Digital

24.02.2016


Surface Pro 4: Microsoft legt neues Tablet vor


Zwei in eins: Microsoft legt mit dem Surface Pro 4 ein überzeugendes Convertible vor. Das freut vor allem Nutzer, die auf Windows als System angewiesen sind.


Ein Tablet mit „Standing“: Das Surface Pro 4.     Foto:    Microsoft

Ein Tablet mit „Standing“: Das Surface Pro 4. Foto: Microsoft

Von Malte Kirchner

Wilhelmshaven - Warum ein Windows-Tablet? Für diese Frage gibt es vor allem im geschäftlichen Bereich eine einfache Antwort: Weil die Software nur unter Windows läuft. Da gibt es zum Beispiel den Tischler, der mit einer Windows-Software Innenausbauten von Läden plant. Folglich führt für ihn kein Weg an einem zusätzlichen Notebook vorbei, wenn er sich ansonsten für ein iOS- und Android-Tablet als mobiles Arbeitsgerät entschieden hat. Andere Anwender nutzen indes spezielle Softwarelösungen ihres Arbeitgebers. Auch diese unterstützen häufig nur die Windows-Plattform.

Für diese Gruppe ist die Software bei der Wahl eines Surface Pro 4 folglich ein gewichtiges Argument - allerdings glücklicherweise längst nicht das einzige.

Microsoft hat zwar historisch schon sehr früh, in den 1990er-Jahren, mit Tablet-Editionen seines Windows-Betriebssystems die weitere technische Entwicklung vorhergesehen. Rückblickend muss allerdings gesagt werden: zu früh. Als dann 2010 das iPad auf den Markt kam, schien der Zug an dem führenden Betriebssystemhersteller zunächst vorbeizurollen. Das Ansinnen, Apple durch Verschmelzen von Desktop und mobilen Geräten in Windows 8 zu überholen, misslang gar gründlich. Und auch die ersten Windows-Tablets erweckten den Anschein, als liefen sie der Konkurrenz ein bis zwei Generationen hinterher. Doch das ist Geschichte.

Im Jahre 2016 scheint der Konzern mit dem Fenster im Logo in Sachen Tablet endgültig aus dem Schatten getreten zu sein: Microsoft hat gut daran getan, die Hardware nicht alleine den Drittherstellern zu überlassen. Die Surface-Reihe zeigte von Anfang an Qualitäten. Das aktuelle Surface Pro 4 ist ein Gerät, das zwar etwas dicker und etwas schwer als das aktuelle iPad ist, wenn man es als Maßstab nimmt. Doch das Surface Pro läuft außer Konkurrenz, weil es eigene Akzente setzt, so etwa mit einem Klappständer, um das Gerät aufzustellen.

Viel entscheidender ist aber ein anderer Unterschied: Die Wahl der Software. Und hier ist festzustellen, dass mit Windows 10 endlich ein gutes Gleichgewicht zwischen Desktop und mobiler Welt gefunden wurde. Im zweiten Anlauf nach Windows 8 wirkt die Symbiose von Desktop und Mobile überzeugender. Was sich bei Windows 8 im guten Vorsatz verlor, einen Desktoprechner mit den Hardwarevorzügen eines Tablets zu kreuzen, das ist hier nun formvollendet. Und es ist zweifelsohne ein Alleinstellungsmerkmal, ein Desktop- zum Tablet-Betriebssystem zu machen.

Beim Hardwaredesign des Surface Pro 4 fällt am Gehäuse gleich das Windows-Logo auf der Rückseite ins Auge, das dem insgesamt wertigen Aussehen den Feinschliff gibt. Als Zubehör gibt es die Tastatur, die per Magnetanschluss automatisch einrastet. Die Tasten ähneln einem gängigen Notebook, wenngleich der Aufsatz wesentlich dünner ist. Der Anschlag der Tasten ist sehr gut, wobei eine gewisse Eingewöhnungszeit nötig ist. Die Handballenablage fühlt sich wie ein angenehmer Stoff an. Ein breites Touchpad rundet dieses Zubehörteil ab.

Auf das Touchpad kommt es aber gar nicht an, weil es auch noch den Stift dazugibt. Der ist Mausersatz und zwar ein ziemlich guter. Bereits durch Annäherung wandert der Mauszeiger mit der Stiftspitze mit. In punkto Latenzzeit reicht der Microsoft-Stift nicht an den Apple Pencil heran, was sich dadurch erklärt, dass er wohl auch eher ein Bedienungsgerät und nicht ein künstlerisches Arbeitsmittel sein soll. Dafür ist er allerdings auch stärker ins Betriebssystem integriert, als das gegenwärtig beim iPad Pro der Fall ist. Und die Entwickler haben auch das Problem gelöst, wie man Stift und Gerät zusammenbringt, indem der Stift magnetisch am Gerät haftet. Diesem Zusammenspiel sollte nicht zu viel Vertrauen geschenkt werden, aber in der typischen Schreibtischsituation ist es von Vorteil.

Dass durch das Zusammenspiel von Hard- und Software tolle Funktionen herauskommen können, zeigt sich an der Gesichtserkennung (Hello) als Passwortersatz. Die Front-Kamera gleicht das Gesicht des Nutzers mit einem vorher hinterlegten Foto ab. Damit das auch bei schlechtem Licht gut funktioniert, wird Infrarotlicht zur Hilfe genommen. Das funktioniert tadellos und schnell.

Viele gute Ansätze zeigte Microsoft aber auch bei seinem Smartphone-Betriebssystem, das bekanntlich weiterhin einen geringen Marktanteil hat und dem viele Apps fehlen. Welche Gewähr haben Käufer eines Tablets, dass es zukunftsfähig ist? Dass das Surface Pro 4 auf Windows als Betriebssystem setzt, ist dabei zweifellos als sichere Bank anzusehen. Aber hierin liegen für Interessierte auch die möglichen Gründe, die gegen das Gerät sprechen: Ein Desktopbetriebssystem ist naturgemäß komplexer strukturiert als ein reines Tablet-System, die Startzeit von System und Programmen ist gefühlt länger. Und obwohl der Finger zur Bedienung eingesetzt werden kann, ist die grafische Oberfläche kleinteiliger und filigraner als bei mobilen Systemen. Das macht das Surface Pro 4 nur bedingt couch-geeignet, während es als Arbeitsgerät herausragend ist.

Das heißt nicht, dass die Gerätegattung der Convertibles - der Umwandelbaren - schon ihre endgültige Daseinsberechtigung erhalten hat. Das muss der Markt entscheiden. Zweifellos hat Microsoft mit dem Surface Pro 4 aber ein sehr überzeugendes Gerät ins Rennen geschickt, das für diese Symbiose wirbt. Das kann sich sehen lassen.