14.03.2019


Fünf Eckpunkte für den Tourismus


Über das Tourismuskonzept wird von vielen Seiten diskutiert. Prof. Dr. Uwe Weithöner hat sich über die Basis einer Tourismusentwicklung Gedanken gemacht.


Prof. Dr. Uwe Weithöner ist Vizepräsident der Jade Hochschule Wilhelmshaven mit dem Ressort IT- und Mediensysteme sowie Internationales und dem Fachgebiet Tourismuswirtschaftliche IT-Systeme .     Foto: Jade HS

Prof. Dr. Uwe Weithöner ist Vizepräsident der Jade Hochschule Wilhelmshaven mit dem Ressort IT- und Mediensysteme sowie Internationales und dem Fachgebiet Tourismuswirtschaftliche IT-Systeme. Foto: Jade HS

 

Von Prof. Dr. Uwe Weithöner

Wilhelmshaven - Viele Wilhelmshavener, engagierte Privatpersonen, Unternehmens- und Wirtschaftsvertreter sowie politische Gremien, diskutieren aktuell über die zukünftige Tourismusentwicklung ihrer Stadt.

Beispielsweise ist ein Positionspapier unter Leitung der Wilhelmshaven Touristik und Freizeit (WTF) entstanden, dass Eingang in die zurzeit laufende Erstellung eines Tourismuskonzepts gefunden hat. Mit vielen weiteren Aktivitäten werden darin Optionen zur Tourismusentwicklung geprüft, zum Beispiel mit dem Aufenthalt eines Kreuzfahrers.

Mit dem Fachgebiet Tourismuswirtschaftliche IT-Systeme und als Vizepräsident der Jade Hochschule Wilhelmshaven bin ich in einige dieser begrüßenswerten Aktivitäten involviert. Fünf Eckpunkte als Basis der Tourismusentwicklung für unsere Stadt erscheinen mir dabei besonders wichtig. So selbstverständlich sie sich zunächst anhören mögen, es fehlt an einer derartigen Festlegung als gemeinsam akzeptierte Basis. Auf einer einvernehmlichen Grundlage können Optionen der Tourismusentwicklung bewertet und gegebenenfalls realisiert werden:

  •  Stadttourismus ist ein Wirtschaftsfaktor auf zwei Säulen: Freizeittourismus und Geschäftsreisetourismus. 2017 haben deutsche Unternehmen 187,5 Millionen Geschäftsreisen abgerechnet mit durchschnittlich 157 Euro pro Reisetag. Im Vergleich dazu sind die Ausgaben pro Tag eines Urlaubsreisenden mit 84 Euro ermittelt worden (Deutschlands Geschäftsreise Verband). Darin sind Mischformen enthalten. Zum Beispiel Reiseleistungen, die während der Freizeit in Anspruch genommen werden, um anderen bei der Arbeit zuzuschauen bzw. um Industrien und Gewerbe kennen zu lernen. Die Meyer Werft in Papenburg ist ein Beispiel dafür. Wilhelmshaven und umzu hat in diesem Sektor, „Industrietourismus“ genannt, einiges zu bieten, z.B. in den Bereichen Logistik, Energie, Marine und Forschung. Freizeitgestaltung im Rahmen von Geschäftsreisen unter dem Kunstwort „Bleisure (Business+Leisure)“ gewinnt zunehmend an Bedeutung für die Geschäftsreisenden und ihre Unternehmen. Der Stadttourismus muss diese Säulen und ihre Ausprägungen gezielt in den Fokus der Entwicklung von Angeboten und Services nehmen.
  • Gemeinwirtschaftliche beziehungsweise städtische Tourismusentwicklung ist somit auch Wirtschaftsförderung mit dem Ziel nachhaltiger Wertschöpfung. Auf Basis einer zu pflegenden und zu entwickelnden Infrastruktur ist das Förderziel der Aufbau marktfähiger touristischer Angebote im Rahmen von Geschäftsmodellen, die keiner dauerhaften Subventionierung bedürfen. Eigene Einnahmen aus städtischen touristischen Angeboten sowie zusätzliches Steueraufkommen durch erfolgreiche tourismuswirtschaftlich agierende Unternehmen, ihrer Dienstleister und Lieferanten sind als monetäre Wertschöpfung zu erzielen, um eine profilierte Infrastruktur, inklusive gebührenfreier Services zu erhalten und ausbauen zu können. Somit ist eine ökonomische Nachhaltigkeit gefordert.
  • Eine ökologische Nachhaltigkeit zur Bewahrung und Pflege des Naturerbes ist insbesondere für unsere Region als profilierender Inhalt touristischer Angebote sowie als Rahmenbedingung des touristischen und wirtschaftlichen Handelns zu begreifen.
  • Tourismusentwicklung muss im Einklang stehen mit der Lebensqualität in Freizeit und Beruf der einheimischen Bevölkerung. Damit fördert sie eine authentische, ehrliche Gastfreundschaft und wird einer gesellschaftlichen und kulturellen Nachhaltigkeit gerecht.
  • Diese Eckpunkte sollten Konsens aller direkt und indirekt an der Tourismusentwicklung Beteiligten sein. Mit diesem Grundverständnis kann ein Destinationsmanagement organisiert und betrieben werden, das aktiver Partner des Stadtmarketings und damit der Stadtentwicklung ist.