24.02.2018


Künstlersozialkasse ist sein Vermächtnis


Dr. Herbert Ehrenberg ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Er vertrat Wilhelmshaven von 1972 bis 1990 im Bundestag. Von 1976 bis 1982 war er Minister im Kabinett Schmidt.


Dr. Herbert Ehrenberg ist im Alter von 91 Jahren gestorben. WZ-Foto: Bilddienst

Von Gerd Abeldt

Wilhelmshaven -  Wenn jemand in der Bundespolitik etwas für Wilhelmshaven erreicht hat, dann war es Dr. Herbert Ehrenberg. Als Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung im Kabinett von Helmut Schmidt (1976-1982) war er maßgeblich für die Gründung der Künstlersozialkasse verantwortlich.

Für seinen Wahlkreis besonders wichtig: Die Behörde, die bis heute bundesweit für die soziale Absicherung von Künstlern und Publizisten zuständig ist, fand ihren Sitz in Wilhelmshaven.

Wie am Freitag bekannt wurde, ist Herbert Ehrenberg bereits am Dienstag dieser Woche im Alter von 91 Jahren gestorben; nur fünf Wochen nach seiner Frau Isa, die er während seines Studiums an der Hochschule für Arbeit, Politik und Wirtschaft in Wilhelmshaven kennen gelernt hatte.

Ehrenberg war gebürtiger Ostpreuße. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Collnischken im Kreis Goldap. Nach Wehrdienst und kurzer Gefangenschaft bei den Amerikanern schlug er sich zunächst als Landarbeiter und Polizist durch. Dann der erste Kontakt mit Wilhelmshaven: Er holte sein Abitur nach und nahm ein Studium der Volkswirtschaftslehre in Rüstersiel auf, das er in Göttingen mit einem Diplom abschloss. Im Anschluss folgte die Promotion zum Thema „Expansive Lohnpolitik, ein Mittel der Einkommensverteilung“.

Nach mehreren Jahren leitender Tätigkeit in Handel und Industrie übernahm Ehrenberg die Leitung der volkswirtschaftlichen Abteilung beim Hauptvorstand der Industriegewerkschaft (IG) Bau. 1968 trat er in den Bundesdienst. Zuletzt war er Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung.

Seit 1955 war Ehrenberg in der SPD. 1972 wurde er, damals als Nachfolger von Johann Cramer, im Bundestagswahlkreis Wilhelmshaven/Friesland direkt in den Bundestag gewählt. Das Mandat behielt er bis 1990 inne. Von 1976 bis 1982 war er Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung.

Auf politischer Bühne sind mit seinem Namen das Betriebsverfassungsgesetz, die flexible Altersgrenze bei der Rentenversicherung und die Idee der Maschinensteuer verbunden. Dahinter steht der heute noch hochaktuelle Gedanke, dass in Zeiten, in denen immer intensiver Roboter die Arbeit von Menschen ersetzen, nicht nur die Arbeit, sondern auch die Maschinen besteuert werden sollten, um die Sozialversicherungssysteme zu sichern.

Jahrelang war Ehrenberg als politischer Ratgeber, als Buchautor und Publizist in deutschen Wirtschaftsblättern gefragt. Auch für die „Wilhelmshavener Zeitung“ als seiner Heimatzeitung verfasste er eine Fülle von Gastbeiträgen und Analysen. Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag war der Rat des friesisch-ostpreußischen Dickschädels weit über die Grenzen der Sozialdemokratie hinaus gefragt.

Über Jahrzehnte wohnte er mit seiner Frau Isa und ihren drei Kindern in einem schmucken Einfamilienhaus direkt hinter dem Deich in Horumersiel.

2010 zog das Paar in eine Seniorenwohnanlage in Hooksiel um, wo im Prominentenpark mitten im Ort eine Eberesche, sein Lieblingsbaum, an ihn erinnert. Seit 2013 lebten Ehrenbergs in einer Wohneinrichtung in Wilhelmshaven, in der Nähe ihrer Familie, in der Stadt, die ihm viel zu verdanken hat.