16.04.2018


Stasi-Spione - aktiv in Wilhelmshaven


Das Wirken des Ministeriums für Staatssicherheit ist ein gesamtdeutsches Erbe. Herbstritt machte deutlich, wo die Schwerpunkte der Stasi-Aktivitäten lagen - auch in Wilhelmshaven.


Dr.  Christina Wawrzinek, Leiterin des Küstenmuseums, freute sich zum Abschluss der Sonderausstellung „Feind ist, wer anders denkt“ über den Vortrag von Dr. Georg Herbstritt. Die Fotos zeigen Aufnahmen, die in Stasi-Archiven gefunden wurden.    FOTO:    Masch

Dr. Christina Wawrzinek, Leiterin des Küstenmuseums, freute sich zum Abschluss der Sonderausstellung „Feind ist, wer anders denkt“ über den Vortrag von Dr. Georg Herbstritt. Die Fotos zeigen Aufnahmen, die in Stasi-Archiven gefunden wurden. FOTO: Masch

 

Von Michael Halama

Wilhelmshaven - „Bastian“, „Opel“, „Creme“ und „Tiegel“ - ob Einzelperson oder Ehepaar, alle waren sie Informelle Mitarbeiter (IM) des Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi) der damaligen DDR.

Alle wirkten sie in Wilhelmshaven. Der eine spionierte die Chemieindustrie an der Jade aus und lieferte jahrelang unter anderem Forschungs-Dokumentationen, die der DDR-Industrie und sogar den Polen und Russen zugute kamen. Der andere IM sammelte Informationen über wichtige Infrastruktur und Depots; eben alles, was im Kriegsfall Ziel von Sabotageaktionen hätte werden können.

Bekannt aber wurde vor allem Top-Spion „Klaus Reuter“. Der hatte als Sicherheitsbeauftragter bei IBM in Wilhelmshaven ab Mitte der 1970er Jahre Zugriff auf geheimste Unterlagen von Militärprojekten. Karl Gebauer, so sein richtiger Name, sah bei einem Projekt für die Marine das Gleichgewicht der Mächte erschüttert und hat sich deshalb an die Stasi gewandt. Sein Verrat hätte im Falle eines Krieges die Verteidigungsfähigkeit der Bundesmarine und ihrer Verbündeten ernsthaft gefährdet, weiß man heute. Im Jahr 1994 wurde Gebauer deshalb in Berlin zu zwölf Jahren Haft wegen Landesverrats verurteilt. Nur zwei weitere Bundesbürger im Dienst der DDR-Spionage erhielten ein so hohes Strafmaß.