Wilhelmshaven

18.12.2018


Dranhalten genügt


So einfach wie die Benutzung war der Start von Apple Pay in Deutschland nicht. Besonders die Sparkassen zetern gegen Apples Weigerung, ihnen die gleiche Funktechnik zu öffnen.


Apple Pay ist in Deutschland gestartet. Momentan bieten es aber nur wenige Banken ihren Kunden an.    Foto:    Apple

Apple Pay ist in Deutschland gestartet. Momentan bieten es aber nur wenige Banken ihren Kunden an. Foto: Apple

 

Von Malte Kirchner
Wilhelmshaven - Es war wie ein langsames Herantasten an einen der größten Märkte der Welt: Apples Bezahldienst Apple Pay startete nach den USA im Oktober 2014 zuerst in den Nachbarländern Frankreich und Schweiz (Juli 2016), Dänemark (Oktober 2017), Polen (Juni 2018) und Belgien (November 2018) sowie diversen anderen europäischen Staaten, bevor auch in Deutschland der Startschuss fiel.

Diesen hatte Apple-Chef Tim Cook schon während einer Telefon-Pressekonferenz im Sommer angekündigt. Die Ankündigung, bis Ende des Jahres starten zu wollen, war dann aber tatsächlich wörtlich zu nehmen: Erst am vergangenen Dienstag ging es los.

Warum das lange Warten? Neben der ungebrochenen Liebe der Deutschen zum Bargeld dürften es wohl vor allem schwierige Verhandlungen mit den Banken gewesen sein, die Apple so zögerlich werden ließen. Die Technik von Apple Pay ist schließlich schon vier Jahre alt und Berichte über Probleme waren international selten zu lesen.

Apple Pay startet hierzulande mit einigen bekannten Instituten wie der Deutschen Bank, doch in der überschaubaren Liste sind auch allerlei „Exoten“ zu finden. Interessant ist, wer nicht dazu gehört: Hier fällt vor allem das Fehlen der Sparkassen und Volksbanken auf. Flankiert wurde der Start zudem von einer Pressemitteilung des Sparkassenverbandes, die zwei Themen vermengte, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben: Die technische Machbarkeit von Apple Pay bei den Sparkassen zum einen und die Forderung vieler Banken nach Öffnung der Funk-Technik NFC im iPhone zum Anderen.

Was die Sparkassen und andere beanstanden, ist Apples Weigerung, die NFC-Technik in den Geräten für alle zu öffnen. Zwar kann jeder Entwickler seit iOS 11 per Nahfunk (Near Field Communication) Daten lesen. Aber keiner außer Apple kann derzeit über die Antenne auch senden, was für Bezahlverfahren nötig wäre. Sparkassen und Volksbanken versuchen eigene Verfahren zu etablieren, die auf NFC basieren. Auf Android existieren diese Apps schon. Das iPhone bleibt bisher allen versperrt.

Was können Nutzer aber tun, deren Bank sich Apple Pay verweigert und die das Bezahlverfahren trotzdem nutzen möchten? Neben dem Wechsel der Bank gibt es auch die Möglichkeit, Prepaid-Kreditkarten wie beim Anbieter Boon zu nutzen. Dies ist für viele Nutzer ein Kompromiss, die nicht gleich das Institut wechseln möchten.

Wir haben Apple Pay in der vergangenen Woche in der Praxis getestet und mehrfach damit in Wilhelmshaven gezahlt: Die Vorteile gegenüber der klassischen Kartenzahlung - besonders der kontaktlosen - sind nicht riesengroß, aber viele dürften den zusätzlichen Komfort trotzdem zu schätzen wissen.

Kein einziges Mal gab es technische Probleme, dafür aber manchmal ungläubige Blicke der Verkäufer, als wir die Armbanduhr an das Kartenlesegerät hielten und dies funktionierte. Auch diese Erfahrung wird wohl für viele im Bargeld-Land Deutschland noch ein langsames Herantasten erfordern.

Dass die Entwicklung angesichts der starken Mitbewerber Apple, Google, Samsung und anderer noch zurückzudrehen ist, darf als unwahrscheinlich angesehen werden.