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14.11.2017


Die Spitze der Evolution


Mehr als nur ein Plan B: Das iPhone 8 Plus von Apple bringt einige der Neuerungen des iPhone X mit und ist nicht ganz so teuer. Ein Test.


Leuchtender Glasrücken und veränderte Farbgebung: Das iPhone 8 Plus von Apple steht nicht im Schatten des IPhone X, sondern setzt eigene Akzente. Foto: Apple

Von Malte Kirchner

Wilhelmshaven - Erst eins (bis zum iPhone 5s), dann zwei (iPhone 6 und 6 Plus) und jetzt drei (iPhone 8, iPhone 8 Plus und iPhone X): Die Zeiten, als Apple seinen Kunden strikt  vorgab,  wie ein Smartphone auszusehen hat, sind vorbei.

Dieses Jahr im September wurden gleich drei neue  High-End-Smartphones vorgestellt. Herausragend erschien dabei natürlich vor allem das in vielen Bereichen neu erdachte iPhone X. Aber auch die 8-er-Reihe sollte nicht unterschätzt werden. Sie ist mehr als nur ein Plan B.

Aber warum setzt Apple überhaupt auf eine Drei-Säulen-Strategie? Eine verbreitete Vermutung  lautete, dass für das iPhone X nicht schnell genug die erforderlichen Millionen-Stückzahlen bereitgestellt werden können.  Dieses Gerücht wurde mittlerweile durch die Realität widerlegt, denn Apple schafft es augenscheinlich binnen weniger Wochen und damit nicht langsamer als sonst, den Bedarf zu decken. 

Bleibt also der Preis, denn das iPhone X überschreitet nicht nur die 1000-Euro-Grenze, es bricht sie um Längen. So absurd das bei einem hochpreisigen Hersteller wie Apple klingen mag: Seinen Erfolg verdankt das iPhone auch seiner Bezahlbarkeit, nicht nur im privaten Bereich, sondern besonders in den stark wachsenden Märkten der Entwicklungsländer und im geschäftlichen Umfeld, wo Budgets für Dienstgeräte gedeckelt sind. Damit gibt es  eine schwer zu beziffernde Zahl von Menschen, für die das iPhone X –  zumindest derzeit –   schwer bezahlbar  ist.

Zum Glück gibt es das iPhone 8 Plus: Das große (5,5 Zoll) der beiden 8-er-iPhones kann nicht nur im Vergleich zum Vorjahresmodell punkten. Es gibt auch einige Felder, in denen es mit dem iPhone X gleichzieht. Wir haben einige Wochen das  iPhone 8 Plus mit 256 GB Speicher getestet.  iPhone 8 und iPhone 8 Plus sind  jeweils mit 64 bzw. 256 GB Speicher erhältlich.

Das Design orientiert sich vordergründig an der iPhone 6-er-Linie von vor drei Jahren. Gleichzeitig ist es deren deutlichste  Veränderung: Wer das Gerät umdreht, entdeckt anstelle des Metalls einen Glasrücken, der sich durch Glanz und Griffigkeit wohltuend abhebt, damit aber natürlich auch etwas sturzempfindlicher und anfälliger für Fingerabdrücke ist. Die Entscheidung für Glas hat nur sekundär mit dem Design zu tun. Sie war vor allem nötig, um das induktive Aufladen zu ermöglichen. Aber es ist eine gute Entscheidung, weil das Gerät dadurch noch edler aussieht. Wir erinnern uns: Zuletzt hatte das iPhone 4s im Jahre 2011 eine Glasrückseite. 

Apple hat zugleich bei den Farben kräftig aussortiert: Das schwarz-graue Space grau, Silber –  das eher an ein edles Weiß erinnert –   und Gold, eine Mischung aus Weißgold und Kupfer, sind übrig geblieben. 

Die Neuigkeiten beim Aufladen sind zusammen mit dem Design auch der Grund, warum das iPhone 8 Plus eine viel bedeutsamere Aktualisierung darstellt als  vor einem Jahr das Vorgängermodell  7 Plus. Neben Wireless Charging beherrscht das 8 Plus auch Fast Charging –  zwei Begriffe, die aber nicht miteinander vermengt werden sollten. 

