Benutzernamen vergessen?
 
Passwort vergessen?
 
Wozu anmelden?

22.12.2016


Warum Attentäter ihre Ausweise am Tatort zurücklassen


Die Fahndung nach dem mutmaßlichen Attentäter von Berlin sorgt für Spekulationen. Warum hinterließ der Mann seine Personaldokumente im Fahrzeug? Für Terror-Experten ist die Antwort eindeutig.


Foto: dpa

Von Matthias Schwarzer

Berlin - Nach dem Anschlag in Berlin mit zwölf Toten und 50 Verletzten fahndet die Polizei nach dem 24-jährigen Anis Amri. Der Mann sei laut den Behörden "dringend tatverdächtig". Im Fußraum des Lastwagens, der am Montagabend auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gefahren war, waren die Duldungspapiere des Tunesiers gefunden worden.

Doch genau diese Umstände sorgen im Netz nun für Verschwörungstheorien. "Ja klar, plötzlich taucht wieder ein Ausweis auf", heißt es beispielsweise spöttisch auf der WZ-Facebookseite. Und: "Das wird mir langsam zu doof." Auf Twitter schreibt ein Nutzer: "Duldungspapiere vergessen? Das ist zu einfach. Ich tippe auf Irreführung."

Und in der Tat ist das vermeintliche "Vergessen" von Personaldokumenten am Tatort kein Zufall - zumindest nach Ansicht von Terrorismus-Experten. Vielmehr stecke dahinter eine Strategie: Attentäter hinterlassen Ausweise und Papiere gezielt als Visitenkarte.

:: Täter schafft sich "Heldenmythos" ::

"Die IS-Terrororganisation legt großen Wert darauf, dass sich ihre Kämpfer in der globalen Welt der Medien durch Videoausschnitte, Selbstberichte und Enthauptungen präsentieren", erklärt Jan Kizilhan, Psychologieprofessor von der Dualen Hochschule Villingen-Schwenningen in einem Beitrag des ARD-Politmagazins "Report München". So sei es auch keineswegs verwunderlich, wenn sich Attentäter nach einem Anschlag durch zurückgelassene Ausweispapiere zu erkennen gäben.

Zum einen schaffe der Täter dadurch in der islamistischen Szene einen "Heldenmythos", zum anderen stelle er die Behörden bloß, heißt es in dem Bericht. Auch das Schüren von Gerüchten, so dass Flüchtlinge oder Zuwanderer aus muslimischen Ländern unter Generalverdacht gestellt werden, könnte zur Strategie der Terrororganisation gehören. "Sie wollen damit ihrer Gemeinschaft eine Botschaft als Märtyrer hinterlassen", sagt Kizilhan.

:: Zurückgelassene Dokumente sind kein Einzelfall ::

Doch es gibt auch andere Theorien. Sicherheitsexperte Fred Burton, Vize-Präsident des US-Analysedienstes Stratfor und dort Experte für Terrorismusbekämpfung, glaubt schlichtweg an "Menschliches Versagen". Der mutmaßliche Täter hatte seiner Ansicht nach "keine Erfahrung. Diese Leute landen nicht das Space Shuttle", erklärt er der "Berliner Morgenpost".

Dass der mutmaßliche Terrorist Papiere mit sich führte, sei durchaus nachvollziehbar. Ein möglicher Terrorplan solle schließlich nicht an einer Kontrolle scheitern, bei der der Täter keine Papiere vorweisen kann.

Es ist nicht das erste Mal, dass nach einem Anschlag der Ausweis eines mutmaßlichen Täters entdeckt wurde. Auch die Attentäter von Paris, die Anfang 2015 die Redaktion der Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" gestürmt hatten, ließen einen Ausweis in ihrem Auto zurück.

Ebenso tat es einer der Attentäter der Terrornacht von Paris am 13. November 2015. Und auch in Nizza das gleiche Spiel: Der Ausweis des Tunesiers Mohamed Lahouaiej Bouhlel, der in eine Menschenmenge gerast war, wurde in dem Lastwagen gefunden.






Diese Seite bookmarken bei...
bookmark at facebook.combookmark at studiVZpublish in twitterbookmark at del.icio.usbookmark at google.combookmark in your browserbookmark at mister wongbookmark at digg.combookmark at yahoo.com