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Campus

19.03.2016


YouTuber wird für homophobes Video gefeuert


Mit einem homophoben Video hat der YouTube-Star Mert Matan für Aufsehen gesorgt. Jetzt beendet sein Vermarkter die Zusammenarbeit mit ihm.


Nach seinem vermeintlichen Coming-Out rastet Merts Vater völlig aus. Foto: Mert Matan

Von Matthias Schwarzer

Hamburg - Der YouTube-Star Mert Matan ist von seinem Vermarktungsnetzwerk "Tube One" gefeuert worden. Nach Angaben des Branchendienstes "Broadmark" hat sich das Netzwerk von dem YouTuber getrennt, nachdem dieser ein homophobes Video ins Netz gestellt hatte.

In dem Film, der inzwischen mehr als 1 Millionen Klicks hat, veräppelt Mert Matan seinen Vater mit einem vermeintlichen Coming-Out. Er setzt sich zu seinem Vater aufs weiße Sofa, druckst ein bisschen herum und erzählt dann, dass er eine Beziehung zu einem Mann habe. Wie auf Knopfdruck flippt der Vater aus und schlägt auf seinen Sohn ein. Er brüllt: "Sag, dass das nicht wahr ist! Du kriegst auf die Schnauze!" Die Wogen glätten sich erst als Mert Matan seinen Vater aufklärt: "Papa, denkst du wirklich, ich bin schwul?" Er legt den Arm um ihn und sagt grinsend in die Kamera: "Der Arme zittert noch. Das war nur Spaß Papa, ich würde doch niemals sowas machen."

Was für den YouTuber offensichtlich witzig ist, ist für viele Schwule und Lesben harte Realität: Laut einer Studie mussten ein Drittel aller Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender bereits Gewalt wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität über sich ergehen lassen.

Auch die Reaktionen unter dem Video geben Anlass zur Sorge: "#FuckGay #FuckLesbian scheiß homos", heißt es da beispielsweise oder: "Ich bin ein sehr tolleranter Mensch und bin gegen Schwule , weil es … EKELHAFT,GEGEN GOTT IST UND UNNORMAL".

Andere Nutzer zeigen sich schockiert von dem Video und seinen Reaktionen. Einige befürchten, dass die Darstellung einer türkischstämmigen Familie gerade derzeit die Vorurteile gegenüber Ausländern verstärken könnte. Andere setzen sich klar für Homosexuelle ein und beziehen Stellung. Auch andere YouTuber melden sich zu Wort, drehen selbst Videos über den sogenannten "Gay Prank" und distanzieren sich davon.

In einem zweiten Video versucht Mert Matan die Lage später zu entschärfen. "Mein Vater hat nichts gegen Homosexuelle, außer dass sein Sohn vielleicht schwul sein könnte", heißt es darin. "Das gibt es bei uns in der Familie nicht, in der Kultur genauso wie in der Religion nicht. Bei uns in der Familie existiert so etwas einfach nicht. (…) Das ist seine Meinung, zu mir und nicht zu der allgemeinen homosexuellen Szene."

Doch das hilft alles nichts: Ende der Woche gibt "Tube One" bekannt, die Zusammenarbeit mit Mert Matan zu beenden. Den YouTube-Star dürfte das, abgesehen vom Image-Schaden, vor allem finanziell treffen. Multi-Channel-Netzwerke helfen den Videomachern vor allem bei der Vermarktung ihrer Clips.