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Campus

10.02.2015


Kein Songverbot für die "Antilopen Gang": Ken Jebsen scheitert vor Gericht


Verschwörungstheoretiker Ken Jebsen hatte versucht, einen Song der Düsseldorfer Rapper "Antilopen Gang" verbieten zu lassen - ohne Erfolg. Er scheiterte mit seinem Antrag vor Gericht.


Foto: Antilopen Gang/YouTube

Von Matthias Schwarzer

Der ehemalige Berliner Radiomoderator Ken Jebsen ist vor Gericht gescheitert. Er hatte versucht, einen Song der "Antilopen Gang" verbieten zu lassen. Die Düsseldorfer Hip-Hop-Band hatte in dem Track auf seine Bekanntheit als Verschwörungshteoretiker mit Rechtshang angespielt - davon hatte sich Jebsen verunglimpft gefühlt und gegen die Band geklagt. Das Kölner Landgericht lehnte den Verbotsantrag allerdings ab.

Ken Jebsen ist vor allem mit seiner Sendung "Ken FM" im Internet bekannt - dort verbreitet er krude Theorien, zweifelt unter anderem die Anschläge vom 11. September an oder philosophiert über das Attentat auf Charlie Hebdo in Paris. Bei seinem früheren Arbeitgeber, dem RBB, war Jebsen seinerzeit wegen eben solcher Verschwörungstheorien und antisemitischer Äußerungen entlassen worden. In einer E-Mail soll der Moderator geschrieben haben, er wisse, wer den Holocaust "als PR erfunden" habe. Jebsen gilt zudem als Mitinitiator der umstrittenen Montagsdemonstrationen.

Die "Antilopen Gang" nimmt in dem Song "Beate Zschäpe hört U2" die neurechten Bewegungen ins Visier. Im Songtext heißt es unter anderem: "Zu Verschwörungstheorien gehören Vernichtungsfantasien. Sie können sagen was sie wollen, sie sind schlicht Antisemiten. All die Pseudo-Gesellschaftskritiker, die Elsässer, KenFM-Weltverbesserer. Nichts als Hetzer in deutscher Tradition. Die den Holocaust nicht leugnen, sie deuten ihn um." 

Von diesen Lyrics sah Ken Jebsen sich verunglimpft und klagte. Der Text deute an, er hege Sympathie für rechtsradikales Gedankengut. Das Gericht konnte Jebsen mit dieser Argumentation jedoch nicht überzeugen: Einer Pressemitteilung des Labels der "Antilopen Gang" zufolge lehnte es den Verbotsantrag "unter besonderer Berücksichtigung der Freiheit der Kunst" ab. Dabei hätten auch "Äußerungen des Antragstellers in der Vergangenheit" eine Rolle gespielt. Jebsen zog seinen Antrag daraufhin zurück und muss nun nicht nur für die Gerichts-, sondern auch für die Anwaltskosten der "Antilopen Gang" aufkommen.

Die "Antilopen Gang" kommentierte den Fall wie gewohnt mit Humor: "Wie zu erwarten war, hat sich Ken Jebsen blamiert. Für die kostenlose Promokampagne sind wir ihm dankbar. Falls Jebsen nach diesem Eigentor in Erwägung ziehen sollte, eine Vernunftehe mit Barbra Streisand einzugehen, würden wir uns als Trauzeugen anbieten."