Digital

28.10.2014


Nokia: Als vier Zahlen die Handywelt veränderten


Der Name Nokia steht künftig nicht mehr auf neuen Tophandymodellen. Eine Rückschau auf die Glanzzeiten.


Ohne Antennenstummel ein Hit: Das Nokia 3310 erlaubte zudem Hintergrundbilder. Foto: Nokia

Von Malte Kirchner

Was heute das Samsung Galaxy S5 oder das iPhone 6 ist, das waren Ende der 1990er Jahre Geräte mit wenig schwungvollen Zahlenfolgen wie 5110, 3210 oder 3310. Wer damals nicht aus irgendeiner Überzeugung  heraus gegen Handys war, der hatte entweder selbst ein solches Gerät in der Tasche oder kannte zumindest jemanden, der es besaß. Es waren Pionierzeiten, die das Wachstum des jungen Mobilfunkmarktes einläuteten. Und es war vor allem ein Name, der in diesem Zusammenhang besonders in Erinnerung geblieben ist: Nokia.

Dass der finnische Hersteller künftig seinen Namen nicht mehr auf den High-End-Smartphones aufdrucken lässt, sondern stattdessen der neue Eigentümer Microsoft – das ist eine Nachricht, die für viele, die mit Nokia-Handys aufgewachsen sind, mehr als eine Randnotiz wert ist.  Und so blickte in der Entstehungsphase dieses Artikels  auch ein junger Kollege ganz verträumt auf die Abbildungen  der damaligen Geräte. „Das waren noch große Schritte“, sagt er mit Blick auf die damalige Entwicklung der Handys.

Eine Rolle spielten seinerzeit aber auch die Rahmenbedingungen: Der Erfolg Nokias in den 1990er-Jahren steht  in einer  Verbindung mit dem Aufkommen der Prepaid-Karte. Die Kunststoffhandys von Nokia waren aufgrund ihrer Bauart nicht nur günstiger als die „großen Knochen“, mit denen das D-Netz im geschäftlichen Bereich salonfähig wurde, sondern sie waren auch erschwinglich im Betrieb, weil mit den Prepaid-Angeboten die hohe monatliche Grundgebühr entfiel, die kein Heranwachsener zahlen konnte. Damit gab es plötzlich ein ganz neues Publikum in den Mobilfunknetzen. Und der Massenbetrieb machte alles günstiger: Mit steigenden Nutzerzahlen purzelten mit den Jahren  die Preise für Gespräche und SMS.

Wie sehr Nokia mit seinen Geräten auf die jugendliche Zielgruppe abzielte, zeigte sich  an den Schwerpunkten, die bei Hard- und Software gesetzt wurden. Da waren allen voran die „Xpress-on“-Cover, mit denen sich das Aussehen des Gerätes schnell und gegen geringes Entgelt drastisch verändern ließ.  Komplette Geschäfte hingen voller Kunststoffschalen – es war ein gewaltiges Geschäft.

Aber auch Spiele wie Snake,  Hintergrundbilder  sowie die polyphonen Klingeltöne, die das Gedudel etwas abwechselungsreicher gestalteten, begeisterten die jungen Käufer. Dass das Ganze aufgrund des kleinen monochromen Displays eher  den Charme eines Tamagotchi-Eis hatte,  erschließt sich einem erst aus heutiger Sicht. Damals war es faszinierend.

Doch so schnell wie der Stern Nokias aufging, so schnell ging er im vergangenen Jahrzehnt auch wieder unter. Von 1998 bis 2011 war Nokia weltgrößter Mobilfunkhersteller.    Mit   dem     selbst entwickelten   Handybetriebssystem Symbian schlugen die Finnen auch eine Richtung ein, die tendenziell auf dem richtigen Weg landete, nämlich zu Internetanwendungen auf Mobilgeräten. Doch Symbian setzte sich gegen Android und iOS nicht durch. Die Pflege der Software wurde zunehmend zum Problem, bis Nokia die Reißleine zog und mit den Lumia-Smartphones einen Neuanfang wagte. Seither läuft Windows Phone auf Nokia-Geräten. Als Microsoft schließlich die Handysparte übernahm, war klar, dass künftige Produkte – wie bei anderen Smartphoneherstellern – von der Software ausgehend konzipiert werden.   Die Entscheidung, Microsoft statt Nokia draufzuschreiben, war insofern naheliegend.