dem Flurfenster sehen wir draußen den Mähroboter seine Kreise ziehen. Smart natürlich. Dem muss seit seiner Einrichtung keiner mehr sagen, was er tun soll. Im Arbeitszimmer, mit Blick auf den Garten, die erste Demo: „Alexa, schalte Garten ein.“ Die Gartenlaternen leuchten auf. „Alexa, schalte Garten rosa.“ Die Laternen wechseln ihre Farbe von weiß in rosa.

Zwei Dinge werden diesen Tag prägen: Alexa sowie Zahlen und Daten. Die Amazon-Sprachassistentin ist allgegenwärtig, sei es mit der kleinen Dot-Dose oder in Form der großen Soundröhre. Als Sonos-Lautsprecher. Oder in Gestalt des Echo Show mit Bildschirm. Über so genannte Skills gibt es Schnittstellen zu den steuernden Apps der smarten Gadgets. Später wird mir Volker Diebels außerdem ein iPhone X in die Hand drücken. Die Fernbedienung. Aber diese Steuereinheit hat viele Apps und viele virtuelle Knöpfe. Schnell wird einem klar: Alexa ist der einzige rote Faden im Haus. Die Apps sind es nicht. Jeder Hersteller hat seine eigene. Es fehlt der gemeinsame Nenner.

Als wir im Badezimmer stehen und Eva Maier den „Entspannungs-Modus“ mit gedämpftem Licht und Musik vorführt, müssen wir alle lachen: Alexa will den Modus trotz vielfacher Ansprachen einfach nicht abschalten. Hektik statt Entspannung. „Alexa, aktiviere Entspannung vorbei“ - das klingt krumm, ist aber am Ende doch richtig. Die Musik war einfach zu laut. Alexa konnte uns nicht hören. Als Volker Diebels den Sonos-Lautsprecher per Hand ausknipst, versteht uns Alexa.

Auch hier im Badezimmer treffen wir unentwegt auf Zahlen und Daten. Die smarte Körperwaage sagt den Body-Mass-Index an, der Duschschlauch blendet den aktuellen Wasserverbrauch ein. Und der am Anfang des Rundgangs besuchte Stromschrank im Keller zeigt an, wie es um unsere Stromautarkie steht, wie viel Strom wir produzieren. Und wie viel wir verbrauchen. Ganz zu schweigen von den ständigen Pushnachrichten auf dem iPhone: „Bewegung im Obergeschoss“, vermeldet die EWE Smart Living-App. Der kleine weiße Sensor leuchtet stets rot auf, wenn wir an ihm vorbeilaufen.

Frage an die Gastgeber: Will jemand so leben? Antwort: Es geht darum, zu zeigen, was heute möglich ist.

Und tatsächlich ergibt sich schon nach wenigen Stunden ein differenziertes Bild, was einem gefällt und was nicht, was im eigenen Alltag praktisch ist und was stört. Der 1500 Euro teure Nahdistanz-Beamer von Sony, der in der Küche sein Bild auf die Tischplatte wirft und per Touch bedienbar ist, fasziniert. Kochrezepte mit schmutzigen Fingern aufrufen? Kein Problem. Wahlweise kann man ihn auch auf das Regal stellen und er gibt auf der Wand einen prima Fernseher ab. Die per Sprache steuerbaren Jalousien sind bequem. Die Kamera vor der Tür ist praktisch. Und dass man von unterwegs ein Livebild des Kühlschrankinhalts abrufen kann, um zu sehen, was einem fehlt, ist nützlich.

Aber das „Zuhause 18“ zeigt eben auch, wo die Fallstricke liegen, was einem in Sachen Privatsphäre nicht behagt oder was technisch einfach Quatsch ist. Den Spiegel im Flur mit einem tablet-großen Display, das nur per Fernbedienung gesteuert werden kann, hat man schnell über. Die allgegenwärtige Alexa dürfte mancher als beklemmend empfinden. Und die per Alexa fernsteuerbare Kaffeemaschine erfordert so viel menschlichen Einsatz vor Ort, dass selbst den Vorführenden rasch klar wird: „Wenn Sie den Knopf drücken, geht es wahrscheinlich schneller.“

Bei anderen Gegenständen, der schlauen Zahnbürste, die Tipps zur Anwendung gibt, oder dem smarten Wasserkocher, der den Inhalt auf eine gewünschte Temperatur kochen kann, müsste der Alltag zeigen, ob man sie wirklich braucht. Das größte Defizit freilich ist die Steuerbarkeit. Sie ist noch zu sehr an bestimmte Worte geknüpft. Die Intelligenz, wirklich zu verstehen, fehlt noch. Je mehr Geräte es gibt, desto mehr wäre sie erforderlich.

Als nach ein paar Stunden die Tür des „Zuhause 18“ hinter mir zuklappt, bin ich erleichtert: Am Ende sprachen das Haus und ich doch eine Sprache. Das Experiment ist geglückt. Angst haben muss man vor dem Smart Home im Jahre 2018 jedenfalls nicht. Das Schlimmste, was einem passieren kann, ist derzeit noch, dass nichts passiert.