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11.12.2018


Hat das Air noch Luft nach oben?


Apple hat seinen Bestseller MacBook Air ein Jahrzehnt nach Verkaufsstart runderneuert. Wir haben uns das Notebook genauer angesehen.


Zum Zehnjährigen runderneuert: Das MacBook AIr 2018 hat ein deutlich verändertes Aussehen  und wird von Apple in drei Farben verkauft.    Foto:    Apple

Zum Zehnjährigen runderneuert: Das MacBook AIr 2018 hat ein deutlich verändertes Aussehen und wird von Apple in drei Farben verkauft. Foto: Apple

 

Von Malte Kirchner
Wilhelmshaven - Wer sich für ein MacBook interessiert, hat mittlerweile so richtig die Qual der Wahl. Gleich drei Modelle tummeln sich im Bereich des Einstiegspreises der Apple-Notebooks: Das MacBook mit seinem 12-Zoll-Display, das 13 Zoll große MacBook Pro ohne Touchbar und das neue MacBook Air mit 13,3-Zoll-Bildschirm.

Wir haben uns das MacBook Air in unserem Test mehrere Wochen lang genauer angesehen und mit den anderen Modellen verglichen.

Dass sich das MacBook Air überhaupt zurückmeldet, ist schon einmal eine der positiven Überraschungen dieses Jahres. Bei den Nutzern war das längere Zeit nicht mehr aktualisierte Gerät trotz technischer Rückstande wie beim Display immer noch beliebt. So verwundert es nicht, dass Apple dem Bestseller ein Comeback ermöglicht hat, wenngleich der Name Air aus heutiger Sicht nicht mehr so selbsterklärend ist, wie seinerzeit beim Verkaufsstart im Jahre 2008. Damals schuf Apple mit dem keilförmig geformten Unibody-Gehäuse aus Alu eine neue ultramobile Klasse. Über die Jahre hat sich das Air zum günstigen Einstiegsgerät gemausert, so dass die Leichtigkeit eher im Portemonnaie zu spüren war, im Vergleich zu den Mitbewerbern aber immer weniger auf der Waage.

Und im Jahre 2018? Nun, da muss man schon etwas genauer hinsehen.

Markant ist nach dem Aufklappen des Geräts gleich der neu gestaltete Bildschirm. Das lange ersehnte Retina-Display mit sehr hoher Auflösung ist jetzt auch hier im Einsatz. Kennzeichnete das Air bislang der Alu-Rahmen, hat das neue Modell auch einen schwarzen Glasrand wie die anderen Modelle. Es sieht auf diese Weise edler aus. Die ultraflache Butterfly-Tastatur ist bei Apple mittlerweile Standard, hier ist sie in der neuesten Generation enthalten, die nicht mehr so empfindlich gegen Blockaden durch Staubkörner sein soll. Im Gebrauch haben die Tasten einen guten Anschlag. Die Verbesserungen der vergangenen Jahre sind spürbar.

Das Touchpad ist deutlich größer und bietet mehr Platz für Gestensteuerung. Die markanteste Veränderung neben der Farbauswahl (space-gray, silber, gold) ist aber der unscheinbare Knopf oben rechts auf der Tastatur: Ein Touch-ID-Fingerabdrucksensor, der sicheres Aufschließen und Bezahlen am Gerät ermöglicht. Warum Apple bei seinen iOS-Geräten auf Gesichtserkennung setzt und beim Mac auf Fingerabdrücke, bleibt zwar rätselhaft - den Nutzer freut aber dieses zusätzliche Feature. Wir haben das Air in einem Gold-Farbton getestet, der - ähnlich der neuen Apple Watch - je nach Licht rosiger oder golden aussieht.

Dass Apple das MacBook Air als das luftigere Modell betrachtet, ist vor allem am Prozessor festzumachen: Der eingebaute Core i5 kann selbst im maßgeschneiderten „Build-to-order“-Modell nicht durch einen leistungsstärkeren i7 ersetzt werden. Es handelt sich zudem um eine Variante, die mehr Wert auf Thermik als auf maximale Leistung legt. Das ist freilich kein Problem für die meisten Office-Anwendungsfälle. Positiver Nebeneffekt: Dadurch bleibt dem Nutzer nerviges Lüfterrauschen fast durchgehend erspart. Wer aber Videos schneiden möchte oder aufwendigere grafische Arbeiten plant, könnte eher versucht sein, das vom Einstiegspreis aus gesehen 150 Euro teurere MacBook Pro oder gleich die Varianten mit Touch Bar zu erwerben.

Bei den Anschlüssen herrscht Übersichtlichkeit: Links befinden sich zwei USB-C-Anschlüsse (Thunderbolt 3), rechts der Kopfhörer-Klinkenanschluss. Das MacBook Air soll bis zu 13 Stunden Akkulaufzeit mitbringen. In unserem Test präsentierte sich das Gerät tatsächlich sehr langlebig und war dem Arbeitsalltag mehr als gewachsen.

Mit 1,25 Kilogramm ist das neue MacBook Air zwar ein leichtes Gerät, wird aber selbst im eigenen Hause mit dem MacBook (920 Gramm) unterboten. Als eine Randnotiz ist zu erwähnen, dass Apple für die Produktion zu 100 Prozent recyceltes Aluminium verwendet.

Wie leicht wird es also das neue MacBook Air angesichts der Rahmenbedingungen im Markt haben? Wie eigentlich immer bei Apple hat der Hersteller ein Paket aus Hard- und Software geschnürt, das für den Anwender sehr gut funktioniert: Ein flotter Prozessor, das großartige Display, der leise Betrieb und die sehr lange Akkulaufzeit erfüllen viele Nutzerwünsche. Zusammen mit dem hauseigenen stabil laufenden Betriebssystem macOS gibt es hieran wenig zu rütteln.

Der Preis macht das leichte Gerät leider für einige schwer verdaulich: Die günstigste Variante kostet 1350 Euro. Für Upgrades (16 statt 8 GB RAM und (256, 512 GB bzw. 1 TB statt 128 GB) werden saftige Aufpreise fällig. In der Spitze werden so bis zu 3089 Euro erreicht. Zum Vergleich: Ein Dell XPS 13 mit Maximalausstattung (Core i7, 13,3-Zoll-Display, 16 GB RAM, 512 GB SSD) kostet 1700 Euro.

Nun unterschlagen solche Preisvergleiche, dass den meisten Kunden auch die Marke Apple und das dazugehörige „Eco System“ etwas wert sind. Nicht erst mit dem neuen MacBook Air stellt sich die Frage: Ist beim Preis noch weiter Luft nach oben?

 

Dieser Artikel erschien zuerst in der "Wilhelmshavener Zeitung" von Dienstag, 11. Dezember 2018. Erhältlich bei allen gängigen Verkaufsstellen und auch als epaper. Auf einer Sonderseite geht es um den Brexit. Wie gehen die in der Region lebenden Briten mit dem bevorstehenden EU-Austritt um? Und was bedeutet der Brexit für Wissenschaft und Kultur?