13.09.2017


Müller: Ein Volk, ein Staat, eine Kirche


Kaisertreu und Hitler ergeben, aber, weiß Gott, kein Demokrat war der evangelische Reichsbischof Ludwig Müller - vielmehr ein Protagonist einer Verbindung von Schwert und Talar.


Die Pfarrer Ronneberger und Müller, der spätere Reichsbischof, prägten in den 1920er-Jahren die Marinegedächtniskirche, überhöhten deutsche Nation und Soldatentum in göttlichen Rang und waren Parteigänger der Nationalsozialisten. WZ-Foto: Bilddienst

 

Von Hartmut Siefken

Wilhelmshaven - Für einen aufrechten Demokraten und liberal-aufgeklärt denkenden Christen ist Ludwig Müller (1883 - 1945) ein Mensch, den man lieber vergessen möchte. Prof. Dr. Thomas Martin Schneider von der Universität Koblenz-Landau rief ihn am Montagabend in einem Vortrag in der Christus- und Garnisonkirche dennoch in Erinnerung.

Der Vortrag war Teil der Veranstaltungsreihe zur Ausstellung „Mit Schwert und Talar“ von Marinemuseum und Kirchengemeinde.

In Wilhelmshaven hinterließ Müller noch heute sichtbare Spuren. Zusammen mit Pastor Friedrich Ronneberger (1886 - 1968) machte er während seiner Zeit in Wilhelmshaven von 1920 bis 1926 die von Kaiser Wilhelm I. gestiftete Kirche zur Marine-Gedächtniskirche. Bis in jüngste Vergangenheit wehte beider Geist übermächtig durchs Gotteshaus. Erst den Gemeindeleitungen der vergangenen 20 Jahre gelang es, eine zeitgemäßere Folie des Gedächtnisses darüber zu legen. Doch das Altarbild von Hugo Schnars-Alquist „Per crucem ad lucem“ (Durch das Kreuz zum Licht), das an die Skagerrak-Schlacht und ihre Toten erinnert, bleibt Müllers augenfälligstes Vermächtnis.