18.05.2018


Rat der Stadt streitet um des Kaisers Bart


In der jüngsten Ratssitzung gab es eine lange Debatte um ein Plakatmotiv zum 150. Stadtgeburtstag.


Links: Der Bart im Logo soll an Wilhelm I, König von Preußen und 1969 Stadtgründer von  Wilhelmshaven, erinnern.  1871 wurde er   Kaiser. Mitte: In der Diskussion:  Das Logo soll   wohl an Stadtgründer Wilhelm I.  erinnern. Rechts: Oder gleicht der  Bart im Logo mehr Kaiser Wilhelm II.? Dessen  Markenzeichen war der aufstrebende Bart mit  hochgezwirbelten Enden.  Grafik: WZ/Fotos: WZ-Bilddienst/dpa

Links: Der Bart im Logo soll an Wilhelm I, König von Preußen und 1869 Stadtgründer von Wilhelmshaven, erinnern. 1871 wurde er Kaiser. Mitte: In der Diskussion: Das Logo soll wohl an Stadtgründer Wilhelm I. erinnern. Rechts: Oder gleicht der Bart im Logo mehr Kaiser Wilhelm II.? Dessen Markenzeichen war der aufstrebende Bart mit hochgezwirbelten Enden. Grafik: WZ/Fotos: WZ-Bilddienst/dpa

Von Maik Michalski

Wilhelmshaven - Ein kleiner Schnurrbart mit mehr oder weniger nach oben gezwirbelten Enden, eine angedeutete Pickelhaube, dazu ein Augenzwinkern: Ein Logo, das zum 150. Geburtstag der Stadt Wilhelmshaven im kommenden Jahr neben dem offiziellen Emblem der Jadestadt für Werbe- und Imagezwecke eingesetzt werden soll, hat den Anfang der Ratssitzung am Mittwoch knapp eineinhalb Stunden lang bestimmt - und die Besucher auf der Empore des Ratsaals wohl erheitert, aber auch frustriert.

Vorhang auf zum Trauerspiel erster Güte. Dauer: rund 70 Minuten, zwei Pausen.

Erster Akt: Dr. Michael von Teichman, FDP-Fraktionsvorsitzender, mahnt vor Feststellung der Tagesordnung an, dass der Rat noch über das am 3. Mai der Öffentlichkeit vorgestellte Logo zum Stadtgeburtstag 2019 diskutieren muss, „um Schaden von der Stadt abzuwenden“. Das ist der Grund für den Dringlichkeitsantrag - die übliche Ladungsfrist für einen normalen Antrag ist abgelaufen.

Marion Winkel-Fiedelak, Leiterin des Rechtsamtes, meldet rechtliche Bedenken an. Auftraggeber für die Erstellung sei die WTF, der Auftrag sei bereits vergeben; außerdem handele es sich bei dem Kaiser-Wilhelm-Bart-Logo lediglich um „Beiwerk“. „Die Entscheidung kann der Rat nicht an sich ziehen, weil er nicht Auftraggeber ist.“

Oberbürgermeister Andreas Wagner wendet ein: „Am 3. Mai wurde das Logo präsentiert, warum kommt dann erst jetzt ein solcher Antrag?“

Der Sprecher der Gruppe CDU/WBV, Stephan Hellwig, hält die Debatte für „ausgemachten Quatsch“ und bestreitet eine Dringlichkeit. „Außerdem steht der ehemalige König von Preußen, Wilhelm I., und spätere Kaiser für den Anfang unserer Geschichte.“ Die SPD sieht keine Dringlichkeit - noch nicht: „Wenn die Aufträge raus sind, ist die Sache gelaufen“, stellt Fraktionsvorsitzender Howard Jacques klar. Von Teichman bezweifelt die Vergabe und erinnert an eine Kontroverse im Kulturausschuss. Andreas Tönjes (GUS) sieht „einen Imageschaden für die Stadt“, sollte das Logo eingesetzt werden. Thorsten Moriße (AfW) will wissen, ob „Wilhelm gar zwinkert?“ Julia Muth, Pressesprecherin der Stadt, erläutert, dass Vorbild für Wilhelm ein „Emoji“ war. 

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Der Streit um den Bart geht im Juni weiter.