22.01.2018


Wilhelmshaven - schöner Ort zum Forschen


Bei Senckenberg am Meer arbeiten Wissenschaftler aus aller Welt. Für drei Forscherinnen erfüllt sich fern der Heimat ihr Berufswunsch.


Dr. Nancy Fabiola Mercado Salas aus Mexiko, Dr. T erue Kihara aus Brasilien und die Doktorandin Sahar Khodami aus dem Iran freuen sich über die Freiheit der Forschung    am  Senckenberg-Meeresforschungsinstitut.  Foto:    Veit-Köhler/Senckenberg

Dr. Nancy Fabiola Mercado Salas aus Mexiko, Dr. Terue Kihara aus Brasilien und die Doktorandin Sahar Khodami aus dem Iran freuen sich über die Freiheit der Forschung am Senckenberg-Meeresforschungsinstitut. Foto: Veit-Köhler/Senckenberg

 

Von Hartmut Siefken
Wilhelmshaven - Was treibt eine junge Frau aus Teheran, eine andere aus Mexiko und eine dritte aus Brasilien ins kühle Wilhelmshaven zu Senckenberg am Meer? Bestimmt lockte sie nicht der nasskalte Winter. Sie brennen vielmehr für die Meeresforschung und arbeiten mit an der großen Aufgabe des Deutschen Zentrums für Marine Biodiversitätsforschung, die Artenvielfalt des Meeres zu erforschen.

Dr. Terue Cristina Kihara (47) aus Brasilien, Dr. Nancy Fabiola Mercado Salas (33) aus Mexiko und die Doktorandin Sahar Khodami (37) aus dem Iran sind Spezialisten der Molekulargenetik und versuchen, Licht ins Dunkel der Welt der Lebewesen in der Tiefsee zu bringen.

Kihara hat sich auf den Lebensraum spezialisiert, den hydrothermale Quellen im Indischen Ozean Tieren bieten. An den Bruchkanten der Kontinentalplatten mit ihren Unterseegebirgen und -vulkanen gibt es Heißwasserquellen von bis zu 300 Grad Celsius Temperatur, so genannte Schwarze oder Weiße Raucher, die Sulfide und andere Salze von Eisen, Mangan, Kupfer und Zink enthalten. Im kalten Umgebungswasser fällen die Minerale als feine Partikel aus.

Trotz der extremen Bedingungen findet man hier eine große Artenvielfalt. Kihara und ihre Studenten versuchen, sie durch den Augenschein unter dem Mikroskop, aber auch durch molekulargenetische Methoden zu erfassen, einzelne Arten voneinander zu unterscheiden, ihre Beziehungen zueinander zu verstehen und vor allem auch in Erfahrung zu bringen, wie sich die Arten an ihren Lebensraum anpassen und warum sie teils Tausende Kilometer weit entfernt an anderen Hydrothermalquellen ebenfalls zu finden sind, sprich wie sie sich vermehren und verbreiten.

Außerdem geht es bei diesen Tiefsee-Expeditionen auch um eine Kartierung des Meeresbodens des Indischen Ozeans, bei dem im Vergleich zum Atlantik oder Pazifik noch größere weiße Flecken des Unentdeckten existieren.

Khodami und Mercado Salas befinden sich gewissermaßen im Schlepptau von Prof. Dr. Pedro Martínez Arbizu und seiner Forschungstätigkeit auf den Manganknollenfeldern im Pazifik (darüber berichtete die WZ am vergangenen Montag). Bei diesen Forschungen geht es ebenfalls um eine Bestandsaufnahme des biologischen Istzustands, um die Folgen des geplanten Manganknollenabbaus heute abzuschätzen bzw. später konkret feststellen zu können.