25.12.2018


Eine wahre Weihnachtsgeschichte aus unserer Zeit


Flüchtlingshilfe ist ein abstrakter Begriff. Wie er mit Leben gefüllt werden kann, zeigt diese Geschichte.


Die Familien Naujokat und Al Mousa (hier ohne Lisa und ihre Familie).    Foto:    Naujokat/p

Die Familien Naujokat und Al Mousa (hier ohne Lisa und ihre Familie). Foto: Naujokat/p

 

Von Walburg Dittrich
Sengwarden/Rövershagen/Bochum - Es ist kurz vor Weihnachten. Und obwohl der Dezember 2015 laut Wetterstatistik besonders warm war, ist es draußen doch kalt. Zu kalt auf jeden Fall, um barfuß in Flip-Flops durch das Dorf zu laufen.

Das Dorf heißt Rövershagen, gelegen zwischen Rostock und Stralsund, also in Mecklenburg-Vorpommern. Hier lebt seit fünf Jahren Lisa Worms, geborene Naujokat, mit ihrem Mann Leo und den beiden Kindern Ben (5) und Thore (3). Aufgewachsen ist Lisa in Wilhelmshaven, genauer gesagt in Sengwarden.

Mit ihrem Weihnachtsbesuch spaziert Lisa an diesem Winterabend durch ihr neues Heimatdorf und sieht die syrischen Jugendlichen, die viel zu dünn bekleidet, auf der Suche nach einem Handy-Geschäft sind. Kurzerhand nimmt sie die drei Jungs mit zu sich nach Hause. Zusammen mit Oma und Schwiegermutter sucht sie Kleidung für die aus Syrien geflüchteten Jugendlichen zusammen. Sogar die selbst gestrickten Socken, die als Weihnachtsgeschenk für ihren Mann gedacht waren, wandern direkt an die Füße der syrischen Jungs.

Aber das ist erst der Anfang einer langen Geschichte über Hilfsbereitschaft, Herzlichkeit und Menschlichkeit. Denn als Lisa die Jungs abends „nach Hause“ bringt, zurück in das „Camp“ - ein Containerdorf für Flüchtlinge auf einem Erdbeerhof - lernt sie Hana und Alea kennen. Und sie ahnt noch nicht, dass sie das nächste Weihnachtsfest zusammen mit den beiden syrischen Mädchen feiern wird.

Die damals 20-jährige Hana und ihre siebenjährige Schwester Alea leben zu dieser Zeit schon seit knapp einem Monat in dem „Camp“. Sie wohnen zusammen mit einem jungen Ehepaar und deren Neugeborenem in einem Container-Zimmer. Den Eltern des Neugeborenen schenkt Lisa ihren Kinderwagen, beginnt auch Sachspenden für die Flüchtlinge im Camp zu organisieren. Die Schwestern Hana und Alea sind alleine aus Syrien geflüchtet und haben zu diesem Zeitpunkt schon eine wochenlange Odyssee hinter sich. „Am 23. Oktober 2015 sind wir vom Libanon in die Türkei geflogen“, sagt Hana. Sie spricht ziemlich gut Deutsch inzwischen. Anfangs sind die Mädchen zusammen mit Freunden ihrer Eltern unterwegs, dann beginnt der Mann, Geld von Hana zu fordern. Sie ruft ihre Eltern an, die zusammen mit der kleinsten Schwester in Damaskus geblieben sind und hofften, später ebenfalls nach Deutschland kommen zu können, im Rahmen der Familienzusammenführung. Hana und Alea setzen ihre Flucht ohne die falschen Freunde fort, zwei Mädchen alleine auf einem unbekannten und vor allem gefährlichen Weg.

 

 

Dies ist ein Auszug. Den vollständigen Artikel und viele weitere schöne und spannende Lesegeschichten und Reportagen lesen Sie in der Weihnachtsausgabe der "Wilhelmshavener Zeitung" von Heiligabend, 24. Dezember 2018. Erhältlich bei allen gängigen Verkaufsstellen und auch als epaper