Das kabellose Laden geschieht mittels des Qi-Standards, der   etwa von Ikea  in diversen Möbel integriert wurde und für den es massenhaft günstige Ladegeräte am Markt gibt. Qi hat vor allem den Vorteil, dass unterwegs entsprechende Auflademöglichkeiten genutzt werden können, ohne dass ein spezielles Kabel nötig ist. Das ist ein großer Vorzug, aber auch zuhause ist das Laden durch Auflegen angenehm, weil es einem das Einstecken des Lightning-Steckers erspart. Das Aufladen darüber ist jedoch langsamer. Wer sein Smartphone über Nacht auflädt,findet es morgens aber mit 100 Prozent vor.

Fast Charging,  das schnelle Laden,  funktioniert dagegen nur per Kabel. 

Und es braucht einen leistungsstarken Ladestecker, den Apple nicht mitliefert. Wer ein iPad besitzt, kann jedoch dessen Stecker verwenden und wird feststellen, dass eine Aufladung in viel kürzerer Zeit möglich ist. Diese Funktion dürfte vor allem Vielnutzer und vor allem Vieltelefonierer freuen. Passend dazu hat sich augenscheinlich die Energieeffizienz des Prozessors erhöht. Der neue A11 Bionic ist der gleiche Chip, den Apple auch im iPhone X einbaut. Er ist zusammen mit den 3 Gigabyte RAM  extrem leistungsstark, was neue Funktionen wie Machine Learning (CoreML), Apples Steckenpferd Augmented Reality  und die beeindruckenden neuen Porträtlicht-Modi bei der Fotografie ermöglicht. Portrait Lighting ist die Fortschreibung des Porträtmodus aus dem Vorjahr, der mittels Tiefenmessung Objekte im Vordergrund scharf zeichnet und den Hintergrund verschwimmen lässt. Jetzt kommen spezielle Lichtsituationen wie Bühnenlicht und natürliches Licht hinzu, die vom Gerät eingerechnet werden. An dieser Funktion zeigt sich aber auch die Bedeutung der Software, die hier mit dem iOS-Betriebssystem mittlerweile schon in Version 11 vorliegt.

Die Kamera - sie ist für viele Nutzer sowieso ein maßgeblicher Grund, ein iPhone zu kaufen. Und sie werden nicht enttäuscht: Die Zahl von 12 Megapixel sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass mit einem besseren Bildprozessor, einer etwas größeren Sensorfläche, so genannten „Deep Pixels“ und einer licht-starken Blende von 1,8 bei der Weitwinkellinse deutliche Verbesserungen erzielt wurden. Bemerkbar werden diese vor allem in schlecht beleuchteten Umgebungen. Die zweite Tele-Linse hat eine Blende von 2,8.

Schließlich treffen wir beim  8 Plus noch einen alten Bekannten vom iPad wieder: das True Tone Display. Sensoren im Gerät passen die Farbwiedergabe des Displays der Umgebung an. Im schummrigen Kerzenlicht präsentiert sich die Anzeige folglich gelblicher, im prallen Sonnenlicht wird der Blauanteil erhöht.

Unter dem Strich macht das iPhone 8 Plus einen sehr guten Eindruck. Wie gehabt, sind die Veränderungen vor allem für Nutzer spürbar, die von einem zwei Jahre oder älteren Gerät wechseln. Dann aber sind das 8 Plus und sein kleiner Bruder, das 8,  keineswegs schlechte Optionen: Das  iPhone X unterscheidet sich vom 8 Plus  in der Bauform, im Display, in der etwas besseren Kamera und der Kamera-Technik Face ID. Aber es sind eben auch 240 Euro Preisunterschied und die Frage, ob man Pioniergeist hat. Oder ob man lieber auf eine über Jahre entwickelte und ausgereifte Basis setzt. 

Hier stellt das iPhone 8 Plus in seiner Reihe  die  Spitze der Evolution dar.






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