13.01.2018


Unbeschwerte Kindheit als großes Ziel


Im Sommer vergangenen Jahres gab Veith die Position im Vorstand des Bundesverbands Intersexuelle Menschen auf. Die Geschäftsstelle des Verbands in Schortens betreibt sie trotzdem weiter.


Setzt sich mit Nachdruck für die Belange von intersexuellen Menschen ein: Lucie Veith.      WZ-Foto:     Lübbe

Setzt sich mit Nachdruck für die Belange von intersexuellen Menschen ein: Lucie Veith. WZ-Foto: Lübbe

 

Von Dennis Sandhorst

Schortens - Der 26. Oktober ist für intersexuelle Menschen ein Datum, das in Erinnerung bleibt und einen Umschwung einläuten soll. An diesem Tag erhielt eine intersexuelle Klägerin vor dem Bundesverfassungsgericht das Recht, einen Geschlechtseintrag im Geburtsregister und im Pass zu vermerken - verbunden mit der offiziellen Anerkennung „des dritten Geschlechts“.

Intersexuell ist jemand dann, wenn er zwar beispielsweise einen weiblichen Körper hat, der jedoch auch männliche Organe hat, die Testosteron produzieren.

Außerdem fordert das Bundesverfassungsgericht nun, dass dies für alle Intersexuellen gelten soll. Bis Ende 2018 soll der Gesetzgeber eine Regelung vorlegen, um intersexuellen Menschen - also Menschen deren Geschlecht aufgrund von körperlichen Besonderheiten nicht als eindeutig männlich oder weiblich bezeichnet werden kann - eine Eintragung des dritten Geschlechts zu ermöglichen.

Begleitet wurde die erfolgreiche Klägerin unter anderem von Lucie Veith. Die 61-Jährige ist selber intersexuell und engagiert sich seit Jahren im Bundesverband Intersexuelle Menschen, bei dem die Schortenserin auch Gründungsmitglied ist. Außerdem saß sie über Jahre im Vorstand des Verbands. Im Sommer vergangenen Jahres gab Veith diese Position jedoch auf. Die Geschicke der Geschäftsstelle leitet sie aber trotzdem noch aus einem Büro in ihrem Schortenser Wohnhaus. Durch das Urteil erhofft sie sich nun eine positivere Wahrnehmung und ein höheres Bewusstsein in der Bevölkerung. „Viele Menschen wissen sehr wenig über Intersexualität“, sagt sie.

Dem will der Bundesverband für Intersexuelle Menschen entgegenwirken und für Akzeptanz sorgen. „Mit dem Urteil wurde schon ein großer Schritt gemacht“, so Veith. Dennoch sei bis zur endgültigen Verankerung im Gesetz noch einiges zu tun. Vor allem die Medizin nimmt Veith in die Pflicht: „Die Ärzte dürfen sich nicht als Hüter über das Zwei-Geschlechter-System sehen. Auch sie müssen Intersexualität anerkennen.“

Oft würden operative Eingriffe vorgenommen, die dem Patienten eher schaden, so Veith weiter. Auch Hormontherapien, die das Herausstellen eines Geschlechtes bezwecken sollen, seien an der Tagesordnung. „Das hat sicher auch finanzielle Gründe. Wir haben die Ressourcen in diesem Bereich und nehmen eine Korrektur wahr, die eigentlich nicht notwendig ist - schließlich leiden Intersexuelle an keiner Krankheit.“